Perfect Plant – die perfekte Fabrik

Feature | 22. Januar 2009 von Ulrich Lenz, Senior Consultant Stratus Technologies GmbH 0

In vielen Unternehmen gibt es zwei IT-Welten. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht immer die Business-IT mit ihren Enterprise Resource Planning (ERP)-, Office- und Kommunikationssystemen. Hinzu kommen die bekannten Grundsatzdiskussionen um Client-Server, Grafische Benutzeroberflächen (Graphical User Interface, GUI), E-Commerce oder serviceorientierten Architekturen (SOA).

Eher im Verborgenen arbeitet die andere IT: die Systeme für die Steuerung und Überwachung von Produktionsanlagen und Maschinen (MES – Manufacturing Execution Systems). Sie bilden eine IT mit weitgehend unabhängigen Technologien und Infrastrukturen.

Manueller Datenabgleich kostet Zeit

Natürlich gibt es einen Austausch zwischen den beiden Systemen, denn die Produktionsdaten müssen früher oder später in die Business-IT einfließen. Aber solche Verbindungen werden weitgehend manuell gelöst, von einer echten Integration beider Welten kann daher keine Rede sein. Weniger als ein Prozent aller Hersteller verfügt über eine automatisierte Integration von ERP- und Fertigungssystem.

Demnach sind fertigungsbezogene Daten, wie

  • Auftrags- und Materialstatus
  • Kosten und Produktqualität

nicht zeitnah für betriebswirtschaftliche Entscheidungen verfügbar. Aktuell arbeiten Produktionsbetriebe oft noch mit Kopien zentraler Unternehmensdaten. Das führt zu Problemen mit der Qualität und dem Einhalten von Regelwerken. Außerdem können die finanziellen und geschäftlichen Auswirkungen von Produktionsstörungen auf Unternehmensebene nicht zuverlässig analysiert und kontrolliert werden – erst recht nicht, wenn die Produktion über verschiedene Standorte verteilt ist.

Auf dieser Basis sind Unternehmen nicht in der Lage, schnell auf Änderungen in der Nachfrage oder der Zulieferung zu reagieren. Qualitäts- oder Serviceprobleme werden zu spät erkannt.

Insgesamt lässt sich ein Fertigungsprozess, der mit dem Gesamtunternehmen nur über Umwege kommuniziert, auch nur mit entsprechenden Verzögerungen und Anpassungsverlusten steuern und auf die Unternehmensziele abstimmen.

Beide IT-Welten integrieren

Das wird sich in den nächsten Jahren grundlegend ändern. Der anhaltende Wettbewerbsdruck stellt an Herstellungsbetriebe neue Anforderungen. Gerade Unternehmen, die als Zulieferer arbeiten, haben häufig eine relativ schwache Wettbewerbsposition, müssen sich also dem Druck anpassen.

Damit diese schneller reagieren und ihre Produktionsprozesse besser steuern können, ist ein durchgängiger Informationsfluss entscheidend. Dabei sind die beteiligten Systeme auf beiden Seiten heute leistungsfähig genug, um die erforderlichen Informationen in Echtzeit bereitzustellen und zu verarbeiten.

Notwendig ist daher vor allem eine ganzheitliche und lückenlose Sicht auf die Fertigungsprozesse, von der einzelnen Maschine bis zur kaufmännischen Auftragsverarbeitung. ERP und die Systeme für Produktionsplanung und Steuerung (PPS) wachsen zu einer Einheit zusammen.

Perfect-Plant-Konzept der SAP

Das Perfect-Plant-Konzept der SAP greift genau diesen Aspekt auf. Ziel ist es, den Fertigungsprozess über alle Produktionsanlagen und Standorte hinweg zu optimieren, um dadurch das Produktionsergebnis im Hinblick auf das gesamte Unternehmen zu steigern.

In dieser perfekten Fabrik haben die Entscheidungsträger alle Kernprozesse der Produktion im Blick. Sie können die Nutzung von Anlagen und die Erfüllung von Aufträgen optimieren. Aber auch schneller auf Fehlentwicklungen reagieren und deren negative Auswirkungen auf das Geschäftsergebnis minimieren.

Konkrete Anwendung SAP MII

Mit SAP Manufacturing Integration and Intelligence (SAP MII) liegt mittlerweile auch eine konkrete Anwendung für das Perfect-Plant-Konzept vor. SAP MII ermöglicht eine nahtlose Integration von Produktionsprozessen mit allen Geschäftsabläufen. Über offene Standards werden die Produktionssysteme mit den Unternehmensanwendungen integriert, darunter SAP ERP, Fertigungssteuerung und Vertriebsautomatisierung.

Die Echtzeit-Analyse in SAP MII sammelt und berechnet Daten und stellt dem Anwender über Ereignisse, Alarmfunktionen und Kennzahlen alle entscheidungsrelevanten Informationen zur Verfügung. Die Mitarbeiter in der Fertigung können über ein rollenbasiertes Dashboard auf alle wichtigen Daten zugreifen, was auch hier schnelle und fundierte Entscheidungen ermöglicht.

Aber: So überzeugend das Konzept der Integration von Produktions- und kaufmännischer IT ist, eine solche Infrastruktur weist auch einen kritischen Punkt auf. Je länger die Prozesskette wird, desto stärker wirken sich Unterbrechungen aus. Wie sich diese vermeiden lassen, lesen Sie im zweiten Beitrag „Perfect Plant braucht Hochverfügbarkeit“.

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