Plattform für eine konzernweite Qualifizierung

Feature | 28. Juni 2004 von admin 0

Mit 70 Gesellschaften und 43 Fabriken in Europa, den USA, in Lateinamerika und Asien stellt sich der BSH Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH ein Integrationsproblem. Der Erfolg, auf den Märkten der Welt eine Spitzenstellung zu halten, beruht zum großen Teil auf einer gezielten Personalentwicklung. Besonders tragen dazu die Möglichkeiten bei, die Mitarbeitern und Führungskräften geboten werden, ihr Wissen und ihre Kompetenzen stetig zu erweitern. Die BSH beschloss daher, eine zukunftsfähige Lernumgebung für alle Beschäftigten der Unternehmensgruppe einzurichten.

Lernlösungen auf dem Prüfstand

In einem Vorprojekt standen die E-Learning-Systeme mehrerer Anbieter auf dem Prüfstand. Im Auftrag der BSH half die Unternehmensberatung Kienbaum, die fachlichen Anforderungen zu ermitteln. Als Schwachpunkte stellten sich im Vergleich die Schnittstellen zu den ERP-Anwendungen, insbesondere zu den Personaldatenbanken heraus. Mit Ausnahme der SAP-Lösung erwiesen sich die Schnittstellen als sehr aufwändig. Nachdem im Jahr 2002 dann die Entscheidung für SAP Learning Solution fiel, wurde eine erste Pilot-Anwendung mit drei “Leuchtturm-Projekten” aus der unternehmenseigenen Weiterbildungs- und Qualifizierungseinrichtung, der BSH Academy, und den Fachbereichen Kundendienst und Informationstechnologie gestartet. Endgültig grünes Licht für ein e2E Learning genanntes Projekt gab die BSH im Juni 2003 und bestimmte damit im Einzelnen die Projektziele.

Die neue Lernumgebung ist in die bestehende SAP-HR-Systemlandschaft der BSH integriert. Diese Einbindung in mySAP Human Resources (mySAP HR) verschafft Nutzenvorteile. Synergien ergeben sich durch die aktuelle Verfügbarkeit der Mitarbeiterstammdaten sowie durch das bereits produktive Veranstaltungsmanagement. In einer ersten Projektstufe vermittelte die BSH Academy ausgewählte Kursschwerpunkte im Blended-Learning, also sowohl über Online-Lernen als auch über klassische Präsenzseminare. Die Angebote hatten Produkt-Informationen und Service-Themen, Informationen für neue Führungskräfte und IT-Schulungen zum Inhalt. Feldtests überprüften die Eignung und Verwendbarkeit der Anwendung und der angebotenen Lernmedien. Die Prüfungen lieferten Erkenntnisse darüber, welche Bestimmungs- und Gestaltungsfaktoren für gelingende Lernangebote von Nutzen sind. Die Einführungsphase diente auch dazu, die Mitarbeiter der BSH Academy auf ihre veränderten Aufgaben und Rollen innerhalb der neuen Lernumgebung vorzubereiten.

Lernfortschritt selbst steuern

Die neue Lernumgebung bei der BSH unterstützt organisatorische Strukturen, um zielgruppenorientierte und anpassungsfähige Lernangebote entwickeln und bereitstellen zu können. SAP Learning Solution sieht so genannte Programm-Manager vor, die in der Funktion von Tutoren oder Mentoren die Programme aufsetzen und die Teilnehmer im Kursverlauf begleiten. Das ermöglicht eine gestalterische Freiheit, die Programme – sowohl didaktisch als auch methodisch – ganz auf die Bedürfnisse der Zielgruppen auszurichten. Es schließt auch Verfahren ein, die es erlauben, dass Online-Teilnehmer ihren Lernfortschritt selbst steuern. Komponenten wie eine Autoren-Umgebung unterstützen den kreativen Prozess zur Entwicklung von Programmen.

