Pneuhage: Schwarze Ware im Umlauf

Feature | 29. April 2010 von admin 0

Reifencenter in München-Haidhausen (Foto: Frank Völkel)

Reifencenter mit Charme in München-Haidhausen (Foto: Frank Völkel)

Vom Pkw zum Lkw, vom Ackerschlepper zum Sattelschlepper – alle Fahrzeuge brauchen Reifen. Pneuhage Reifendienste bietet Markenreifen in allen Größen für sämtliche Arten von Fahrzeugen an. Hinzu kommt ein breites Sortiment an Felgen.

Das Familienunternehmen mit rund 1.200 Mitarbeitern bietet auch ein breites Spektrum an Dienstleistungen, darunter Montage mit Terminservice, Einlagerung, Finanzierung, Reifenfüllung mit Sicherheitsgas, umweltgerechte Entsorgung. An vielen Standorten bietet Pneuhage darüber hinaus elektronische Achsenvermessung und Spureinstellung sowie Service zu Auspuff, Bremsen und Stoßdämpfer an. Filialen mit angegliedertem Kfz-Meisterbetrieb bieten komplette Fahrzeugreparaturen einschließlich Tuning, von der Beratung über den Umbau bis zur Eintragung. Vielerorts kommt der TÜV in die Niederlassung.

Für gewerbliche Reifennutzer und Nutzfahrzeugkunden betreibt Pneuhage einen Mobilservice. Hierzu kommen komplett für die Montage ausgerüstete Wagen zu regelmäßigen Fuhrpark-Checks und Montagearbeiten direkt zum Kunden. Im Pannenfall hilft das Unternehmen damit nicht nur liegen gebliebenen Lkws. Der Mobilservice repariert oder tauscht auch Reifen von Traktoren, Baggern und Staplern vor Ort. Als Spezialist für alle Fahrzeugtypen ist Pneuhage deshalb auch Service- und Abrechnungspartner für die Reifenausrüstung von Leasing- und Flottenfahrzeugen.

 

Markenreifen zu günstigen Preisen (Foto: Frank Völkel)

Online-Räderkonfigurator

Pneuhage gibt Hilfestellung per Internet. Wer seinen Reifen lieber online bestellt, hat im entsprechenden Webshop die Möglichkeit. Bezahlt wird erst bei Abholung. Der Kunde muss nicht in finanzielle Vorleistung treten. Der Online-Räderkonfigurator (Link geht direkt zum Hersteller) unter etwa berät Interessenten über die technisch komplexen Möglichkeiten des Einsatzes von Reifen und Alufelgen bei ihren jeweiligen Fahrzeugen. Fast vier Millionen Anbauvarianten lassen sich auf diese Weise durchspielen.

Nicht anders beim Online-Terminbuch, mit dem Kunden ebenfalls auf der Pneuhage-Homepage einen Termin für den Radwechsel in ihrer nächstgelegenen Filiale buchen.

Der Pneuhage Reifendienst verfügt über ein Servicenetz von rund 90 eigenen Niederlassungen und mehr als 220 Vertriebspartnern. So bietet Pneuhage beispielsweise die Montage und Einlagerung der Reifen gleich mit.

Für die Überholspur ungeeignet

Das weitverzweigte Filial- und Partnernetz von Pneuhage macht die Logistik komplex. Eine filialübergreifende Sicht auf Stammdaten, Bestellungen, Bestände und Warenbewegungen ist das A und O. Doch genau daran haperte es in der Vergangenheit. Es gab keine geschlossene Warenwirtschaft innerhalb des Verbundes. Der Grund: Die bisher eingesetzte Software war nicht mandantenfähig, das heißt, sie musste für jede Niederlassung einzeln installiert werden und arbeitete separat. Jede Filiale war IT-technisch isoliert und konnte daher auch nicht direkt die Bestände der anderen abfragen. Zwar gab es eine Bestandsauskunft im Intranet, doch die Kollegen mussten dazu immer „ihre“ Filialsoftware verlassen. Auch das Bestellwesen war nicht integriert, d.h. Bestellungen wurden überwiegend telefonisch oder per Fax bearbeitet und nicht im System erfasst. Zudem besaß das Altsystem eine rein textbasierte Benutzeroberfläche mit dadurch beschränktem Informationsgehalt. Großer Nachteil dabei: Die im System verwendeten Abkürzungen und teils kryptischen Begriffe waren gerade für neue Mitarbeiter oft unverständlich. „Das System war alles andere als state of the art. Funktional zwar in Ordnung, aber mit Mängeln beim Handling und der Systemintegration“, erinnert sich Ralf Brauer.

