Sag´ mir, wo die Wagen sind…

Feature | 29. November 2006 von admin 0

Wer in mehreren tausend Waggons jährlich viele Millionen Tonnen Stickstoff, Phosphat, Kali oder andere Düngemittel zu hunderten von Kunden in ganz Nordamerika transportiert, hat gleich einige dringende Fragen. Wo befindet sich wann ein einzelner Waggon? Kommen die Güter rechtzeitig beim Kunden an? Wann ist der Waggon bereit für die nächste Ladung? Muss er hierfür gereinigt werden?

Agrium senkt einen der größten Kostenfaktoren

Diese Fragen beschäftigen auch die kanadische Agrium Inc., einer der führenden Lieferanten von Nährstoffen für die Landwirtschaft in Nordamerika. Damit die Düngemittel bedarfsgerecht bei den Kunden ankommen, wächst die Flotte der Eisenbahnwaggons, die für Agrium auf den Schienen sind, jedes Frühjahr, wenn die Landwirte die Pflanzennährstoffe benötigen, von 3.000 auf 6.000 an.
Seit einiger Zeit setzt Agrium für das Management dieser Flotte auf SAP Railcar Management – und hat damit die Auslastung seiner Waggons um mindestens zehn Prozent gesteigert. Die SAP-Anwendung gibt dem Unternehmen jederzeit einen Überblick, wo sich die Waggons gerade befinden. Da der Bahntransport bei Agrium einer der größten Kostentreiber ist, führte diese Optimierung zu erheblichen Einsparungen.
„Unser Ziel war es, jede Unterbrechung des laufenden Betriebs zu vermeiden – damit hatten wir Erfolg auf der ganzen Linie”, erzählt Gordon Ingham, bei Agrium für die IT von „Sales and Transportation“ zuständig. Agrium Inc. hat zu diesem Zweck SAP Railcar Management 2006 über insgesamt sechs Wochen eingeführt und die alte Software abgelöst.
Dem Unternehmen ging es bei der Wahl von SAP Railcar Management vor allem um eine integrierte Lösung. Bereits seit zehn Jahren wickelt Agrium seine Geschäftsprozesse mit SAP-Software ab. Der SAP-R/3-Implementierung von 1996 folgte SAP Business Information Warehouse, seit 2004 setzt der Düngemittelproduzent bei seinen Kundenbeziehungen auf mySAP Customer Relationship Management. Eine der wenigen Ausnahmen: Das alte Railcar-Management-System war keine SAP-Technologie. Es musste gesondert gewartet werden, zudem konnten mit der Benutzeroberfläche nur speziell geschulte Mitarbeiter umgehen.
Durch die Implementierung der integrierten Anwendungen SAP Railcar Management und SAP Event Management – einem Bestandteil der Lösung mySAP Supply Chain Management, die den SAP-Anwendern bei Agrium das Tracking der Güterwagen ermöglicht – hat das Unternehmen Kosten bei Wartung und Anwenderschulung gesenkt. Der weitaus größere Vorteil besteht jedoch in der gemeinsamen Benutzeroberfläche. Heute sind bei Agrium auch alle Mitarbeiter in Vertrieb und Marketing mit denjenigen Werkzeugen ausgestattet, die sie in Hinblick auf den Güterwagenverkehr für ihre Geschäftsprozesse benötigen. Viele machen von diesen Werkzeugen auch regen Gebrauch – so beispielsweise der Kundendienst, der auf Anfrage nun rasch darüber Auskunft geben kann, wo sich Zug, Waggon und Ware gerade befinden.

