Plattners Strategie: Daten im Arbeitsspeicher

Feature | 21. Mai 2010 von Frank Völkel 0

In-Memory-Datenbanken - die größte Revolution seit SAP R/3 (Foto: Frank Völkel)

In-Memory-Datenbanken - die größte Revolution seit SAP R/3 (Foto: Frank Völkel)

Charismatisch, teilweise sarkastisch, witzig und authentisch – so wirkte der Auftritt des SAP-Mitbegründers Hasso Plattner am dritten Tag der SAPPHIRE NOW in Orlando. Dabei blieb es nicht aus, dass in liebenswerter Art und Weise Kritik an den eigenen Reihen geübt wurde. Wie schon an den vorangegangenen Tagen gab es eine Live-Schaltung zwischen Frankfurt (Deutschland) und Orlando (USA). Plattner konzentrierte sich hauptsächlich auf den technischen Bereich und sein wichtigstes Thema: In-Memory-Database. Die eigentliche Eröffnungsrede hielt Vishal Sikka, der Technik-Chef (CTO) des Unternehmens.

Sikka verwies auf den Wandel im Computer-Hardware-Bereich, wo sich Taktraten von Prozessoren, Anzahl der CPU-Kerne und die Größe des Arbeitsspeichers extrem verändert hätten. Er erinnerte an das Jahr 2003, als der Chiphersteller Intel bei seinen Pentium-Prozessoren an eine magische Geschwindigkeitsgrenze pro CPU-Einheit angelangt war. Daraufhin wurden mehrere Kerne auf einem Chip angeordnet und die Performance skaliert bis heute nach oben. An einem ähnlichen Wendepunkt sieht Sikka die Strukturierung und Speicherung bei Datenbanken.

Hasso Plattner mit iPhone und iPad beim Zugriff auf Business ByDesign (Foto: Frank Völkel)

Hasso Plattner mit iPhone und iPad beim Zugriff auf Business ByDesign (Foto: Frank Völkel)

Geschäftsanwendungen können durch spaltenorientierte Speicherung von Datenbankeinträgen direkt im Arbeitsspeicher dramatisch beschleunigt werden. Durch In-Memory Database lassen sich Operationen innerhalb von Anwendungen deutlich schneller durchführen. Sikka betont, dass die Daten somit näher an der eigentlichen Anwendung sind und bei Abfragen sofort in einer im Arbeitsspeicher befindlichen Datenbank durchgeführt werden. Dadurch können die Applikationen viel schneller auf Daten zugreifen, diese erfassen und aktualisieren.

Und es wurde wieder einmal klargestellt: Die Festplatte ist tot! Das gilt zumindest für geschäftskritische Anwendungen mit Datenbank-Zugriff wo bis zu 4,7 Milliarden Einträgen verwaltet werden. Durch geschickte Kompression, so betonte Sikka, lässt sich eine Datenbank auf mindestens ein Zehntel ihrer Originalgröße verkleinern, ohne das dabei Daten verloren gehen. Damit würde eine 1 TB große Datenbank-Datei nur noch 100 GB im Arbeitsspeicher belegen und ließe sich in wenigen Sekunden komplett durchsuchen – ausgehend von einer Geschwindigkeit von 2 MB/ms pro CPU-Kern. Die In-Memory-Technik soll mit Hardware von Hewlett-Packard und IBM in der Praxis umgesetzt werden.

Neue Struktur in Datenbanken für viel schnellere BI-Anwendungen (Foto: Frank Völkel)

Neue Struktur in Datenbanken für viel schnellere BI-Anwendungen (Foto: Frank Völkel)

Doch zurück zu Hasso Plattner. Laut seiner Ansicht hat die Firma Apple mit iPhone und iPad hervorragende Arbeit geleistet, was die Kriterien Oberflächen-Optik, Bedienerfreundlichkeit, Ergonomie und Geschwindigkeit anbelangt. Der mobile Zugriff auf riesige Server-Datensätze per kompakten iPhone und iPad bringt auch bei SAP ganz neue Geschäftsfelder. Schließlich sei SAP der Begründer des Echtzeit-Computings im Business-Markt gewesen, doch nun müsse es sich alles in Richtung „Mobile“ verlagern.

Dabei werde auch SAP an seiner veralteten Bedienungsoberfläche (UI, User Interface) arbeiten und diese grundlegend verbessern – und zwar in Kürze. Die Firma Apple liefert dafür gute Beispiele, wie einfache und optisch attraktive Oberflächen aussehen können.

Gegen Ende der Veranstaltung führte Hasso Plattner die „Dunning-App“ auf dem iPad vor, die wir schon am Vortag vorgestellt haben – siehe Artikel SAP auf iPad: Alles wird mobil. Dunning wurde am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam entwickelt und greift auf echte Daten von SAP Business ByDesign 2.5 zu. An einem Beispiel wurde mit Business ByDesign gezeigt, wie sich Daten in Echtzeit verändern lassen: Plattner telefonierte mit Peter Lorenz und Gerhard Oswald, die live Änderungen an einem Datensatz vornehmen.

Alles über iPad: SAP-Anwendungen für Business ByDesign (Foto: Frank Völkel)

Alles über iPad: SAP-Anwendungen für Business ByDesign (Foto: Frank Völkel)

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