“Plat-Forming” mit Partnern

Feature | 26. März 2008 von Perry Manross 0

Kiyoshi Masubuchi reiste eigens von Japan nach Walldorf, um am ersten Meeting des Platform Thought Leadership Council (PTLC) teilzunehmen – einer Gruppe von Plattformexperten, die SAP darin unterstützt, ihre Enterprise-SOA-Vision kritisch zu prüfen. Masubuchi sieht Parallelen zwischen der Vorstellung vieler Kunden von serviceorientierter Architektur und dem St. Andrews Golfplatz in Schottland: “Teuer, komplex, unvorhersehbar und besser den Profis zu überlassen.” Darauf entgegnet er: “Die serviceorientierte Architektur muss nicht teuer sein. Richtig gemacht, ist sie leicht zu handhaben und führt zu klar vorhersehbaren Ergebnissen. Zudem kann sie Unternehmen mit unterschiedlich stark ausgeprägter IT strategisch unterstützen.”

Die Akzeptanz von SOA steigt

Masubuchi ist Mitarbeiter bei Toyo Business Engineering in Japan, einem Partnerunternehmen von SAP. Obwohl für Masubuchi im Laufe des vergangenen Jahres die Akzeptanz der serviceorientierten Architektur deutlich gestiegen ist, sieht er nach wie vor großes Potenzial. Als Grund nennt er neue Möglichkeiten für Business-to-Business-Verbindungen und wie Kunden diese nutzen können, um ihre Prozesse und Geschäftsmodelle neu auszurichten.

Auch andere Teilnehmer teilen Masubuchis positive Sichtweise. Professor Tiziana Margaria-Steffen vom Institut for Computer Science der Universität Potsdam sagt: “Unternehmen begreifen rasch, dass sie aus der serviceorientierten Architektur Vorteile ziehen können, um ihre End-to-End-Prozesse über verschiedene Geschäftsbereiche und Lieferketten hinweg besser zu integrieren.”

Jörg Witzel, Software-Architekt beim SAP-Partner ISO Software Systeme, ist der Ansicht, SOA löse die Geschäftsherausforderungen perfekt – es sei nur eine Frage der Zeit, bis die Kunden das auch verinnerlicht hätten.

Lohnt sich SOA als IT-Strategie?

Besonders kontrovers diskutierten die Teilnehmer die Frage, inwieweit sich SOA als IT-Strategie wirtschaftlich lohnt. Als “nahezu ausgereift” beschreibt Michael Zimpel den Markt für Enterprise SOA. Er leitet die Arbeitsgruppe des SAP Global Enterprise SOA Adoption-Programms zum durchgängigen Einsatz des Konzepts. Dank des kontinuierlichen Engagements von SAP und beteiligter Partner müssten Softwareanbieter inzwischen weniger aktiv für das Thema Enterprise SOA werben. Die Kunden würden zunehmend von sich aus nachfragen, betont er.

Um diesen Trend weiter zu stärken, müssten SAP und die Partner beweisen, dass die Plattform-Strategie funktioniert – in internen Projekten ebenso wie mit begrenzten SOA-Szenarien bei Kunden. Mit einer umfassenden SOA-Einführung könne erst dann gerechnet werden, wenn es ausreichend positive Referenzen gebe, meint Zimpel.

Um Kunden und Interessenten in dieser frühen Phase zu unterstützen, entwickelt SAP derzeit ein Informationspaket, das so genannte Enterprise SOA Starter Kit. Mit dem Paket können Kunden den für sie besten Ausgangspunkt für ihre SOA-Strategie ausfindig machen. Wichtig ist hierbei, dass Interessenten “die richtige Menge an Wissen zur richtigen Zeit für ihre spezifische Rolle erhalten”, betont Zimpel.

