Process Composer im SAP NetWeaver BPM

Feature | 17. April 2009 von Vasco Alexander Schmidt 0

Mit der neuen Version von SAP NetWeaver BPM können Unternehmen neue Geschäftsprozesse ohne Programmieraufwand implementieren – zum Beispiel Anfrage-, Buchungs- und Freigabeprozesse. Eine solche Prozesskomposition verlangte bisher allerdings viel Handarbeit von IT-Beratern, um die verwendeten Services aufeinander abzustimmen: Für jedes Feld einer Schnittstelle muss das richtige Partnerfeld der anderen Schnittstelle gefunden werden.

„Unsere Ausgangsfrage hieß: ‚Muss der Datenabgleich wirklich so aufwändig sein?’“, sagt Gregor Hackenbroich, Programm-Manager bei der SAP-Forschung für den Forschungsbereich Data Management & Analytics. Die Antwort ist ein klares „Nein“, wovon sich jeder überzeugen kann, der den Process Composer im SAP NetWeaver BPM aufruft. „Das System erkennt automatisch, welche Felder mit hoher Wahrscheinlichkeit zusammenpassen“, erklärt Hackenbroich.

Hierzu gehören etwa Namens-, Adress-, Währungs- oder Datumsfelder. Der Benutzer muss nur überprüfen, ob die vorgeschlagenen Feldpaare wirklich zusammenpassen. Dies geht freilich viel schneller, als in den langen Feldlisten die richtigen Paare selbst aufzuspüren.

Coding für den Process Composer

„Für uns ist es ein großer Erfolg, dass wir letztendlich nicht nur Ideen, sondern auch produktives Coding für den neuen Process Composer geliefert haben“, erklärt Christian Brelage, der für SAP Research Projektleiter bei dem gemeinsamen Transferprojekt mit Forschern und der Entwicklung war.

In einem ersten Schritt konnten die SAP-Forscher einen Schema-Abgleich über die Namensähnlichkeiten im Process Composer integrieren (mit Enhancement Package 1 für SAP NetWeaver 7.10). In einer nächsten Version wird das System auch Ähnlichkeiten von Datentypen, Strukturen wie Vater-Kind-Hierarchien und der Bedeutung der Feldbezeichnungen erkennen können.

Seit über zwei Jahren haben Forscher von SAP Research an diesem „semi-automatischen Schema-Abgleich“ geforscht – in Kooperation mit Universitäten und enger Abstimmung mit der SAP-Produktentwicklung. Eine Investition, die sich aus Sicht des Projektleiters gelohnt hat: „Mit solchen Funktionen können unsere Kunden viel Zeit und Geld sparen“, fasst Christian Brelage zusammen. Die entwickelten Verfahren ließen sich – in Zukunft –auch für Datenmigrationen und die Anbindung von Vorsystemen und Benutzeroberflächen verwenden.

Projekt Galaxy: Geschäftsprozesse modellieren

Das Schema-Mapping ist allerdings nur ein kleines Element eines groß angelegten Projekts mit dem Namen „Galaxy“, das SAP NetWeaver in den vergangenen Jahren zu einer Technologie-Plattform für die Geschäftsprozessmodellierung ausgebaut hat. SAP-Forschung und -Produktentwicklung arbeiteten hier Hand in Hand – allein zehn SAP-Forscher an den Standorten Dresden, Karlsruhe und Brisbane (Australien) brachten ihre Ideen in die Produktentwicklung ein.

Neben dem semi-automatischen Schema-Abgleich entwickelten sie Werkzeuge zur einheitlichen und standardisierten Modellierung von Geschäftsprozessen bis hin zu Funktionen, um mögliche Sicherheitslücken von flexibel konfigurierten Geschäftsprozessen automatisch zu erkennen.

All diese Funktionen helfen Unternehmen dabei, die Vision der serviceorientierten Architektur (SOA) zu verwirklichen. Aufbauend auf existierender Standardsoftware können sie ihre spezifischen Geschäftsprozesse nun einfacher modellieren und umsetzen – und damit schneller auf Veränderungen im Markt reagieren.

Fokus: Kosten!

Ein solch flexibles Prozess-Management hilft zum Beispiel Kosten zu sparen: In einem Pilotprojekt hat ein Unternehmen aus der Getränkeindustrie mit SAP NetWeaver BPM die Anfrage, Buchung und Bezahlung von freien Mitarbeitern für Werbeaktionen konfiguriert. Zuvor wurden für den Prozess E-Mails verschickt und Excel-Sheets verwendet, was in vielen Unternehmen üblich, aber zeitaufwändig und damit teuer ist.

„Für uns ist die Zusammenarbeit mit SAP Research sehr wichtig“, erklärt Sören Balko, der in der Produktentwicklung für SAP NetWeaver im BPM Architektur- und Innovationsteam arbeitet. Grund dafür sei der naturgemäß produktzentrische Fokus in den Entwicklungsabteilungen. „Dieser wird durch die strategische Forschung mit einer längerfristigen Perspektive bei SAP Research ergänzt“, erklärt Balko.

Darüber hinaus unterstützt die SAP-Forschung mit Kundenstudien im BPM-Umfeld die Galaxy-Produktentwicklung. SAP Research hält hierbei auch den Kontakt mit anderen Unternehmen der Branche, um die Standardisierung bei der Geschäftsprozess-Modellierung voranzutreiben.

Und: Auch 2009 geht das Engagement weiter.

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