Ohnehin lag die Weiterentwicklung des Systems seit geraumer Zeit still. Der Hersteller war 2003 insolvent gegangen, die Anwendung drohte zum Software-Oldtimer zu werden: Ein liebgewonnenes Utensil mit Nostalgiecharme zwar, aber für die Überholspur denkbar ungeeignet. „Wir suchten eine zukunftssichere Standardlösung, mit der sich alle warenwirtschaftlich relevanten Vorgänge sowohl der Zentrale als auch der Filialen abwickeln lassen.“ so Ralf Bauer. Die Wahl fiel auf Tradesprint, die auf SAP basierende Branchensoftware der cormeta ag; nicht zuletzt deshalb, weil Pneuhage im Rechnungs- und Personalwesen bereits seit Jahren mit SAP arbeitet. Auch cormeta war für den Reifenhändler keine Unbekannte – schließlich setzt man im Kreditversicherungsmanagement deren Software KVsprint ein. Daher lag es nahe, auch in der Warenwirtschaft mit SAP zu fahren. Ralf Brauer: „Wir haben uns für Tradesprint entschieden, weil die Anwendung nicht nur auf einem marktüblichen und daher zukunftssicheren Standard basiert, sondern auch, weil sie eine integrierte Filiallösung mit allen wichtigen Vertriebs- und Servicefunktionalitäten für den Reifenhandel ist.“ Auch beim Online-Terminbuch, über das Interessenten auf der Homepage von Pneuhage einen Montagetermin vereinbaren können, spielt das neue System seine Stärken aus.

Tradesprint für den Reifenhandel

Tradesprint ist eine auf dem SAP-Standard basierende Software sowohl für den klassischen technischen Händler als auch für den Kfz-Teile- und den Reifenhandel. Sie richtet sich an Unternehmen aller Größen und Handelsstufen (freie Händler, Verbund/Kooperation). Alle Prozesse von Beschaffung über Kommissionierung und Lagerverwaltung bis hin zu Versand und Rechnungswesen sind hier in ein System integriert. Hinzu kommen die branchenspezifischen Funktionen wie Kassenanbindung, Thekengeschäft, Matchcodesuche, EDI-/Adhoc-EDI-Bestellungen und automatische Rückstandsüberwachung. Zudem lassen sich Artikelstammsätze und Kalkulations-Basis-Preise (KB) der Industrie im System hinterlegen sowie Webshops, branchenübliche Online-Kataloge (TecDoc, TecCom) und Internetplattformen (Tyre24, ReifenDirekt) einbinden. Im Web können Kunden somit Anfragen starten, Preise und Verfügbarkeiten abfragen und Bestellungen auslösen.

Speziell für den Reifenhandel bietet Tradesprint weitere Funktionalitäten, beispielsweise für die Ein- und Auslagerung. Das System generiert bei Auftragsannahme automatisch einen Einlagerungsschein, sucht nach einem geeigneten Lagerplatz und errechnet die Kosten. Die Daten zum Lagerplatz und zur Profilstärke des eingelagerten Reifens werden gespeichert und stehen unter anderem für das Beratungsgespräch zur Verfügung. Bei der Auslagerung lässt sich mittels Kundennummer oder Kfz-Kennzeichen schnell der Lagerplatz ermitteln.

Ein wesentlicher Vorteil von Tradesprint besteht in seinem Cockpit, das alle Arbeitsabläufe im Reifenhandel und im Kfz-Service-Betrieb steuert – einschließlich Bestellwesen, Thekenverkauf, Werkstattabwicklung sowie Lager- und Filialbestandsübersicht mit Umlagerungsfunktionen. Es besitzt eine anwenderorientierte, intuitiv bedienbare Oberfläche und zeigt alle für einen Reifenhändler wichtigen Produktdaten wie Reifendurchmesser, -breite und Speed-Index in einer aufgabenspezifischen Bildschirmmaske. Gleichzeitig erfährt der Händler, wie viele Reifen eines Typs/einer Größe vorrätig sind. Dabei kann auch auf die Bestände anderer Filialen zugegriffen werden, denn mit Tradesprint lassen sich die Niederlassungen informationstechnologisch miteinander vernetzen. Hinzu kommt die Möglichkeit, Werkstattaufträge direkt im System zu erstellen, aus denen heraus Materialverbrauch und Rechnungen automatisch in der SAP-Finanzbuchhaltung gebucht werden.

80 bis 85 Prozent aller branchenspezifischen Prozesse sind in Tradesprint voreingestellt, was die Einführungszeiten erheblich reduziert. Ein weiterer Vorteil: Die Software ist jederzeit erweiterbar, da sie auf der SAP-Technologie basiert. Will ein Händler beispielsweise ein neues Lagerverwaltungssystem installieren, braucht er nur das entsprechende Modul innerhalb des SAP-Systems zu aktivieren.

Pneuhage setzt Tradesprint aktuell in 23 Filialen ein. Davon arbeiten sieben Niederlassungen bereits mit dem neuen Cockpit.

Eigens für die Einführung und den Rollout wurde ein neunköpfiges Trainerteam gebildet. Im Intranet wurde außerdem ein Wiki eingerichtet, in dem Tradesprint detailliert erläutert ist – mit umfangreichen Hinweisen zur Installation und Fehlerbehebung. Bis Ende 2011 werden auch alle restlichen Niederlassungen auf Tradesprint einschließlich des neuen Cockpits umgestellt; davon vier noch in diesem Jahr.

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