Prozessintegration in einer lokalen Krankenhauskette

Feature | 12. Dezember 2005 von admin 0

In vielen solcher Fälle stellt sich jedoch heraus, dass die zusammengeschlossenen Einrichtungen unterschiedliche Prozesse und heterogene IT-Systeme haben. Die Integration dieser IT-Systeme spielt deshalb eine wichtige Rolle, um unternehmensweit Synergieeffekte erzielen zu können.
Ziele: Die Krankenhausgruppe muss sich von einem losen Verbund individueller Einrichtungen mit heterogenen Systemen zu einem voll funktionsfähigen Gemeinschaftsunternehmen mit gemeinsamer IT-Infrastruktur, gemeinsamen Prozessen und einer einzigen, gemeinsamen Datenbasis wandeln. Ein wichtiger Schritt sind nahtlose Workflows sowie eine bessere Integration klinischer und betriebswirtschaftlicher Anwendungen,ohne dass es zu Einbußen bei der Behandlungsqualität kommt. Klinische Prozesse wie Diagnose, Therapie und Pflege sollen mit administrativen Prozessen verknüpft werden – in der Regel eine der schwierigsten Herausforderungen für Gesundheitseinrichtungen.
Doch damit nicht genug. Die Geschäftsleitung möchte außerdem neue Geschäftsfelder erschließen, zusätzliche Patienten gewinnen sowie die Erlöse der gesamten Organisation steigern. Ein weiteres Ziel besteht darin, die Verweildauer der Patienten vor und nach einer Operation zu verkürzen. Darüber hinaus soll die IT medizinische Spitzenleistungen ermöglichen, um einerseits das Ärztenetz zu erweitern und andererseits das Ansehen der Organisation in der Öffentlichkeit zu erhöhen.
Lösung: Um diese Ziele zu erreichen, wird die Siemens Soarian und SAP Healthcare Lösung implementiert. Im ersten Schritt wird ein Stammindex aller Patienten (Enterprise Master Patient Index – EMPI) erstellt. Zugleich werden die Finanzbuchhaltungs-, Personal- (Human Resources – HR) und Patientenverwaltungssysteme standardisiert und zu einem umfassenden rollenbasierten ERP-System zusammengefasst. Auf diese Weise können Rechnungswesen und Kostenstellenplanung harmonisiert und die IT-Architektur an die neue Organisationsstruktur angepasst werden. Im zweiten Schritt wird das Berichtswesen vereinheitlicht, um eine genaue Übersicht über die Geschäftsaktivitäten zu erhalten.
Das dient den Verantwortlichen dazu, die operativen Prozesse transparent zu gestalten, und unterstützt sie zudem dabei, die Konformität mit den gesetzlichen Bestimmungen zu dokumentieren. Den letzten Schritt auf dem Weg zum angestrebten Gemeinschaftsunternehmen markiert schließlich der Aufbau eng integrierter klinischer und administrativer Prozesse – mit der Siemens Soarian und SAP Healthcare Lösung als Basis.
Nutzen: Bereits der erste Integrationsschritt kann die Effizienz des unternehmensweiten Patientenmanagements steigern und die Gesamtkosten senken, da die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden zurückgeht und die Produktivität steigt. Der zweite Schritt bringt finanzielle Transparenz sowie allgemeine Prozessverbesserungen, die präzisere Prognosen und eine bessere Planung erlauben. Weitere Vorteile können sich aus einem optimierten Einkaufs- und Logistikmanagement ergeben, weil der gesamte Prozess vom Lieferanten über die Apotheke bis hin zur Station überschaubar wird. Zusätzliches Kostensenkungspotenzial liefert die Ablösung papierbasierter Prozesse durch die elektronische Patientenakte: In einem Versorgungssystem mit 440.000 Mitgliedern lassen sich die Kosten um rund 4,7 Millionen Euro senken. Ein weiterer Kostenrückgang ist denkbar, weil mit einem integrierten System wertvolle Arbeitszeit gespart werden kann.
So kann der Aufwand für die Anforderung von Krankenakten um 90 Prozent gesenkt werden, während bei den zeitintensiven Telefonaten, zum Beispiel um Laborergebnisse abzufragen, ein Rückgang von 76 Prozent möglich ist.*
Während der letzten Phase im Umbau der Organisation wird das Spektrum an Dienstleistungen und Patientenprogrammen erweitert, indem alle Leistungserbringer, Kostenträger, Partner und Patienten über Web-Portale miteinander verknüpft werden. Ambulante Diagnose, Disease Management und Patientenbehandlung durch eigene Mitarbeiter bzw. externe Versorgungspartner können zu einem einheitlichen, online durchzuführenden Prozess zusammenwachsen. Jeder einzelne Prozessschritt stellt einen Teil eines umfassenden Versorgungsangebotes dar. Solche Dienstleistungen helfen, die Zahl stationärer Behandlungen zu reduzieren, weil den Patienten auch ambulant das volle Leistungsspektrum zur Verfügung steht. Es können insgesamt mehr Patienten betreut werden, was sich sowohl auf die Betriebskosten als auch auf das Betriebsergebnis positiv auswirkt. Wenn die Umstellung abgeschlossen ist, profitieren die Patienten von einer verbesserten Behandlung. Ärzte und Klinikpersonal werden von Verwaltungsaufgaben entlastet und können sich umso intensiver um ihre Patienten kümmern. Die elektronische Terminplanung, die papierlosen Krankenakten und Abrechnungssysteme sowie die drahtlose Kommunikation verwandeln ein Patchwork einzelner Leistungserbringer in eine erstklassige integrierte Gesundheitseinrichtung.

Reduktion von Arbeitsstunden: 76 Prozent

Zeitaufwändige Telefonate, um Laborergebnisse abzufragen, könnten durch den Einsatz integrierter Systeme um rund 76 Prozent reduziert werden.

*Quelle: PricewaterhouseCoopers, „Reactive to Adaptive: Transforming Hospitals with Digital Technology“, März 2005, Seite 18.

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