Verlässliche Roadmaps

Feature | 10. November 2009 von Uta Spinger 0

Roadmap

Glücklich Verheiratete wissen es schon lange. Das Geheimnis einer langen, zufriedenen Beziehung ist, sich möglichst offen auszutauschen. Denn der Andere kann schließlich keine Gedanken lesen und die Wünsche des Partners erraten. Das ist auch bei Geschäftspartnern nicht anders. So wollen auch die Unternehmen, die mit SAP arbeiten, erfahren, in welche Richtung sich ihr IT-Partner weiter entwickelt. „Für uns ist es immens wichtig zu wissen, welche Lösungen weiterverfolgt werden, welche Services es künftig geben wird, damit wir unsere Investitionen richtig planen können“, erklärt Per Högberg, stellvertretender Vorsitzender des internationalen SAP-Anwendergruppennetzes SUGEN. „Deswegen müssen wir frühzeitig in die Planung einbezogen werden.“

Den gemeinsamen Nenner finden

In einer normalen Ehe müssen sich nur zwei Personen einig sein, die SAP hat jedoch über 86.000 Beziehungen. Und jedes dieser Unternehmen hat seine eigenen Prioritäten, möchte diese oder jene Funktion verwirklicht sehen. Insbesondere einflussreiche Firmen versuchen hier unermüdlich, Einfluss auf die Entwicklung zu nehmen. So sind in der Vergangenheit Lösungen entwickelt worden, die von sehr wenigen Unternehmen genutzt wurden. „Das ist eine Verschwendung unserer Ressourcen und auch nicht im Sinne unserer 86.000 Kunden“, meint SAP-Entwicklungsvorstand Jim Hagemann Snabe. Deswegen liege es im gemeinsamen Interesse, die Entwicklung richtig zu kanalisieren. Doch was wollen die Kunden wirklich?

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Um diese Frage zu beantworten, hat SAP zusammen mit SUGEN im Oktober 2008 eine Initiative gestartet, die sich „Long-term Product Strategy Charter“ nennt und die Entwicklung einer gemeinsamen Produkt-Roadmap zum Ziel hat. „Die Anwendergruppen nehmen natürlich bereits seit langem Einfluss auf die SAP“, berichtet Högberg. Doch dies sei eine neue Stufe, denn man hole systematisch das Feedback repräsentativer Kunden aus verschiedenen Branchen ein und definiere dann gemeinsam die Entwicklungsschwerpunkte der nächsten Jahre.

Einfluss von Anfang an

Neu ist auch, dass Kunden und Partner die Möglichkeit erhalten, in allen Phasen des Produktlebenszyklus’ mit SAP zu kooperieren. „Die Idee ist, die Kundenbasis von der Produktidee über die Entwicklung bis zur Lösungseinführung und der Definition der Supportleistungen einzubinden“, erläutert Oliver Hid Arida, auf SAP-Seite für das Projekt zuständig. Dies soll gewährleisten, dass alle Kundenanforderungen bei der Softwareentwicklung berücksichtigt werden. Derzeit beteiligen sich 74 Mitgliedsunternehmen aus 12 Anwendergruppen an der Roadmap-Diskussion unter der Ägide des SAP Chief Strategy Officer Pascal Brosset. Vier Portfolios wurden bereits unter die Lupe genommen: Supply Chain Management, Financials, Human Resources und Public Sector. Geplant ist, weitere Roadmaps aufzunehmen und mehr Kunden einzubinden. Ein weiteres Gemeinschaftsprojekt von SUGEN und SAP ist die Customer-Engagement Initiative. Hier geht es um die Beeinflussung künftiger Entwicklungsprojekte. Unter der Schirmherrschaft von Jim Hagemann Snabe sind bislang die amerikanische SAP-Anwendergruppe ASUG sowie die deutschsprachige Anwendergruppe DSAG eingebunden, weitere Gruppen werden folgen. Auch das SAP Premier Customer Network, in dem 390 strategisch wichtige Unternehmen mit komplexen globalen Abläufen vernetzt sind, beteiligt sich an der Initiative.

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Bei der Entwicklung des neuen Sustainability-Portfolios von SAP hatten Anwendergruppen und Kundennetzwerke erstmals die Gelegenheit, von Anfang an Einfluss auf bestimmte Komponenten zu nehmen und an ihre Anforderungen anzupassen.

Silos aufbrechen

Auch bei SAP ist ein Umdenken erforderlich, um eine einheitliche Roadmap zu entwickeln. „Wir wollen Silos aufbrechen und über die Vorstandsbereiche hinweg zusammenarbeiten – ganz im Sinne unserer Lean-Management-Strategie“, kündigt Snabe an. „So verbessern wir unsere Produkte und schaffen einen Mehrwert für unsere Kunden.“ Deswegen sollen die Entwickler künftig mehr Möglichkeiten erhalten, mit Kunden zu sprechen, um so die Erwartungen und Anforderungen kennenzulernen und mit der Entwicklung abzugleichen. Bis 2011 rechnen alle Beteiligten mit konkreten Ergebnissen. Und vielleicht sorgt die offene Kommunikation dieser „Paartherapie“ dafür, dass die SAP noch einige silberne oder gar goldene Hochzeiten mit ihren Kunden feiern kann.

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