Olin Corporation: Verbesserungen erhöhen den Gewinn

Für seine Chlor-Alkali-Produktion setzt auch die US-amerikanische Olin Corporation, einer der größten Hersteller von Chlor und Natronlauge, auf SAP Railcar Management. Für Olin rollen permanent mehr als 3.000 Güterwagen, ergänzt um eine Flotte von LKW und Containerschiffen. Oberstes Ziel der Software-Implementierung waren Kostensenkungen im Transportbereich. Es gilt hierfür unter anderem, mehr als 3,6 Millionen Tonnen Fracht möglichst effizient auf über 26.000 Routen zu verteilen.
Wie auch bei der Agrium Inc. ist das Tracking der Züge eine besondere Herausforderung. Mit SAP Railcar Management stellt Olin jederzeit fest, wo sich die Züge befinden, welche Produkte sie transportieren und wann sie voraussichtlich an ihrem Ziel ankommen, sei das beim Kunden oder in einer Olin-Produktionsanlage. Außerdem bedient sich das Unternehmen der in SAP Railcar Management integrierten Funktionalität für die Überwachung der Frachtkosten – hierzu zählen die Posten Versandkosten, Umlagerungskosten, Kraftstoff oder Ausgaben für besondere Lieferungen. Da die Kernprozesse von Olin über mySAP ERP laufen, lassen sich die entsprechenden Informationen aus SAP Railcar Management leicht in das Finanzwesen übernehmen. Dem Management stehen damit jederzeit transparente Echtzeit-Berichte zur Verfügung. „Fast täglich treffen unsere Führungskräfte nun auf Basis der neu zur Verfügung stehenden Daten Kosten sparende Entscheidungen”, sagt Doug Lecomte, Projektleiter der Chlor-Alkali Products Division, Olin Corporation.
Olin ist bereits seit 1995 SAP-Kunde und verfügte aus diesem Grund über genügend Mitarbeiter mit dem notwendigen Know-how, um die Implementierung selbst durchzuführen. Für bestimmte Customizing-Einstellungen holte sich Olin für das Projekt Rat und Unterstützung bei den Branchenexperten im SAP Custom Development. Gemeinsam implementierte dieses Team die Grundfunktionen von SAP Railcar Management und Erweiterungen wie die Frachtkostenüberwachung. Olin profitierte zusätzlich von seinen Kenntnissen über mySAP ERP und der Programmiersprache ABAP und hat damit SAP Railcar Management weiter optimiert. Das Unternehmen führt nun beispielsweise beim Beladen der Züge automatisch eine Qualitätsmanagementprüfung durch. Auch hat Olin die Liste der in SAP Railcar Management verfügbaren Berichte in Eigenregie erweitert, etwa um einen maßgeschneiderten „Freight Rate Declaration Report“, der es erlaubt, Frachtsätze nach Materialgruppen auszuwählen.
Das Projekt wurde planmäßig in zwei Phasen durchgeführt. Zunächst erfolgte die Integration von SAP Railcar Management mit den SAP-Komponenten für das Product Lifecycle Management. Anschließend integrierte das Team SAP Railcar Management mit den SAP-Standardmodulen für Vertrieb, Logistik und Finanzwesen. Als Ergebnis unterstützt die SAP-Software bei Olin nun den gesamten Order-to-Cash-Zyklus. „Unsere Anwender arbeiten heute mindestens um zehn Prozent effizienter, weil sie nicht mehr zwischen den verschiedenen Anwendungen auf ihrem Desktop hin und her schalten müssen”, bilanziert Lecomte ganz ähnlich wie sein Kollege Gordon Ingham von Agrium.

Mosaic: Idealkombination mySAP ERP und SAP Railcar Management

Doch Agrium und Olin sind bei Weitem nicht die einzigen Unternehmen, die von SAP Railcar Management profitieren. Mehr als 40 Unternehmen in Nordamerika und Europa sind lizensiert – vorwiegend Unternehmen aus dem Bergbau und der Verhüttung, der chemischen Industrie und Rohstofflieferanten. Innerhalb der Lieferkette dieser Unternehmen verspricht die SAP-Anwendung einen hohen ROI – Grund für die Mosaic Crop Nutrition, ebenfalls SAP Railcar Management zu implementieren.
Der weltweit zweitgrößte Hersteller von Nährstoffen für Kulturpflanzen rechnet dank der SAP-Anwendung mit einem Mehrwert, der die Kosten der Implementierung erheblich übersteigt. Insgesamt 575 Millionen US-Dollar Transportkosten machen bei Mosaic eine Lösung notwendig, die weit über die diesbezüglichen Standard-Funktionen gängiger ERP-Software hinausgeht. Nach sorgfältigen Eignungstests und einer intensiven Kosten-Nutzenanalyse fiel auch bei Mosaic die Entscheidung zugunsten einer Kombination von mySAP ERP 2004 und SAP Railcar Management. Neben einer Optimierung von Auslastung und Wartung der Flotte und einer Steigerung der Mitarbeiterproduktivität sieht Mosaic auch erhebliches Potenzial bei der gesetzeskonformen Abwicklung interner Abläufe, wie sie etwa auch der Sarbanes-Oxley Act im Transportwesen erzwingt.

Dr. Lauren McCallum

Leave a Reply