Risiken besser unter Kontrolle

Feature | 13. Januar 2004 von admin 0

Neue Anwendungen zum Forderungs- und Kreditmanagement entwickelt SAP im Rahmen von Financial Supply Chain Management (FSCM). SAP Credit Management ist Teil dieser umfassenden FSCM-Lösung und wird erstmals Mitte 2004 ausgeliefert. SAP Credit Management Unternehmen unterstützt Unternehmen dabei, ihr Forderungsausfallrisiko gegenüber den Kunden frühzeitig zu ermitteln und Kreditentscheidungen effizient und möglichst automatisiert zu treffen.

Credit Limit Management & Control

Innerhalb des SAP Credit Management werden mit Hilfe der Funktion Credit Limit Management & Control (CLM) alle kreditrelevanten Stammdaten eines Geschäftspartners verwaltet. Dazu gehören unter anderem das aktuelle Kreditlimit, einer oder mehrere extern ermittelte Bonitätswerte (zum Beispiel über Kreditauskunfteien), die einem Unternehmen zugeordneten Risikoklasse und ein Auftrags-Limit. Jedes der Stammdatenfelder verfügt über eine Änderungs-Historie. Sie zeigt den Zeitpunkt der Änderung, den Bearbeiter sowie den alten und den neuen Wert an. Zudem hat die Anwendung eine Notiz-Funktion, mit der ein Kredit-Sachbearbeiter weitere Informationen zum Geschäftspartner erfassen kann. Es ist ferner möglich, eine Dokumenten-Ablage einzurichten, in der Presseartikel, Korrespondenzen, Bank- oder Ratingauskünfte gespeichert werden.

Architektur Credit Management

Architektur Credit Management

SAP Credit Management bietet zusätzlich Funktionen zur Überwachung des Gesamtobligos eines Kunden. Zur Kreditlimitprüfung kann es über eine Schnittstelle von anderen SAP-Lösungen und Nicht-SAP-Systemen aufgerufen werden. Dabei wird aus unterschiedlichen Systemen das Gesamtobligo des Geschäftspartners, also einschließlich aller Verbindlichkeiten und Zahlungsverpflichtungen, ermittelt und gegen das in den Kredit-Stammdaten hinterlegte Kreditlimit geprüft. Zwei Arten der Kreditlimitprüfung – synchron oder asynchron – stehen zur Wahl.

  • Bei der synchronen Kreditlimitprüfung erfolgt die Kontrolle unmittelbar beim Anlegen des Obligos. Dabei übergibt die Anwendung (zum Beispiel ein CRM-System) Informationen über den Geschäftspartner und sein Obligo (etwa den Verkaufsauftrag) an das SAP Credit Management. Parallel dazu ermittelt SAP Credit Management das Gesamtobligo des Kunden, prüft dieses gegen das hinterlegte Kreditlimit und gibt das Resultat der Prüfung wieder an die aufrufende Anwendung zurück. Diese kann anschließend in Abhängigkeit vom Prüfergebnis die weitere Verarbeitung des Obligos steuern (zum Beispiel den Verkaufauftrag sperren).
  • Bei der asynchronen Kreditlimitprüfung erfolgt die Prüfung zeitversetzt an Periodenenden (zum Beispiel einmal täglich) in Form von eingeplanten Batch-Läufen. Dabei werden alle bisher gesammelten Obligomeldungen und eingehenden Zahlungen konsolidiert, gegen das jeweilige Kreditlimit geprüft und das Ergebnis in Form von Auswertungen ausgegeben. Der Kredit-Sachbearbeiter kann diese Reports auswerten und daraus die notwendigen Aktionen ableiten. Diese Form der Kreditlimitprüfung ist vor allem dann sinnvoll, wenn sich die Prüfung nicht unmittelbar aus dem Vorsystem aufrufen lässt, weil beispielsweise diese nicht verfügbar sind oder deren Performance nicht mit derartigen Abfragen belastet werden soll.

