RFID ist mehr

Feature | 4. Oktober 2005 von admin 0

Zu den Auto-ID-Technologien im Logistikbereich zählen Barcodes sowie die passive und aktive RFID-Datenerfassung. Die RFID-Datenerfassung bietet gegenüber Barcodes den Vorteil der berührungslosen Identifikation, die zur Datenerfassung keinen direkten Sichtkontakt erfordert. Magnetische Induktion ermöglicht über ein Lesegerät die passive RFID-Datenerfassung. Dabei wird die Informationen beispielsweise durch eindeutige Kennzeichnung in Form eines Electronic Product Code, die im Speicher der RFID-Etiketten, so genannten Tags, verschlüsselt sind, vom Lesegerät aufgenommen. Sie lässt sich von dort in anderen verbundenen Systemen weiterverarbeiten. So können die Daten etwa von einem Lesegerät über einen Device Controller an die SAP Auto-ID Infrastructure und anschließend an ein Backend-System im Unternehmen geleitet werden.
Ein passiver RFID-Tag enthält meistens nur eine eindeutige ID, die gelesen wird und deren zugehörige Daten auf einem verbundenen Backend-System aufgerufen werden können. Aktive RFID-Tags oder Transponder mit eigener Batterie ermöglichen im Vergleich zu passiven RFID-Tags nicht nur erheblich größere Kommunikationsreichweiten, sie speichern außerdem mehr Daten, sammeln Diagnose- oder Umgebungsdaten und initialisieren selbst die Kommunikation mit einem Empfängergerät.

Identifikation global

Mit einer weltweit eindeutigen Kennzeichnung, einem Globally Unique Identifier (GUID) wie dem Electronic Product Code (EPC), kann ein Objekt beispielsweise ein Produkt oder Vermögenswert gemeinsam mit den zugehörigen aktuellen und historischen Prozessdaten eindeutig identifiziert und nachverfolgt werden. Das schließt auch Produktattributinformationen in der gesamten Lieferkette und im Verlauf des gesamten Produktlebenszyklus mit ein. Die global eindeutige Identifikation kann als Schlüssel zum aktuellen und historischen Kontext des Produktprozesses und zu den eindeutigen Produktattributinformationen dienen. Diese wiederum lassen sich technischen und betriebswirtschaftlichen Services zur Verfügung stellen.
Globally Unique Identifiers kennzeichnen Produkte auf Artikelebene und auf der Ebene der Versand-/Verpackungseinheit (EPC encoded S-GTIN), Einweg- oder Mehrwegtransportbehälter/-verpackungen (EPC encoded SSCC und GRAI) und Vermögenswerte (etwa UID1, UID 2, ESN, GIAI encodings). Diese unveränderlichen, eindeutigen Kennzeichnungen können für die Dauer des Lebenszyklus einer Lieferkette oder über mehrere Jahre hinweg gültig sein. Ist beispielsweise eine Anlage über ihre GUID eindeutig gekennzeichnet, greifen die Prozesse aus Beschaffung, Buchhaltung, Revision, PLM, Wartung/Instandsetzung und Logistik sowie die zugehörigen Systeme während des gesamten Lebenszyklus dieser Anlage von der Beschaffung bis zur Stilllegung auf die anlagenbezogenen Daten zu. In diesem Zusammenhang bezeichnet das Verteidigungsministerium der USA seine UID-Initiative treffend als “Eroberung der Business Intelligence mittels Technologie”.
Der kommende EPCIS-Standard zum Datenaustausch, an dessen Entwicklung das Standardisierungsgremium EPCglobal gegenwärtig arbeitet, wird sehr wahrscheinlich eine völlig neue Qualität der Zusammenarbeit und Datensynchronisation zwischen Geschäftspartnern auf der Ebene der eindeutigen EPC-Identifizierung ermöglichen. Ein standardisierter EPCIS-Datenaustausch – die entsprechende Systemintegration vorausgesetzt – wird Prozesse wie Deduction Management, Rückruf, Produktverfolgung und -authentifizierung sowie den mehrschichtigen, reaktionsfähigen Nachschub erheblich verbessern.

