Freie Fahrt mit Twitter & iPhone

Feature | 3. Februar 2010 von Christoph Zeidler 0

Staus umfahren mittels iPhone und SAP Research (Foto: Frank Völkel)

Staus umfahren mittels iPhone-App und SAP Research (Foto: Frank Völkel)

Nachrichten wie „Verkehrsunfall Kreuzung Beaudesert und Bradman” oder “Fehlender Kanaldeckel Kreuzung Beatty und Marshall” verknüpft mit roten Stecknadelköpfen auf der Google-Maps-Karte von Brisbane, so sieht sie aus, AUS Traffic, die iPhone App zur Stauvermeidung. Die Meldungen kommen von der Straßenverkehrsbehörde, Radiosendern oder aufmerksamen Autofahrern, die sie auf Twitter posten. Und die App holt sie direkt aufs iPhone. Schnell, einfach und immer aktuell.

Wie komme ich schnell nach Hause?

Doch wie kamen Mitarbeiter von SAP Research in Brisbane darauf, sich ausgerechnet um Staumeldungen zu kümmern? Was hat das mit SAP zu tun? „Angefangen hat das alles mit den Überschwemmungen hier im letzten Herbst“, erinnert sich Projektleiter Marek Kowalkiewicz. Während der drei Tage, die es dauerte, bis das Wasser abfloss, wurden über 1200 Tweets von Leuten aus der ganzen Stadt gepostet. „Um herauszufinden, wo das meiste Wasser stand, welche Straßen passierbar waren und wie man am besten nach Hause oder ins Büro kam, war Twitter also die beste Quelle.“ Und da niemand all diese Nachrichten lesen konnte, suchten die SAP-Forscher eine Lösung, die ihnen nur die für sie relevanten Dinge ausspucken sollte. Gesagt, getan, setzten sie kurzerhand einen Server zur Textanalyse auf, der beim Sortieren half. Die Idee war geboren, und mit Ende der Überschwemmungen kam sie zu neuer Anwendung: um Autofahrern zu helfen, die „Überschwemmungen“ auf den Straßen zu umgehen. Neben Brisbane deckt die App mittlerweile auch Sydney ab und soll in den nächsten Monaten für Melbourne, Perth und Adelaide verfügbar sein.

„Einer unser Forschungsschwerpunkte ist die Textanalyse, und wir suchen nach Wegen, diese sinnvoll und innovativ einzusetzen“, so Marek. „Diese App war eine spontane Idee, aber natürlich auch der Versuch, unseren Kunden zu zeigen, was man mit SAP-Software alles machen kann und wie flexibel unsere Lösungen sein können.“

Lesen Sie auf der nächsten Seite: So funktioniert das Ganze


iPhone_AUS_Traffic

Wie funktioniert das im Detail?

  • Stauinformationen werden auf Twitter gepostet und manchmal schon von den Postern mit Suchtags versehen (#bnetraffic, #sydtraffic)
  • Über eine Schnittstelle (Standard-Twitter-API) greift ein Server auf die Tweets zu und durchsucht sie nach Verkehrsinformationen mit Bezug auf Brisbane.
  • Auf dem Server läuft SAP BusinessObjects Text Analysis, das die Tweets aufbereitet und konkret Straßennamen, Stadtteile und den betroffenen Standort herausfiltert.
  • Dieser Standort wird in geographische Koordinaten umgewandelt  und zusammen mit der Nachricht gespeichert.
  • Die iPhone App zieht sich per ganz normalem Feed die Infos (GEO-RSS) und stellt sie dar.
AUS_Traffic_City

„Der Clou an der Sache ist, dass der größte Teil nicht auf dem iPhone oder bei uns läuft, sondern auf einem Server in der Amazon-Cloud. Dadurch werden nur kleinste Datenmengen übertragen und kaum Rechenleistung auf dem iPhone beansprucht“, erklärt Marek. Ein weiterer Vorteil: So liegt keine schützenswerte SAP-Innovation in der iPhone App, diese ist lediglich Empfänger.

Mittlerweile haben schon über 4.500 Nutzer die App installiert, und wenn weitere Städte hinzukommen, werden es sicher noch viele mehr werden. „Wir freuen uns sehr über diesen Erfolg und darüber, dass diese App nun nicht nur uns, sondern vielen anderen den täglichen Verkehrswahnsinn erträglicher macht“, so Marek. Und ein gutes Beispiel dafür, was man mit SAP alles machen kann. Schnell, einfach und immer aktuell.

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