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Outsourcing: Das sind die Trends

1. September 2016 von Kai Görlich 1

Welchen Einfluss die Digitalisierung auf Outsourcing-Strategien hat.

Seit Jahrzehnten verlagern viele Unternehmen betriebliche Tätigkeiten aus Industrienationen in Niedriglohnländer. Allerdings führte die Unternehmensberatung A. T. Kearney vor Kurzem eine Studie zu Outsourcing und Offshoring durch, die das Ende des Offshoring in seiner bisherigen Form prognostizierte.

In einer Welt, in der Wettbewerbsfähigkeit immer wichtiger wird, verlagern Firmen ihre Prozesse ins Ausland (Off- und Nearshoring) oder integrieren ausgelagerte Funktionen wieder in das eigene Unternehmen (Reshoring). Oft bringt das einschneidende Veränderungen mit sich. Doch mit der Digitalisierung von Lieferketten kann sich das Blatt nun wenden. Dann müssen Firmen höchstwahrscheinlich ihre Outsourcing-Strategien neu ausrichten.

Reshoring – der nächste große Trend?

Da Berichten zufolge immer mehr Unternehmen darüber nachdenken, ihre Produktion in Industrieländer zurückzuholen, könnte Reshoring der nächste große Trend werden. A.T. Kearney hat das Thema Reshoring in den USA untersucht und herausgefunden, dass noch immer mehr Prozesse ins Ausland verlagert als wieder ins eigene Unternehmen integriert werden. In Branchen mit hohen Lohn- und Transportkosten stehen Offshoring-Aktivitäten sehr hoch im Kurs.

Ausgaben für Personal zählen in der Regel zu den entscheidenden Outsourcing-Kriterien. Obwohl die Lohnkosten in den vergangenen Jahren auch in Indien und China deutlich gestiegen und Einsparpotenziale in China rückläufig sind, schauen sich Unternehmen nicht notwendigerweise nach anderen Standorten um. Tatsächlich belegte die Studie von A. T. Kearney, dass Branchen mit hohen Personalkosten ihre Produktion eher in andere asiatische Länder auslagerten. Mit zunehmender Globalisierung der weltweiten Wirtschaft bringt diese Offshoring-Strategie Unternehmen immer weniger Vorteile. Davon sind wir allerdings noch einige Jahrzehnte entfernt, da ein Großteil der afrikanischen Länder noch keinen Internetzugang besitzt.

Und dennoch verändert sich unsere Welt zunehmend: Laut einer Erhebung von McKinsey gehen die globalen Güter- und Kapitalflüsse zurück, während Datenströme überproportional wachsen. Seit 1995 trägt die Internationalisierung des Finanzwesens zum Outsourcing-Trend bei, der zwar an Bedeutung verliert, aber immer noch großen Anklang findet. Die Preise für Containerfrachten fallen seit Jahren und die internationale Kommunikation, einschließlich Mobilfunk, wird zunehmend wichtiger und erschwinglicher.

Mögliche Auswirkungen auf Outsourcing-Aktivitäten

In den USA entscheiden sich viele Unternehmen hauptsächlich für Reshoring, da der Staat Fördermittel bereitstellt. In Anbetracht der jüngsten Entwicklungen in westlichen Ländern und in China ist es möglich, dass Firmen ins Ausland verlagerte Prozesse formal wieder zurückholen. Bei einem eher nationalistischen politischen Klima könnte es sein, dass auch andere Regierungen die Wirtschaft im eigenen Land unterstützen wollen.

reshore

Außerdem ist der Ausbildungsstand der Mitarbeiter ein weiteres entscheidendes Argument, das allerdings im Zuge der Digitalisierung mit Weiterbildungsmöglichkeiten und Remote Support an Bedeutung verlieren könnte. Das gilt zwar auch für Entwicklungsländer, aber es geht eher um Reshoring-Szenarien, da für die industrielle Fertigung hochqualifizierte Fachkräfte benötigt werden.

Ein wichtiger Aspekt ist auch die Markeinführungszeit. Denn die Lieferkette ist lang, wenn ein Produkt in einem Schwellenland hergestellt und dann ans andere Ende der Welt transportiert werden muss. Natürlich können Technologien wie der 3D-Druck hier Abhilfe schaffen. Aber wenn die Nachfrage nach lokalen Erzeugnissen steigt, dann ist der Produktionsstandort vielleicht ausschlaggebend für die Kaufentscheidung der Verbraucher.

Die Entscheidung trifft jedes Unternehmen selbst

Die Synergien, die sich durch die Digitalisierung ergeben, sprechen dafür, dass ausgelagerte Funktionen wieder von unternehmenseigenen Mitarbeitern übernommen werden. Vor allem, weil Lieferantennetzwerke immer digitaler und internationaler werden. Zunächst ist die Nähe zu Märkten und den Verbrauchern ein überzeugendes Argument für zeitkritische Produkte. In einer Welt, in der Verbraucher zunehmend 24 Stunden lang einkaufen und Lieferungen noch am gleichen Tag erhalten möchten, kann das auch weitere Produkte betreffen. Denn Unternehmen sind dank der Digitalisierung in der Lage, schneller denn je neue Märkte und Kunden zu erschließen.

Robotertechnik und 3D-Druck

In den 1970ern wirkten sich Automatisierungs- und Robotertechnik bedeutend auf die Hersteller und ihre Lieferketten aus. Und das wird sich weiter fortsetzen, denn diese Technologien werden stets ausgereifter und effizienter. Bald werden Unternehmen in westlichen und asiatischen Ländern verstärkt Roboter im Produktionsbereich einsetzen. In beiden Fällen wird die zunehmende Automatisierung eine bezahlbare Alternative darstellen. Dadurch wird es für Unternehmen wieder attraktiver, Teile des Produktionsprozesses erneut in ihre eigene Firma zu integrieren.

Die Digitalisierung allein ist kein Argument für oder gegen Reshoring. Es liegt jedoch auf der Hand, dass aufgrund steigender Personalkosten in Offshoring-Ländern neue Technologien wie Robotertechnik und 3D-Druck eine echte Konkurrenz darstellen können.

Vermutlich wird die Art und Weise, wie wir digitale Technologien für das Design und die Fertigung von Produkten verwenden, eine weitaus größere Bedeutung als die klassische Automatisierung haben. In naher Zukunft werden sogar komplexe Produkte mit dem 3D-Druck überall auf der Welt hergestellt und von immer intelligenteren Robotern montiert. Nach und nach werden wir einen Weg finden müssen, die zunehmende Automatisierung, den Wegfall von Arbeitsplätzen und Funktionen und Kundenanforderungen mit den Interessen der Gesellschaft auszugleichen, in denen Hersteller aktiv sind. Letztlich bietet die Digitalisierung Firmen größere Flexibilität, zuverlässigere Lieferantennetzwerke und Freiheit. Denn die Entscheidung, ob sie Prozesse auslagern oder wieder in ihr Unternehmen integrieren wollen, liegt ganz bei ihnen.

Mehr darüber, wie sich die Digitalisierung auf Geschäftsstrategien von Unternehmen auswirkt, erfahren Sie im Artikel Innovation Digital Trends For Profitable New Business Models.

Der Artikel erschien ursprünglich im Digitalist in der Reihe 10 Weeks of Live Business“.

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