Produkte, Anlagen, Vermögenswerte

Daten, die mit eindeutig gekennzeichneten Objekten – Produkte, Anlagen, Personen und Vermögenswerte – verknüpft sind, machen Geschäftsprozesse intelligenter:

  • Eine Anlage oder ein Produkt ist in der Lage, am Ende des Lebenszyklus basierend auf bestimmten zugewiesenen Attributen (Ablaufdatum) und der Logik für die Lebensdauer der Anlage beziehungsweise des Produkts einen Verschrottungs-, Rückruf- oder Stilllegungsprozess anzustoßen.
  • Anhand der letzten Standort-ID, an der das Objekt erfasst wurde, lässt sich der nächste Geschäftsprozessschritt ableiten, prüfen und authentifizieren.
  • Zulässige Konfigurationen können genehmigt oder abgelehnt werden.
  • Es ist möglich, dass eine Fertigungsrezeptur oder Qualitätseinstufung, die dem eindeutig gekennzeichneten Produkt oder Vermögenswert zugeordnet ist, die nachfolgenden Fertigungsschritte bestimmt.
  • Channel-Rules, die mit einem eindeutig identifizierten Objekt verknüpft sind, werden unzulässige Abweichungen erkennen oder bestimmte Workflows zulassen und andere Workflows sperren.
  • Berechtigungsregeln, die mit einem eindeutig identifizierten Objekt verknüpft sind, gestatten ausschließlich bestimmten Entitäten die Verwaltung und Nutzung des Objekts.
  • Zusammenfassende Sichten der eindeutig gekennzeichneten strategischen Vermögenswerte machen die logistische Bereitstellung transparenter und die Optionen für die Wiederbereitstellung intelligenter.

Neues Technologieparadigma

Eindeutig gekennzeichnete Produkte und Vermögenswerte lassen sich unter Verwendung verschiedener Auto-ID-Technologien hierarchisch oder kontextuell verknüpfen. So kann beispielsweise ein einzelnes Produkt eine UID-Kennzeichnung in Form einer 2-D-Datenmatrix besitzen, die mit einem Barcode-Lesegerät zu erfassen ist. Es ist möglich, dass dieses Einzelprodukt sich in einer Transportverpackung befindet, die mit einem passiven RFID-Tag gekennzeichnet ist. Diese wiederum ist mit einem Seecontainer verknüpft, der mit einem aktiven RFID-Transponder gekennzeichnet ist. Vorausgesetzt, die Anwendung des Unternehmens ist in der Lage, Verknüpfungen dieser Art zu verarbeiten, dann ist die Datenermittlung auf allen Hierarchieebenen möglich. Aktive RFID Transponder, die fähig sind, Umgebungs-, Diagnose- und Sicherheitsinformationen zu sammeln und zu kommunizieren, können dann mit den Ortungs- und Lokalisierungstechnologien GPS/RTLS und mit der GSM- oder Satellitenkommunikationstechnologie verknüpft werden. Diese Datenstromintegration aus der Quelle mehrerer Technologien wird – von der Versandeinheit bis zum Einzelartikel – mit einer hierarchisch strukturierten, eindeutigen ID versehen, Das ermöglicht eine ganz neue Qualität intelligenter Logistik in Echtzeit, da sich jedes Produkt und jeder Vermögenswert mittels Remote-Kommunikation von jedem Standort weltweit in einem ERP-Backend-Empfängersystem verfolgen und steuern lässt.
RFID, Auto-ID und Sensor Networks mit lokaler und Remote-Datenstromintegration und der eindeutigen Identifikation verschmelzen zu einem einzigen Paradigma. Das RFID-Programm der SAP ist ein Element in diesem neuen Technologieparadigma. SAP Auto-ID Infrastructure und SAP Event Management sind die grundlegenden Bausteine für das einmalige Potenzial der Auto-ID und der damit verbundenen eindeutigen Identifizierung.

Christian Roediger

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