Schnelle Nummer

Feature | 18. November 2010 von Andrea Ackermann 0

Der QR-Code: Ein kleines Kästchen mit großen Fähigkeiten (Foto: fotolia)

QR-Code: Kleines Kästchen mit großen Fähigkeiten (Foto: fotolia)

Dienstagmorgen 10 Uhr: Auf dem Weg zu einem Geschäftstermin kommen Sie an einem neuen Gebäudekomplex vorbei, mit dem Schild „Wohnungen zu vermieten“. Sie sind interessiert, aber in Eile. Schnell fotografieren Sie mit Ihrem Mobiltelefon ein kleines, schwarz-weißes Quadrat auf dem Schild– sofort erscheinen sämtliche Innenansichten der Wohnräume auf Ihrem Display.

10.30 Uhr: Bei dem Termin überreicht Ihnen ein neuer Geschäftspartner seine Visitenkarte, auf der ebenfalls ein schwarz-weißes Quadrat zu sehen ist. Sie fotografieren dieses mit Ihrem Handy – schon sind sämtliche Kontaktdaten gespeichert.

12.30 Uhr: Auf dem Rückweg ins Büro fällt Ihnen ein, dass Sie abends mit Ihrem Sohn ein Fußballspiel ansehen möchten. Über Ihr Mobiltelefon kaufen Sie die Karten – das Servicecenter schickt Ihnen diese in Form eines kleinen, schwarz-weißen Quadrats auf Ihr Handy.

20.30 Uhr: Am Eingang des Sportstadiums zeigen Sie dem Ticket-Kontrolleur das Quadrat in Ihrem Handydisplay. Es wird gescannt – und Sie können mit Ihrem Sohn das Fußballspiel anschauen.

Ob geschäftlich oder privat, öffentlich sichtbar oder nur für einen bestimmten Personenkreis zugänglich – ein viereckiges Feld mit kryptischem Muster hat sich in sämtlichen Lebensbereichen seinen Platz erobert. Das Quadrat aus schwarzen und weißen Punkten ist der so genannte QR-Code.

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Mühsames Tippen ist passé: So funktioniert der QR-Code (Screenshot: Basiswissen QR-Code)

Mühsames Tippen ist passé: So funktioniert der QR-Code. (Screenshot: Basiswissen QR-Code)

Schnelle Antwort mit einem Klick

Der QR-Code ist eine Weiterentwicklung des Strich-Codes, wie man ihn aus dem Supermarkt kennt. Nur dass nicht der Preis, sondern eine Webseite, ein Community-Profil oder eine andere Information im Display erscheinen. QR-Codes sind zweidimensional, auch 2D-Barcodes genannt, da sie sowohl horizontal als auch vertikal Informationen enthalten.

Eine spezielle Markierung in drei der vier Ecken, zeigt, wie herum er betrachtet werden muss. Hinter dem kleinen Kästchen kann sich viel verbergen: Ob Kontaktdaten, Flugtickets, Webseiten oder ganze Werbekampagnen – mit dem QR-Code kann man Informationen aller Art codieren. „QR“ ist dabei die Abkürzung für „Quick Response/Schnelle Antwort“. Wird der QR-Code per Mobiltelefon entschlüsselt, sprich man auch von „Mobile Tagging“. Bei dieser Methode entfällt das mühsame Abtippen von Webadressen ins Telefon.

Der „Scanner“ ist ein internetfähiges Handy mit Kamera, mit der man den QR-Code fotografiert. Ein Programm analysiert daraufhin den Code und entschlüsselt die Informationen. Um ein Kamera-Handy als QR-Code-Scanner einsetzen zu können, benötigt man eine so genannte Reader-Software, die in der Regel kostenlos installiert werden kann. Anbieter sind beispielsweise Kaywa, BeeTagg (auch für iPhone), Certain Teed für Blackberry oder Quickmark für Android. In neueren Handys, wie etwa diversen Nokia-Modellen, ist die Software beim Kauf bereits integriert.

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Kartenkauf per Handy - der QR-Code als Ticket (Screenshot: Basiswissen QR-Code)

Kartenkauf per Handy - der QR-Code als Ticket (Screenshot: Basiswissen QR-Code)

Ticketkauf per Handy

Eine weitere Variante, bei der der QR-Code zum Einsatz kommt, ist das „Mobile Ticketing“ auch HandyTicket genannt: Dabei kauft man über das Mobiltelefon Eintrittskarten für Kino, Konzerte oder Fußballspiele und bekommt anschließend das Ticket als QR-Code aufs Handy gesendet. Bei der Veranstaltung zeigt man den Code im Display vor und dieser wird per Scan auf Gültigkeit überprüft. Auch Fahrscheine, Flugtickets oder Parkscheine können auf diese Weise gekauft werden.

Für Computer ist ebenfalls spezielle Software zum Dekodieren von QR-Codes erhältlich. So kann man den Code mit einer Digitalkamera fotografieren und ihn anschließend vom Computer entschlüsseln lassen. Das funktioniert auch bei SAP-Systemen: Applikationen, die auf der Sybase Unwired Platform basieren, können mit Code-Readern ausgestattet werden.

QR-Codes selber erstellen

Umgekehrt bieten viele Reader-Anbieter die Möglichkeit, dass Nutzer online ihre QR-Codes selber erstellen können. Die durch Generatoren verarbeiteten Codes können als Bild abgespeichert und beliebig weiterverarbeitet werden. Anbieter sind hier etwa Kaywa, i-Nigma, BeeTagg oder Mobile Barcoder mit einer Firefox Extension, die per Klick die aktuelle URL im Browser in einen QR-Code umwandelt. Mit SAP Business Suite können QR-Codes für Print (PDF) mit Adobe Forms erstellt werden. Für das Internet lassen sich QR-Codes im PNG-Format mit der Anwendung Web Dynpro ABAP generieren.

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Wohnung zu vermieten: Der QR-Code liefert die Innenansicht (Foto: SAP)

Wohnung zu vermieten: Der QR-Code liefert die Innenansicht. (Foto: SAP)

Spiel mit der Realität

Entwickelt wurde der QR-Code 1994 von der japanischen Firma Denso Wave und war ursprünglich für den Einsatz in der Automobilproduktion vorgesehen. Heute hat sich der Code als Träger verschiedenster Informationen weltweit durchgesetzt. In Japan ist er so stark verbreitet, dass man ihn nahezu auf jedem Werbeplakat sieht.

In Deutschland führte im November 2007 die gedruckte „Welt Kompakt“ als erste Zeitung QR-Codes ein. Print-Leser konnten auf diese Weise weiterführende Informationen zu einem Artikel im Internet bekommen. Im November 2009 startete das Magazin „Esquire“ eine große QR-Code-Kampagne zum Thema Augmented Reality mit dem Schauspieler Robert Downey Jr. als Testimonial.

Ob klein unter einem Zeitungsartikel oder auffallend auf einer Plakatwand – in der Größe ist dem QR-Code so gut wie keine Grenze gesetzt. Man muss ihn nur mit der Handykamera aufnehmen können. So wurden sogar schon ganze Häuserfassaden mit einem einzigen QR-Code versehen.

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