Releasewechsel in 122 Tagen

Feature | 3. November 2008 von Silke Ruoff 0

Das älteste öffentliche Wasserversorgungsunternehmen versorgt über ein 5.500 Kilometer langes Rohrnetz rund zwei Millionen Verbraucher. (Foto: Hamburger Wasserwerke)

Der Standardwartungsvertrag für SAP R/3 war bereits ausgelaufen. Über den Wechsel auf das neue Release SAP ERP mit seinen rund 300 funktionalen Erweiterungen musste der Wasserversorger nicht lange nachdenken: „SAP ERP schafft die Voraussetzung für die Realisierung geplanter Anwendungen. Auf dieser Basis können wir die neuen Anforderungen der Fachabteilungen umsetzen und garantieren, dass wir auch in Zukunft in der Versorgungswirtschaft technologisch immer einen Schritt voraus sind“, so Peter Saile, Leiter der Systemplanung bei der HWW GmbH.

Nur minimale Ausfallzeiten

Die technische Umsetzung realisierte HWW in nur 122 Tagen. Um dieses Ziel zu erreichen, unterstützten Berater der DSC Unternehmensberatung und Software GmbH aus Schriesheim bei Heidelberg die unternehmenseigenen IT-Experten. Das System wurde an einem Wochenende von SAP R/3 auf SAP ERP umgestellt. Die Fachabteilungen von HWW wurden durch das Upgrade nur minimal in ihrer Arbeit unterbrochen. „Bereits am darauf folgenden Montag lief die neue Version“, sagt Saile zur Umstellung.

Selbst der Online-Betrieb stand nur für kurze Zeit still. Die UCES-Anwendung (Utility Customer Electronic Services), mit der Verbraucher ihre Daten wie den Zählerstand oder die Bankverbindung selbstständig pflegen können, war innerhalb kurzer Zeit wieder verfügbar. Dieses Modul der SAP hatte die HWW GmbH aus dem alten System übernommen und in das neue Release integriert. „Das war zwar zunächst mit einem Mehraufwand verbunden, führte aber dazu, dass ein System eingespart werden konnte“, so Saile.

Anpassung HWW-spezifischer Add-ons

Reinwasserpumpen (Foto: Hamburger Wasserwerke)


Im Rahmen des technischen Releasewechsels wurden auch HWW-spezifische Anpassungen integriert. Diese wurden zuvor bei der SAP-for-Utilities-Einführung umgesetzt. Neben der Korrespondenzschnittstelle für MS-Word, die den Druck von individuellen Schreiben im Einzel- wie im Massendruckverfahren ermöglicht, passten die Berater von DSC auch die dynamische Erfassungshilfe an die neue Version an. Mit dem Add-on lassen sich Stammdaten über SAP-Standards definieren und insbesondere Neukunden schnell und einfach anlegen. Die Oberflächenmaske ist übersichtlich und kann schnell ausgefüllt werden: Zahlreiche Standardwerte sind bereits vorhanden, der Mitarbeiter muss nur noch abweichende Daten selbst eingeben. Felder, die der Sachbearbeiter bei HWW nicht benötigt, werden erst gar nicht angezeigt.

Für das SAP Customer Interaction Center (CIC) gibt es ein weiteres HTML-basiertes Add-on: die HTML-Kundenauskunft. Mit ihr können die Mitarbeiter im Servicecenter Kundenwünsche deutlich schneller bearbeiten. Offene Posten, Abschlagspläne, Vertragskonditionen sowie Zähler- und Verbrauchsinformationen werden übersichtlich dargestellt und lassen sich rasch aufrufen. Auch diese Zusatzkomponenten galt es an die neue Version der SAP-Software anzupassen.

Sorgfältige Planung und der richtige Partner

Hamburger Wasserwerke
Die Hamburger Wasserwerke GmbH ist das älteste öffentliche Wasserversorgungsunternehmen auf dem europäischen Kontinent. Sie versorgt über ihr 5.500 Kilometer langes Rohrnetz rund zwei Millionen Verbraucher in Hamburg, Schleswig-
Holstein und Niedersachsen mit Trinkwasser. Das Wasser wird aus 460 Brunnen in bis zu 400 Meter Tiefe gewonnen und in 18 Wasserwerken aufbereitet. 1924 hat die HWW ihre Aufgabe als eigenständige GmbH von der seit 1848 dafür zuständigen staatlichen “Stadtwasserkunst” übernommen. Sie war damit das erste Wasserversorgungsunternehmen in Deutschland, das in eine GmbH umgewandelt wurde.

Als Gründe für den reibungslosen Wechsel nennt Saile die sorgfältigen Vorbereitungen: „Wir haben das technische Umfeld mehrmals getestet und diverse Patches eingespielt. Außerdem haben wir eine Woche vor der eigentlichen Umstellung eine Art Generalprobe durchgeführt und dabei einen minutiösen Zeitplan für die Produktivmigration entwickelt, den wir bei der Umstellung exakt einhielten.“

Positive Auswirkungen dürfte auch die Wahl von DSC als IT-Dienstleister gehabt haben: „Die Berater hatten uns bereits bei der Einführung von SAP for Utilities unterstützt, daher kannten sie unser System sehr gut. Damals haben sie unsere Anforderungen umgesetzt und kundenindividuelle Anpassungen durchgeführt. So lag es nahe, für den anstehenden Releasewechsel wieder auf die bewährte Beratung bei diesen Teilen zurückzugreifen“, erklärt Saile.

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