Governance begleitet alle Entwicklungsschritte

Bei einem Workshop machten sich die Teilnehmer darüber hinaus detailliert mit Enterprise Services, dem Thema Datensteuerung, der Implementierungsmethode sowie dem Ausbau und der Anpassung bestehender Enterprise Services vertraut. Björn Treutel von SAP Consulting demonstrierte die Methode mit den Phasen Planung, Entwicklung und Betrieb von Lösungen auf der Basis von Enterprise SOA. Diese Methodologie sei eine integrierte Komponente des “nahtlosen Enterprise SOA Adoption-Framework”, so Treutel. Er ging insbesondere auf die Aufbauphase während der Implementierung ein. Sie umfasst den Entwurf der Business Process Platform, die Entwicklung der Enterprise-SOA-basierten Lösungen sowie die Definition des Governance Framework.

Dr. Ute Weber-Schäfer vom Enterprise SOA Delivery Program vertiefte anschließend das Thema Governance. Sie führte anschaulich vor Augen führte, welchen Einfluss Governance auf alle Entwicklungsschritte der Enterprise Services hat. Hierzu Weber-Schäfer: “Eine am Geschäft ausgerichtete Enterprise SOA basiert auf einem klaren Verständnis der Unternehmensstrategie und der Geschäftsziele. Davon ausgehend müssen Geschäftsprozesse definiert und geschaffen werden.”

Die Methodik für Design und Modellierung der Enterprise Services bindet laut Weber-Schäfer Geschäftsprozesse sowie Business Content ein. Sie stimmt zudem die Webservice-Technologie mit betriebswirtschaftlichen Begrifflichkeiten ab. Eine zentrale Steuerung und Überwachung sei unabdingbar, damit die verwendeten Werkzeuge und Verfahren den architektonischen Richtlinien und Standards genügen. Weber-Schäfer zeigte mit einer Präsentation, wie sich der von SAP ausgelieferte Content für Enterprise Services, Messages, Integrationsszenarios und globale Datentypen effektiv nutzen lässt.

Klare Arbeitsabläufe dank PTLC

SAP-Mitarbeiter wie Horst Schnörer, Leiter des Enterprise SOA Architekturteams für die SAP Business Suite, räumen dem Kontakt mit externen Interessengruppen einen extrem hohen Stellenwert ein: “SOA ermöglicht Kunden und Partnern über standardisierte Schnittstellen Zugang auf unsere Backend-Systeme. Daher ist es für uns überaus wichtig, direkt Feedback zu unseren Konzepten zu bekommen – und auf die Frage, ob diese Konzepte ihren Anforderungen genügen. Als SAP-internes Team legen wir großen Wert auf direkten Kontakt zur Außenwelt, um das Feedback bereits in die ersten Phasen der Entwicklung einfließen zu lassen.”

Peter Emmel und Rudolf Held waren als Organisatoren mit dem Treffen des PTLC sehr zufrieden. “Ziel des PTLC ist es, gemeinsam mit SAP-Entwicklung wichtige Themen, die im Zusammenhang mit der Business Process Platform stehen, genau zu erforschen”, sagt Emmel. Dass zwei Parteien an einem Tisch sitzen, stärke das Gemeinschaftsgefühl und erleichtere Ideenfindung und -austausch. Held fügt hinzu: “Solche Treffen sind die Grundlage klarer Arbeitsabläufe. Wir haben zum Beispiel Szenarien und Anwendungsfälle für die Anpassung und Erweiterung von Unternehmenslösungen gesammelt, die dazu dienen, unsere aktuellen SAP-Konzepte zu beurteilen. Außerdem werden wir mit unseren Partnern regelmäßige Treffen bezüglich der wirtschaftlichen Rechtfertigung von SOA-Unternehmensprojekten abhalten.”

Für Kiyoshi Masubuchi war das Treffen des PTLC eine große Chance für Partner und Kunden, um sich mit den SAP-Entwicklern über die Zukunft der serviceorientierten Architektur auszutauschen, “und um das SOA-Unternehmenskonzept aus dem Rough auf das Fairway zu bekommen”, schließt er mit einer Golf-Metapher.

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