Unabhängig von der Form der Kreditlimitprüfung ist SAP Credit Management in der Lage, die Obligowerte sowohl passiv als auch aktiv zu ermitteln. Im “passiven” Fall bekommt SAP Credit Management von Vorsystemen, wie etwa einem Fakturasystem, die entsprechenden Obligodaten gemeldet. Oder SAP Credit Management fragt “aktiv” das aktuelle Obligo bei den Vorsystemen ab. Somit lassen sich für die Kreditlimitprüfung stets die aktuellsten Auftrags-, Liefer- und Forderungsbestände aus den Vorsystemen erheben und für die Kreditlimitprüfung zur Verfügung stellen.
Innerhalb des SAP Credit Management beziehen sich Festsetzung und Überwachung eines Kreditlimits auf einzelne Geschäftspartner. Aber aufgrund der zunehmenden Zahl von Unternehmensverflechtungen ist SAP Credit Management auch in der Lage, das Gesamtobligo eines Kunden als Summe des Obligos verbundener Unternehmen zu ermitteln. Bei der Kreditlimitprüfung ist es je nach Risikoklasse, Kreditüberwachungsbereich (Kreditsegment) und Kundengruppe möglich, verschiedene Kriterien heranzuziehen, um das Limit des Geschäftspartners zu überwachen. Dazu zählen unter anderem saisonale Anpassungen des Kreditlimits (prozentuale Erhöhungen oder Reduktionen), Daten des aktuellen Geschäftspartners (offene Posten, ältester Mahnposten, maximale Mahnstufe), der prozentuale Anteil der überfälligen Posten an den insgesamt offenen Posten oder die Anzahl oder Summe der Rückläufer.
SAP Credit Management bietet weiterhin die Möglichkeit, die zu einem Kunden hinterlegten Sicherheiten zur Begleichung von Verbindlichkeiten (zum Beispiel Bankgarantien) mit in die Berechnung des Gesamtobligos einfließen zu lassen, um das Eigenrisiko des Unternehmens zu überwachen.

Credit Information

Die Funktion Credit Information unterstützt den Kredit-Sachbearbeiter dabei, sowohl externe als auch interne Kreditinformationen zu einem Kunden zu ermitteln und zu verwalten. Diese Informationen dienen dabei hauptsächlich als Eingangsparameter für die unten näher beschriebene Credit Rules Engine, mit der automatisch Kreditentscheidungen gefällt oder Kreditlimite berechnet werden können.
Die Abfrage externer Kreditinformationen ist vollständig im SAP Credit Management integriert und erlaubt es, Auskünfte über entsprechende XML-Schnittstellen elektronisch einzuholen. Da sich Kreditabteilungen oft mehrerer externer Kreditauskunfteien bedienen, ist SAP Credit Management in der Lage, Informationen, die über eine solche Schnittstelle an die Lösung übertragen werden, abhängig vom Datenlieferanten zu speichern. Das erlaubt es dem Anwender, die unterschiedlichen Ergebnisse zu vergleichen und entsprechend getrennt weiterzuverarbeiten. Mit einer entsprechenden Abfrage-Historie ist es später möglich, die Entwicklung der Bonität eines Kunden nachzuvollziehen. Die XML-Schnittstelle ist sowohl für Auskünfte zu Geschäftskunden als auch zu Privatkunden ausgelegt.
Neben externen Kreditdaten lassen sich auch unternehmensintern verwaltete Daten über Geschäftspartner aus den Vorsystemen extrahieren und anhand von eigenen Bewertungsregeln interne Bonitätswerte ermitteln. Diese internen Bonitätswerte leiten sich zum Beispiel aus folgenden Daten ab:

  • Herkunftsland des Geschäftspartners
  • durchschnittliche Zahlungsverzug in Tagen
  • Anzahl der Mahnungen in den letzten 12 Monaten
  • durchschnittliche Mahnstufe

Die ermittelten externen und internen Kreditinformationen werden in den Stammdaten des Geschäftspartners abgelegt. Die Bonitätsdaten sind entweder manuell oder automatisch zu aktualisieren. Im letzteren Fall überprüft ein Batchprogramm periodisch das Gültigkeitsdatum der Daten und generiert bei Überfälligkeit den neuen Bonitätswert.