Die Lernumgebung hilft im gesamten Prozessverlauf. Zunächst ist der Bedarf von Lerneinheiten zu ermitteln und daraufhin ein Konzept zu erstellen. Dem schließt sich die Strukturierung und die Produktion des Lernprogramms (Content) an, bevor es schließlich den Mitarbeitern angeboten und zugänglich gemacht wird. Die BSH-Programm-Manager betreuen die Prozesse – von der Bedarfs- über die Konzepterstellung, die Content-Produktion bis zum Publishing. In der Erstellungs- und Produktionsphase werden sie von Kursentwicklern unterstützt, welche im Aufbau netzbasierter Lernangebote (WBT) erfahren sind. Die Beziehung zu den Teilnehmern halten Kursmanager. Zu ihren Aufgabenbereichen gehören die Administration, der Support und die Durchführung der Programme.

Roll-out der Lernplattform

Nach der Produktivsetzung der SAP Learning Solution sowie des SAP Enterprise Portals im Mai 2004 wird der globale Roll-out der Lernplattform in der BSH-Unternehmensgruppe weiter getrieben. Zunächst stehen Qualifizierungsprogramme zur Aneignung von IT-Wissen auf dem Gebiet New Office (Microsoft Tools) sowie das komplette Angebot der BSH Academy für 5.000 der rund 14.000 Mitarbeiter in Deutschland im Mittelpunkt. In einer weiteren Ausbaustufe sind Methodentrainings für das Qualitätsmanagement mit Schwerpunkten wie Quality Function Deployment (QFD), statistische Prozesslenkung (SPC) und Fehlermöglichkeiten-Einflussanalyse (FMEA) vorgesehen. Ferner gehören dazu Angebote, Fremdsprachen zu erwerben. Auf die Übernahme von Führungsverantwortung bereiten Programme vor, beispielsweise der Lehrgang: Wie gestalte ich die ersten 100 Tage als Führungskraft? Bis 2006 sollen weltweit E-Learning-Programme zum Themenfeld Produkte und Produktneuheiten für Zielgruppen in den Bereichen Vertrieb und Service verfügbar

Von der unternehmensweiten Lernplattform gehen klare Impulse an die Mitarbeiter aus. Arbeiten und Lernen rücken näher zusammen. Die Vermittlung von Wissen und das Trainieren von Fertigkeiten lässt sich am Arbeitsplatz (on the job), im Umfeld des Arbeitsplatzes (near the job) wie auch von unterwegs erledigen. Auf der Homepage “Mein Lernportal” findet der Mitarbeiter alle Trainingsaktivitäten, an denen er zur Zeit teilnimmt oder bereits eine Teilnahme gebucht hat. Auf seinem Lernkonto sind alle abgeschlossenen Trainings vermerkt. Die BSH betrachtet Lernprozesse nicht isoliert, sondern als gleichberechtigtes Element neben Informations- und Kommunikationsprozessen innerhalb einer web-gestützten Portallösung. Dazu gehört Knowledge-Management im Sinne von Wissensaustausch und dem gemeinsamen Lösen von Problemen genauso wie die aktive Teilnahme an Lerneinheiten.

Kollaborative Technologien

Die Lernkultur bei der BSH ist auf dem Weg. Interaktive Technologien des E-Learnings, die sich auf die teilnehmenden Lernenden ausrichten, werden Zug um Zug durch kollaborative Technologien erweitert, an denen, wie in den Arbeitsprozessen, ganze Gruppen beteiligt sind. Erklärtes Ziel ist eine ganzheitliche und zielgerichtete Personalentwicklung und -qualifizierung, um die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Die BSH setzt auf Autonomie; ein Leitsatz lautet: In den komplexen und dynamischen Marktentwicklungen, denen ein weltweiter Konzern ausgesetzt ist, sind Selbststeuerungs- und Selbstlernkompetenz der Mitarbeiter notwendig. Patentrezepte zur Gestaltung und Methodik von Lernangeboten gibt es nicht. Wie die Erfahrung lehrt, wirken sich die Erfolge durch Lern- und Qualifizierungsprogramme in jedem Unternehmen anders aus. Jedes Unternehmen hat seine eigene “Lernkurve”, davon sind die Bildungsmanager bei der BSH überzeugt.

Karl Zucker

Karl Zucker

Gerd Feninger

Gerd Feninger

Leave a Reply