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Omnichannel im Handel: Durchbruch mit Ansage

Feature | 17. Mai 2017 von Andreas Schmitz 5

JACQ findet mithilfe von Fuß-Selfies geeignete Schuhe, Under Armour wird vom Händler zur Fitness-Community und ShopUp nutzt IoT für gezieltes Marketing. Auf dem SAP-Forum für den Handel geht es um Innovationen – und den Durchbruch beim Thema Omnichannel.

Gefühlt steht das Thema Omnichannel schon jahrelang ganz oben auf der Liste der technologischen Trends im Handel. Tatsächlich spiegeln das auch die Zahlen des Handelsforschungsinstituts EHI Retail Institute wieder. Wie schon 2015 thront das Thema auch in der jüngsten Studie wieder ganz oben. Trotzdem hat sich etwas verändert: „Unsere Kunden sind gerade dabei, die Voraussetzungen für Omnichannel zu schaffen“, erläutert Andreas Wormbs, Chief Strategy Advisor Retail, Wholesale & Fashion bei SAP, „das Thema dringt immer mehr in die Praxis.“ So sind etwa moderne Kassensysteme und Webshops angeschafft worden, so dass ein integrierter Ansatz über alle Kanäle hinweg zum Zuge kommen kann. Nicht zuletzt deswegen berichten Kunden wie Lebensmittelhändler SPAR, die holländische Baumarktkette Maxeda sowie Hugo Boss jetzt auf dem SAP-Forum für den Handel in Mainz am 31. und 1. Juni 2017 über ihre Omnichannel-Ansätze.

Beständigkeit und Agilität im Retail: die zwei Geschwindigkeiten

Kunden geht es – so ist Handels-Experte Wormbs überzeugt – darum, die IT der zwei Geschwindigkeiten in ihren Systemen abbilden zu können. Zum einen ist das ein stabiles Backend, in dem die Kernprozesse des Unternehmens abgebildet werden. Zum anderen wird es ergänzt durch eine agile Innovationsschicht, mit deren Hilfe neue Ideen und Geschäftsmodelle auf den Weg gebracht werden können. Erst im Zusammenwirken entsteht eine Customer Journey über alle Kanäle hinweg. Nicht alle haben bereits ihre „Hausaufgaben“ gemacht. „Manche Unternehmen stellen auf dem Weg zu Transparenz über alle Kanäle hinweg fest, dass ihr Fundament noch nicht ausreicht und gehen nochmal ran“, beobachtet Wormbs.

Warenwirtschaft: 57 Prozent der Unternehmen arbeiten noch an ihrem Fundament

Zahlen des EHI Retail Institutes zeigen, dass sogar über die Hälfte der Unternehmen (54 Prozent) aktuell entsprechende Projekte geplant haben, neun Prozent mehr als noch 2015. Noch wichtiger ist Unternehmen derzeit „lediglich“ ihr Warenwirtschaftssystem (mit 57 Prozent) – also das genannte Fundament, das in der Lage sein sollte, Echtzeitprozesse abbilden zu können. Seit Herbst vergangenen Jahres hat SAP die auf Basis von SAP HANA entwickelte Branchenlösung SAP S/4HANA Retail for Merchandise Management am Markt, die Voraussetzung für „Echtzeitdialog und -transaktion“, wie Wormbs es nennt.

Sportartikel-Händler Under Armour: die realisierte Fernvision des Omnichannel-Gedankens

Einige Händler sind haben diese technologische Zukunft schon im Blick, bevor sie starten. Wie man etwa aus einer klassischen eine digitale Marke macht, verdeutlicht etwa der US-amerikanische Sportartikelhersteller Under Armour. Als Hersteller von T-Shirts 1996 gestartet, hat sich der heute über vier Milliarden Euro starke Konzern „von einem Hersteller von innovativen Produkten in eine Fitness-Community verwandelt“, wie Wormbs es beschreibt. Und Kurt Kendall von Under Armour spricht inzwischen nur noch von digitalen Produkten und kaum noch von den physischen. Sportschuhe und -kleidung sind mit Sensoren bestückt, die permanent Informationen über die sportlichen Aktivitäten in die Cloud pulsen. Eine digitale Plattform ist der Dreh- und Angelpunkt des Unternehmens, in der die physische und digitale Welt in einem „Singe View of the Customer“ miteinander verschmelzen. Under Armour ist gewissermaßen die bereits realisierte Fernvision des Omnichannel-Gedankens.

ShopUp, SizeGrid und diverse Showcases vor Ort zu sehen

Doch auch der Nachwuchs bietet einen Pool an neuen Ideen:

  • Da ist beispielsweise Jacqueline Yildirim, die mit ihrem Startup JACQ zwei Missionen verfolgt, einerseits bequeme High Heels zu schaffen, andererseits per Selfie von den eigenen Füßen online Vorschläge für geeignete Schuhe zu ermöglichen. Prototypen der Damenschuhe mit den speziellen Einlagen sind bereits in Produktion. Webshop und Scanner-App entstehen gerade.
  • Das Startup ShopUp, das auch im Ausstellungsbereich des SAP-Forums zu finden sein wird, hat eine Lösung entwickelt, mit dessen Hilfe Kundendaten aus diversen Quellen wie Kassen, dem Online-Einkauf, aus 3-D-Kameras, Parksensoren, Mobile Apps und Vor-Ort-Sensoren zusammengezogen und analysiert werden, ehe daraus zielgerichtete Marketingkampagnen abgeleitet werden können. Das Startup aus dem Startup Focus Programm von SAP sammelt Daten aus verfügbaren und bekannten Quellen mit Daten aus dem Internet der Dinge und führt sie auf seiner SAP-HANA-basierten SaaS-Plattform zusammen.
  • Das SizeGrid genannte Startup hat speziell für Modeartikel eine Lösung entwickelt, die es erlaubt, Päckchen extrem verpackungssparend zu versenden und Retouren wieder in den Distributionsprozess zu integrieren.

Zudem wird SAP auf dem SAP-Forum für den Handel einige seiner Showcases vor Ort zeigen. Im Use Case eines Sportartikelhändlers reserviert der Kunde über seine Kunden-App spezielle Produkte vor, die bei Betreten des Ladens bereits bereit liegen. Stehen weitere Produkte auf der Einkaufsliste, weist die App den Kunden den kürzesten Weg zum Produkt. Der Showcase „Die digitalisierte Filiale der Gegenwart“ besteht aus einem Miniaturladen, in dem beispielsweise Einkaufswägen mit Sensoren ausgestattet sind. In der SAP Cloud Platform fließen die Daten zusammen und der Filialleiter bekommt Einsichten über das Einkaufsverhalten der Kunden. In einem weiteren Anwendungsbeispiel zeigt SAP, wie nach einem Fuß-Scan über 3-D-Druck ein individueller Sportschuh entsteht. Zukunftstechnologien wie Machine Learning, der digitale Zwilling, die Blockchain-Technologie sowie SAP S/4HANA Cloud und die SAP Cloud Platform sind hier involviert – Technologien, die in der digitalen Transformation eine maßgebliche Rolle spielen werden.

Viele der Ideen sind nahe am echten Leben, aber noch nicht ganz in der Praxis angekommen. Doch wie schon das Beispiel Omnichannel gezeigt hat: Der Trend kommt vor der praktischen Umsetzung.

Weitere Informationen

Hier geht er zur Agenda des SAP Forums für den Handel 2017 am 31. Mai und 1. Juni 2017 in Mainz.

Melden Sie sich hier zum SAP Forum für den Handel 2017 an.

Foto: Shutterstock

 

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