Per App Stromkosten sparen

Feature | 7. März 2014 von Nicolas A. Zeitler 0

Foto: Privat/grasundsterne

Georg Hackenberg, Martin Alexander Neumann und Yong Ding (v.l.) plädieren dafür, dass Energieversorger ihre Kunden belohnen, wenn die Strom zu ungewöhnlichen Zeiten verbrauchen. (Foto: Privat/grasundsterne)

Hoffentlich weckt der Schleudergang die Nachbarn nicht auf. Diese Sorge könnte preisbewusste Stromverbraucher künftig umtreiben, geht es nach den Promotionsstudenten Martin Alexander Neumann (28) und Yong Ding (31) vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und Georg Hackenberg (30) von der TU München. Ihre Idee: Energieversorger belohnen Verbraucher, die ihre Waschmaschine nicht zu Zeiten von Spitzenlast rotieren lassen. Die drei Nachwuchswissenschaftler haben das Konzept einer App entwickelt, über die Stromkonzerne ihre Kunden in Form einer Wette dazu motivieren, zu ungewöhnlichen Zeiten elektrische Energie zu verbrauchen. Die SAP hat die Idee in ihrem „Utility of Tomorrow Innovation Contest“ jetzt aus mehr als 60 Einreichungen zusammen mit vier anderen ausgezeichnet.

Zu bestimmten Zeiten ist das Stromnetz gering ausgelastet, zu anderen stärker. Während der abendlichen Hauptsendezeit im Fernsehen treten typischerweise Lastspitzen auf. Würde ein Teil der Verbraucher nun beispielsweise seinen Fernsehkonsum auf eine andere Zeit verlegen, würde dadurch zwar insgesamt nicht weniger Strom verbraucht, aber durch dieses „Load Shifting“ würden „in Summe die Energieerzeugungskosten beim Versorger reduziert werden“, sagt Elektrotechniker Yong Ding. Um dafür einen Anreiz zu schaffen, könnten Stromanbieter einen Teil ihrer Einsparungen an ihre Kunden weitergeben, so die Idee der Gruppe. Gefunden hat sich das Team über das Programm „SoftwareCampus“, in dem alle drei gefördert werden.

Anreiz zum preisbewussten Stromverbrauch per Gamification

Video über das ausgezeichnete Projekt:

 

Haushaltsgeräte wie zum Beispiel Waschmaschinen werden in Zukunft so intelligent sein, dass sie genau dann anspringen, wenn der Strompreis am niedrigsten ist. „Das ist ein Ziel des Smart Grids“, sagt Yong Ding. Das Wettbewerbs-Team wollte ergänzend zu diesem automatisierten Ansatz gezielt die Perspektive der Endverbraucher in Überlegungen zum preisbewussten Stromkonsum einbringen. „Und zwar ohne große Mühe zu bereiten, es soll auch Spaß machen“, sagt Neumann. Deshalb nutzt die Idee des Dreier-Teams den Ansatz von Gamification, also das Übersetzen eines Problems in eine spielerische Lösung.

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Umgesetzt könnte das so aussehen: Ein Energieversorger, der Überblick über die Lastspitzen in seinem Netz hat, bietet Verbrauchern in einer Region über die Smartphone-App etwa folgende Wette an: „Du schaffst es nicht, Deine Waschmaschine nicht mehr wie sonst um 19 Uhr einzuschalten.“ Wer annimmt und tatsächlich regelmäßig zu einer unüblichen Zeit seine schmutzigen Klamotten in die Trommel steckt, erhält im Gegenzug einen Preisvorteil – und zwar nicht erst bei der Abrechnung am Jahresende, sondern beispielsweise am Monatsende. „Es müssen viele Menschen in einer Region auf Wetten eingehen, damit die Spitzenlast um 19 Uhr wirklich genug abgefedert wird“, erläutern Neumann und Hackenberg. Gleichzeitig dürften nicht zu viele Verbraucher auf dieselbe Zeit umschwenken, sonst ergäbe sich eine neue Lastspitze zu einer anderen Zeit. Stellt ein Stromanbieter mit der Zeit fest, dass genau dieser Fall eintritt, also die Lastspitze lediglich verschoben wird, müsste die Wette geändert werden und wieder ein neuer Anreiz zum Ausweichen auf eine andere Uhrzeit geboten werden, so Hackenberg.

Technische Voraussetzung, damit die Idee der Wettbewerbssieger umgesetzt werden könnte, ist die Ausstattung von Haushalten mit Smart Meters. Nach den Vorstellungen des Teams würde der Energieversorger seine aktuellen Wettangebote von fern auf die Smart Meters seiner Kunden aufspielen und diese gleichzeitig per App zum Mitmachen auffordern. Das Smart Meter würde registrieren, ob der Verbraucher die Wette einlöst und bei Erfolg eine Meldung an den Erzeuger senden.

Im Workshop mit SAP-Experten Prototyp einer App entwickeln

Video über den Wettbewerb:

 

Abgesehen davon, dass die flächendeckende Ausstattung von Haushalten mit Smart Meters noch in weiter Ferne liegt, sieht das Forscherteam eine Reihe weiterer Fragen. Diskutieren wollen die drei derlei in einem Workshop mit SAP-Experten im Silicon Valley in diesem Sommer. Die Teilnahme ist die Siegprämie im Utility of Tomorrow Innovation Contest. Gemeinsam mit SAP und Energieversorgern wollen Neumann, Ding und Hackenberg dort einen Prototyp für ihre App entwickeln. Ob sie ihre Idee einmal vermarkten werden, ist noch offen. Zunächst hoffen sie auf eine Feldstudie, um das Potenzial ihrer Idee auszuloten.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Die anderen vier preisgekrönten Projekte

Die vier weiteren ausgezeichneten Projekte im Überblick:

Green Home – A Smart App for Electricity Authority (Dubai Women’s College)

Die mobile App soll Verbraucher dazu anhalten, weniger Strom im Haushalt zu verbrauchen. Den Anreiz dafür soll unter anderem das spielerische Teilen und Vergleichen der Ergebnisse mit anderen über soziale Netzwerke setzen.

Remote Appliance Manager and Energy Sustainability Companion (Xavier Institute of Management, Bhubaneswar, Indien)

Mit innovativer Hardware und Software sollen neuartige Systeme zur Energieverwaltung im Haushalt aufgebaut werden. Sie sollen dem Verbraucher helfen, seine Stromrechnung zu senken.

The ProxiMate – Smart Circuit Breaker System and App (Robert Morris University, Pennsylvania, USA)

Ein Stromunterbrechungs-System samt App für heimische W-Lan-Installationen, das Verbrauchern Energie sparen helfen will.

My Water Usage Management App (San Francisco State University, California, USA)

Mit der App sollen Verbraucher sich selbst Ziele zum Wassersparen setzen. Die App verfolgt den Fortschritt und benachrichtigt den Nutzer über sein Ergebnis.

Mehr über den Wettbewerb: https://ideas.sap.com/utilityoftomorrow

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