Orientierung im Varianten-Dschungel

Feature | 2. Mai 2006 von admin 0

Wer ein öffentliches Gebäude zum ersten Mal betritt, dem erschließt sich nicht unbedingt auf Anhieb, wo sich ein bestimmtes Büro, Treppenhäuser, Aufzüge oder Toiletten befinden. Doch um gut zu funktionieren, sollte ein Gebäude unter anderem eine klare Orientierung bieten. Denn: Menschen müssen sich darin zurecht finden. So hilft beispielsweise eine durchdachte Beschilderung dabei, den eigenen Standort im Gebäude zu bestimmen und in der unbekannten Umgebung problemlos den Weg zu seinem Ziel zu finden.

HEWI Heinrich Wilke GmbH

HEWI Heinrich Wilke GmbH

Die Beschilderungssysteme der HEWI Heinrich Wilke GmbH sind der menschlichen Wahrnehmung angepasst und erleichtern somit die Orientierung in Gebäuden. Die einzelnen Komponenten der Systeme beziehen sich inhaltlich und in ihrer Abfolge aufeinander und bilden im Gebäude eine Art Leitfaden. Auch die anderen Posten im breiten Angebot des Familienunternehmens mit Sitz im nordhessischen Bad Arolsen unterstützen die Funktionalität moderner Architektur. Neben Beschilderungssystemen bietet HEWI auch Beschläge, elektronische Schließsysteme, Handläufe und Geländer, Sanitär-Accessoires und Produkte für barrierefreies Wohnen.

Interne und externe Systemkompetenz gefragt

Unter der Bezeichnung „Systemkompetenz Architektur“ bietet HEWI systemorientierte Lösungen – modulare Produktsysteme, kompatible technische Plattformen sowie durchgängige Lösungen –, und arbeitet als Objektausstatter international mit Architekten und Planern, dem Handel und Verarbeitern zusammen. Das Traditionsunternehmen produziert europaweit und vertreibt seine rund 500.000 Produkte in Europa, Asien und Amerika über ein eigenes Netz mit Tochtergesellschaften und Handelspartnern.
Doch die alte IT-Landschaft hinderte das Unternehmen daran, unkompliziert und flexibel zu wachsen und sich am globalen Markt zukunftsfähig auszurichten. Bislang arbeitete HEWI mit verschiedenen Lösungen für die unterschiedlichen Geschäftsbereiche – ProdIS PPS-Produktplanungssystem, VKI-CRM, SAP-Finanz- und Lohnbuchhaltung. Viele Eigenentwicklungen hatten ProdIS zu schwerfällig gemacht. Weitere nicht-integrierte Lösungen hätten die Lage noch mehr kompliziert, den Schnittstellenaufwand förmlich explodieren lassen. Zudem koordiniert HEWI monatlich beträchtliche Datenmengen: 300.000 Artikelsätze, 200.000 Stücklisten, 150.000 Artikel-Lager-Beziehungen und 15.000 Kundenaufträge im Monat. Um diese Variantenvielfalt zu bewältigen, benötigt das Unternehmen einen ganzheitlichen und durchgängigen Blick auf seine Geschäftsprozesse.

Neue Lösung als Basis für Kommendes

Im April 2004 begann HEWI daher, eine integrierte ERP-Komplettlösung einzuführen. Die Anforderungen waren klar: Die Lösung sollte die Fertigung transparenter gestalten, die Produktionsplanung und -steuerung verbessern sowie eine Produktionsauftragsnachkalkulation einführen. Darüber hinaus benötigte HEWI ein funktionierendes internes Qualitätsmanagement und ein aussagekräftiges Management-Informationssystem. Das Unternehmen wollte zugleich die Basis für ein künftiges Customer Relationship Management (CRM) legen. Projektziel war es, eine ganzheitlich integrierte und transparente IT-Landschaft für durchgängige Geschäftsprozesse zu schaffen – eine langfristige Investition in die Zukunft.

HEWI entschied sich für die itelligence AG als Implementierungspartner, da der Bielefelder SAP-Partner über Fachkompetenz, viele Branchenreferenzen aus der Kunststoff- und Metallverarbeitung und ein großes Leistungsspektrum verfügt. Zunächst erarbeiteten itelligence und HEWI gemeinsam ein detailliertes Business Blueprint, um alle relevanten Unternehmensprozesse exakt zu erfassen. Dann löste HEWI mit Unterstützung von itelligence die alte Lösung zur Produktionssteuerung durch mySAP ERP ab. Zeitgleich regelte das Projektteam gemeinsam mit der viastore systems GmbH die Lagerverwaltung und die Materialflusssteuerung über SAP WM und die Anbindung des Hochregallagers.