Credit Rules Engine

SAP Credit Management bietet die Möglichkeit, mit Hilfe von Regeln bestimmte Prozesse im Credit Management zu automatisieren. Die Credit Rules Engine verwaltet Regeln zu folgenden Prozessen:

  • Bonitätsbewertung von Geschäftspartnern (Scoring) – Bonitätswerte zu berechnen, ist ein komplexer Vorgang, der durch die Verwendung der Credit Rules Engine einfacher wird. Das erlaubt, je nach Kunde ein Verfahren zuzuordnen, dem eine Formel zur Berechnung des Bonitätswerts hinterlegt ist. Die Formel kann vom Anwender frei definiert werden, wobei ihm eine Vielzahl von Daten als Eingangsparameter zur Verfügung steht. Das SAP Credit Management verfügt über Massenverarbeitungsfunktionen, die es dem Anwender möglich machen, für eine große Anzahl von Kunden eine Neuberechnung des Bonitätswerts durchzuführen oder die Bewertungsverfahren zu ändern.
  • Ermittlung der Kreditlimithöhe – Die Credit Rules Engine bietet weiterhin auch die Möglichkeit, für Kunden automatisch das Kreditlimit zu berechnen. Auch hier ist eine Vielzahl von internen und externen Daten verfügbar, die als Eingangsparameter der Formel anzuwenden sind. Das so berechnete Kreditlimit, kann entweder als Vorschlagswert oder sogar als feste unveränderliche Vorgabe des Systems in die Stammdaten des Kunden übernommen werden. Über SAP Workflow lässt sich ein Genehmigungsverfahren implementieren, bei dem der Vorgesetzte des Bearbeiters die Änderung eines Kreditlimits prüft und genehmigt.
  • Regeln zur Kreditlimitprüfung – In der Credit Rules Engine kann der Anwender Regeln zur Prüfung des Kreditlimits von Aufträgen hinterlegen. Dabei hat er zu entscheiden, ob neben der eigentlichen Prüfung der Auslastung des Kreditlimits auch noch weitere Prüfungen erfolgen sollen, zum Beispiel über das Alter des ältesten offenen Postens oder die maximalen Mahnvorgänge beim Kunden. Hier ist auch bei Bedarf festzulegen, welche Auswirkungen ein negatives Ergebnis einer Prüfung haben soll (beispielsweise Vertriebsauftrag sperren, Kundenkonto sperren, Workflow anstoßen).

Credit Decision Support

Der Kredit-Sachbearbeiter benötigt Informationen aus unterschiedlichen Systemen, um schnell und effizient über gesperrte Aufträge oder die Höhe des festgesetzte Kreditlimits zu entscheiden. Innerhalb von SAP Credit Management unterstützt Credit Decision Support den Anwender bei der Ermittlung der notwendigen kundenbezogenen Daten und Analysen. Diese werden im Form eines kreditspezifischen Kundestammblatts (Customer Credit Fact Sheet) zusammengefasst. Das Credit Decision Support enthält zum Beispiel Auswertungen zur

  • Analyse der Kredithistorie zu einem Kunden (zum Beispiel Auslastung des Kreditlimits, Entwicklung der Bonität, externe Ratings von Kreditauskunfteien, gesperrte Vertriebsaufträge)
  • Analyse des Zahlungsverhaltens (zum Beispiel durchschnittliche Anzahl an Verzugstagen, Fälligkeitsstruktur der offenen Posten, Anzahl der Mahnungen, ältester offener Posten, durchschnittliche Höhe der offenen Posten, Days Sales Outstanding )
  • Analyse des Bestellverhaltens (zum Beispiel durchschnittliches Volumen der Bestellungen, höchster/niedrigster Bestellwert, abgesagte Aufträge, gesperrte Aufträge, stornierte Aufträge, Anzahl der Kunden-Reklamationen)

Weitere Informationen zum Thema FSCM und den hier vorgestellten Komponenten stehen unter http://www.sap.com/FSCM oder auf dem SAP Service Marktplatz (alias: FSCM) zur Verfügung.

Jürgen Weiss

Jürgen Weiss

Leave a Reply