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Resilienz lernen

Feature | 31. August 2016 von Jacqueline Prause 32

Fünf Wege, um fast jeder Herausforderung gewachsen zu sein.

Resilienz ist zweifellos eine immer wichtigere Kompetenz in unserem Leben. In Zeiten der Globalisierung wird die individuelle Anpassung immer wichtiger, aber auch Unterstützungssysteme um uns herum lösen sich langsam auf. Das hat zur Folge, dass auch wir neue Management-Fähigkeiten entwickeln müssen, die uns dabei unterstützen, plötzliche, unvorhersehbare und oft schwierige Situationen zu bewältigen.

Das Gute ist, Resilienz kann man lernen. Wie bei allem anderen auch, gilt hier: Übung macht den Meister. So lautete das Fazit der Expertenrunde, die kürzlich bei der von der SAP präsentierten Internet-Radiosendung Coffee Break with Game Changers zu Gast war. Mit dabei waren Eileen McDargh, Chief Energy Officer (CEO) der Resiliency Group, Bill Jensen, alias „Mr. Simplicity“ und IBM Future of Work Futurist sowie Sherryanne Meyer, Expertin für Human Resources Business Processes and Technology bei Americas‘ SAP User Group (ASUG).

„Radical Resiliency“: Man kann nicht zweimal in den selben Fluss steigen

Die meisten Leute definieren „Resilienz“ als etwas, das mit „in eine bestimmte Form zurückspringen“ zu tun hat. Manchmal ist es jedoch weder möglich noch wünschenswert zum Ausgangspunkt zurückzukehren. Verändert ein Ereignis das Leben grundlegend, gibt es kein Zurück mehr. Menschen sind einfach nicht dafür gemacht, sofort wieder in die Ausgangslage zurückzukehren. Der Begriff „Radical Resiliency“, entwickelt von McDargh, akzeptiert diese Realität und würdigt den Mut des Menschen, immer wieder aufzustehen. Wie der griechische Philosoph Heraklit bereits beobachtet hat: Man kann nicht zweimal in den selben Fluss steigen.

McDargh definiert „Radical Resiliency“ als „das Wachsen an Herausforderungen und Chancen, sodass man am Ende klüger daraus hervorgehen kann.“ McDargh rät denjenigen, die sich in einer misslichen Situation befinden: „Was kann ich jetzt tun, um das erfolgreich durchzustehen?“.

Man kann „Radical Resiliency“ lernen! Herausforderungen meistern, wird uns im Nachhinein umso weiser machen.

Grundlage für „Radical Resiliency“ sind laut der Expertenrunde fünf Bausteine. Durch viel Übung lässt sich, laut McDargh,die Vorstufe „Presilience“, was soviel bedeutet wie präventive Resilienz, erreichen. Und das geht so:

1. Anpassungsfähigkeit

Eine wichtige Voraussetzung ist, sich anzupassen. Ohne die Fähigkeit, selbst die Initiative zu ergreifen oder sich selbst zu ändern, wird das Umfeld eher negativ auf die eigene Person reagieren. „Man braucht dafür eine Art Wachstumsmentalität. Man überlegt sich ständig: Was kann ich tun, um weiter zu wachsen und was kann ich von meinen Erfahrungen lernen?“, so McDargh. „Der beste Weg um sich anzupassen, die Grundlage der Resilienz, ist es, sich zu fragen, auf wie viele verschiedene Weisen kann ich auf ein bestimmtes Ereignis reagieren?“

2. Neugestaltung schwieriger Lebensumstände

Verschiedene Situationen aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten, bietet oft unerkannte Chancen. Das funktioniert zum Beispiel so: Heute ist kein Bad-Hair-Day, es ist Heute-trage-ich-einen-Hut-Tag. Natürlich ist es nicht immer so einfach. Darum braucht es Kreativität und Übung, so McDargh, „um etwas aus einem neuen Blickwinkel zu sehen, muss ich mich fragen, was ist alles möglich, was unmöglich? Das müssen wir lernen.“ Das Resultat kann sich durchaus sehen lassen. Durch eine effizientere Sichtweise, wie McDargh erklärt, lässt sich viel Kraft und Selbstbewusstsein schöpfen.

3. Intelligenter Optimismus

Optimismus ist unheimlich wichtig. Seine zunächst schwierig erscheinende Situation als etwas Positives wahrzunehmen, das ist Intelligenter Optimismus. Eine ausgeprägte Wachstumsmentalität, der Wille, sich anzupassen und neue Möglichkeiten in vermeintlich ausweglosen Situationen zu suchen, macht uns selbstbewusster im Umgang mit den verschiedensten Lebenslagen.

4. Mich und meine Grenzen kennen

Laut Jensen beginnt alles damit, sich selbst und seine Grenzen zu kennen. Allerdings klingt dies leichter als es in Wirklichkeit ist. So deckte ein Forschungsbericht der Jensen Group auf, dass 80 Prozent von uns denken, wir wüssten wer wir sind, tatsächlich sind es aber nur 20 Prozent. Jensen erläutert: „Die meisten von uns definieren sich als Elternteil, Designer, Programmierer, Berater oder Künstler. Die wenigsten können aber von sich sagen, warum sie auf der Welt sind oder warum sie das tun, was sie tun.“ Meyer teilte die Meinung: „Es ist von größter Bedeutung, zu wissen, wer man ist, woher man kommt und welchen Wert man hat. Passen diese Dinge nicht zusammen, kann das zu schwerwiegenden Problemen führen und die Resilienz grundlegend stören. Unser Ziel ist die richtige Einstellung.“ McDargh benutzt den Begriff Angleichung, um zu unterstreichen, wie wichtig Selbsterkenntnis für die Wahl unseres Lebensweges ist: „Passt mein Selbstbild mit dem zusammen, was ich wirklich bin? Was möchte ich am Ende meines Lebens dem Rest der Welt hinterlassen?“

5. Veränderungen akzeptieren und leben

Was hat der moderne englische Begriff Disruption (zu Deutsch etwa: radikaler Wandel in Unternehmen) mit „Radical Resiliency“ zu tun? „Was wirklich zählt, ist, was außerhalb der Komfortzone passiert“, so Jensen. „Das Gegenstück von Optimismus ist die Bereitschaft, in der verrückten Welt von heute, auch mal die Grenzen zu überschreiten.“ Die Gäste hatten einiges über das Thema Wandel am Arbeitsplatz zu sagen. Jensen forderte Manager auf, mutig voranzugehen. Anders ausgedrückt: die Bereitschaft, die Dinge einmal anders anzugehen als sonst. „Um die vielen Möglichkeiten des Wandels geschickt zu nutzen, ist kontinuierliches Lernen wichtig“, kommentierte Meyer. „Der Wandel wäre nicht so furchtbar, wenn wir ihm offener gegenüberstehen und regelmäßig lernen würden,“ erklärte sie. „Kluge Mitarbeiter kommen besser mit organisatorischen Veränderungen klar, die jetzt oder in Zukunft auf sie zukommen. Sie bilden sich selbst weiter und sind damit Teil des Wandels. Sie können sich gut an Veränderungen anpassen.“

Die Aufzeichnung können Sie sich hier anhören. Der zweite Teil der Reihe wurde am 20. Juli ausgestrahlt.

Hier können Sie sich Coffee Break with Game Changers live anhören.

Millenials und Resilienz? Was sagt die Expertenrunde dazu?

Sind Millenials mehr oder weniger stressanfällig als andere Generationen? Hören Sie sich dazu die Aufzeichnung der Radioshow an und erfahren Sie, was die Experten dazu meinen.

Bild oben via Shutterstock

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