Neue Technik, neue Prozesse

HEWI löste mit der SAP-Lagerverwaltung (WM) die alte dezentrale Lösung ab. Nun werden alle Bestandsbewegungen in SAP direkt gebucht und zeitnah dokumentiert. Dadurch schafft das Unternehmen ein Höchstmaß an Transparenz in allen Bereichen der Lagerhaltung. Eine Bestandsabfrage bis auf Lagerplatzebene in allen Produktionslagerorten, Kaufteilelagerorten und im Fertigwarenlager erfolgt heute auf Knopfdruck. In der Kunstoffspritzerei wurden das BDE-System Proquam angebunden und gleichzeitig Vorgangsrückmeldungen für Fertigungsaufträge eingeführt. Die Fertigungsteuerer sind damit in der Lage, jederzeit den aktuellen Fortschritt in der Produktion für die laufenden Aufträge abzufragen und den Prozess hierauf anzupassen – aufgrund der automatischen Rückmeldungen ohne Mehraufwand.
HEWI ist es darüber hinaus gelungen, die Anzahl der Erfassungsfehler zu verringern und die Buchungsprozesse zu beschleunigen. Denn die zusätzliche Anbindung von Bizerba-Waagen und Scannern im Bereich der Produktionsrückmelde- und Wareneingangszonen hat zu einer komfortablen Erfassung von Materialbuchungen geführt. Auch die Eingangsbelegverarbeitung hat sich durch die Einführung der SAP-Lösung erheblich verbessert. So wurden Schnittstellen zur FAX-Software FerrariFAX und dem Dokumentenmanagementsystem Hyparchiv von GFT geschaffen. Eingehende Faxe wie Anfragen oder Bestellungen werden nun von FerrariFAX direkt an das Dokumentenverwaltungssystem von SAP weitergeleitet. Hier startet ein Workflow-Prozeß, der die zeitnahe und gezielte Bearbeitung durch den Vertriebsmitarbeiter sicherstellt. Wurde ein Dokument erfolgreich bearbeitet, wird es automatisch über den SAP-Archiv-Link im Dokumentenmanagementsystem Hyparchiv dauerhaft archiviert und steht zur permanenten Recherche zur Verfügung.
Insgesamt sind seit der Kompletteinführung die Lagerverwaltung, Intermec-Funkscanner im Bereich von Lager und Versand zur mobilen Datenerfassung über Funk, das Dokumentenmanagementsystem Hyparchiv von GFT, ein eigenentwickeltes medienneutrales Produktinformationssystem, die Speditionslösung Transpolink und für die EDI-Abwicklung der BIS von Seeburger das VKI-CRM-System direkt mit der SAP-Lösung verbunden. Auch das BDE-System Proquam, eine Bizerba-Waage und die Interflex-Zeiterfassungsterminals im Bereich des Werkzeugbaus und der Kunststoffspritzgussmaschinen wurden direkt an SAP angebunden. Im Bereich der Außenhandelsabwicklung realisierte itelligence auf Basis des SAP-Standards eine Zoll-Präferenzkalkulation, die auch die Abwicklung für konfigurierbare Materialien in SAP ermöglicht.

Weiteres Wachstum eingeplant

Seit dem Produktivstart im ersten Quartal 2006 verfügt HEWI mit mySAP ERP über eine integrierte, leistungsfähige und langfristig nutzbare Lösung, die sämtliche Geschäftsprozesse transparent abbildet und dokumentiert. Dabei ist weiteres Wachstum durchaus mit eingerechnet: mySAP ERP passt sich flexibel der Unternehmensentwicklung an. Die integrierte Struktur reduziert die Schnittstellenproblematik, und damit verringert sich auch der Aufwand bei der Implementierung neuer Lösungen.
Insbesondere bei der Abbildung der komplexen Produkt-Variantenstrukturen im Bereich der Baubeschläge, bei der sich Milliarden möglicher Produktausprägungen ergeben, hat HEWI seine Prozesse verbessert. Gelungen ist dies mithilfe des SAP-Produktkonfigurators, der Parameter für die Erzeugung der technischen Dokumentation liefert. Er erlaubt, im Detail abzurufen, welche Produktoptionen und -komponenten sich miteinander kombinieren lassen. Damit verringert er die Fehlerrate bei Aufträgen von Partnern. Vertriebsmitarbeiter machen sich mit dem Produktkonfigurator rascher mit neuen Produkten, Produktreihen und -varianten vertraut.
Heute arbeiten 318 Anwender aus der Verwaltung, dem Vertrieb und der Produktion mit mySAP ERP. Sie profitieren von den durchgängig straffen IT-Prozessen und transparenten Daten. Dazu trägt bei, dass die verschiedensten IT-Systeme konsequent in mySAP ERP integriert wurden, beispielsweise die Lösung für das Materialfluss- und Hochregallager von viastore. „Uns ist es mit der mySAP-ERP-Lösung und durch die mittelstandsgerechte Beratung der itelligence AG gelungen, unsere extrem hohe Variantenvielfalt effektiv zu strukturieren und unsere Prozesse zu optimieren. So können wir mit der Lösung unsere Wettbewerbsfähigkeit spürbar stärken“, erklärt Stefan Kuhn, Bereichsleiter Finanzen & IT der HEWI Heinrich Wilke GmbH, abschließend.

Peter Roth

Peter Roth

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