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Warum SAP HANA auch zu Java-Umgebungen passt

Feature | 31. Mai 2017 von Andreas Schmitz 17

SAP HANA funktioniert auch in Verbindung mit Nicht-SAP-Anwendungen. Nur weiß das kaum jemand. Drei Beispielszenarien.

Roman Bartlog kennt das Dilemma bei Kunden: Daten gibt es zuhauf, doch sind sie oft nicht aktuell. „Sie werden hin- und herkopiert und bis sie schließlich analysiert werden, sind sie schon veraltet“, sagt der Managing Enterprise Architect vom herstellerunabhängigen IT-Dienstleister und -Beratungshaus Capgemini. Bartlogs Erfahrung nach sind 60 bis 70 Prozent der Daten im Unternehmen redundant – und nur durch diverses Kopieren entstanden. „Dieser Footprint muss verschlankt werden“. Die Schlussfolgerung: Weg von Big Data hin zu Right Data müsse man kommen – weg von schieren Datenmengen hin zu jenen Informationen, die es wert sind betrachtet zu werden. Datensilos müssten abgebaut und in einer zentralen Instanz zusammengeführt werden. Die Vorteile: Kosten können gespart, Daten schneller ausgewertet und Entscheidungen früher getroffen werden.

Single Source of Truth: Right Data statt Big Data

Wie vorgehen? Die typische IT-Landschaft in Unternehmen ist heterogen, SAP- und Nicht-SAP-Systeme sind ebenso zu finden wie Datenbanken von Oracle, SQL von Microsoft oder DB2 von IBM. Hinzu kommen Erweiterungen und Eigenentwicklungen. SAP hatte währenddessen einen reinen SAP-Ansatz geschaffen, der den genannten Anforderungen bereits gerecht wurde. Die auf SAP-HANA-Basis entwickelte Business Suite SAP S/4HANA verzichtet auf Aggregate, verschmilzt die analytische mit der transaktionalen Welt und schafft eine „Single Source of Truth“. „Wenn SAP HANA das für SAP schafft“, folgert Bartlog, „dann muss das auch in einer Nicht-SAP-Welt möglich sein.“

SAP HANA in Nicht-SAP-Landschaft: Erster Pilot in der Autoindustrie

SAP HANA für Java-Applikationen? „Das war für die Kunden schwer vorstellbar“, erinnert sich Bartlog. Ein Automobilhersteller, der traditionell eine große Nicht-SAP-Landschaft betrieb, entschied sich schließlich dafür, SAP HANA für eine seiner Applikationen auszuprobieren. „Zugegebenermaßen hatten wir den Vorteil, dass wir den Code kannten, da wir die Anwendung teilweise selbst entwickelt hatten“, erläutert Bartlog. Zunächst reagierte die SAP-HANA-Datenbank sehr langsam, die Parametrisierung stimmte nicht. „Möglicherweise hat das System diese Art von Daten nicht erwartet“, interpretiert Bartlog. Ein Patch genügte, um das Problem zu beheben. Und die Verarbeitung der Daten nahm die Geschwindigkeit auf, die die Experten von der In-Memory-Technologie erwartet hatten. „Keine andere Datenbanktechnologie kommt derzeit ohne Kopien aus“, beschreibt Bartlog den Hauptvorteil von SAP HANA, welcher auch die Grundlage für jene gewünschte zentrale Instanz schafft, die das Konzept vorsah.

SAP HANA in Java-Umgebungen: 3 Beispiele

„Right Data“ sind inzwischen in drei Szenarien geschaffen worden. Dass die Unternehmen nicht genannt werden wollen, die in den Szenarien involviert sind, hat vor allem einen Grund: „Sie sehen in dem neuen Ansatz enorme Wettbewerbsvorteile, die nicht gleich an die Konkurrenz weiter gereicht werden soll“, meint Bartlog. Teilweise haben die Unternehmen sogenannte Site Cars aufgesetzt, in denen der SAP-HANA- zunächst neben dem gewohnten Betrieb herlief.

1. Automobilhersteller: Der Prozess der Autoreparatur in Aftersales-Systemen

Dadurch, dass die Systeme nun in der Lage sind, mehr Daten deutlich schneller zu prozessieren, kann der Call Center Agent nun besser auf Kundendaten zugreifen, sie miteinander verknüpfen und auf individuelle Historien zugreifen. „Standzeiten in den Werkstätten lassen sich verringern“, ist Bartlog überzeugt, der vor allem in der höheren Kundenzufriedenheit einen Pluspunkt sieht. Hinzu kommt die erhöhte Systemverfügbarkeit. Durch den Einsatz von über 20 Datenbanken beim Autohersteller war es vorher fast unmöglich ein konsistentes Backup zu erstellen – besonders wenn man bedenkt, dass mit Entwicklungs-, Test- und Produktionssystemen insgesamt auf über 60 Systeme zugegriffen wurde. „Fiel ein System aus, betraf das auch gleichzeitig den umliegenden Systemverbund“, so Bartlog, der auch in den schnelleren Release-Zyklen und der einfacheren Schnittstellenversorgung wichtige Vorteile durch SAP HANA sieht.

2. Medien: Archiv von Presseartikeln

Über mehrere Jahrzehnte hatte ein öffentliches Medienunternehmen sein Archiv auf Basis einer nach heutigen Maßstäben veralteten Oracle-Datenbank aufgesetzt. „Die Antwortzeiten lagen im dreistelligen Sekundenbereich “, erinnert sich Bartlog. Zudem waren zwei Mitarbeiter allein damit betraut, die Datenbank zu pflegen und weiterzuentwickeln. Als Capgemini SAP HANA als neue Datenbank vorschlug, war das Unternehmen skeptisch: Schließlich habe man eine Java-Anwendung im Einsatz, das habe doch nichts mit SAP zu tun. Dass schließlich doch SAP HANA zum Einsatz kam, führt Bartlog darauf zurück, dass die In-Memory-Technologie von SAP „nicht nur eine Datenbank, sondern auch ein Gehirn ist“. So ist SAP HANA etwa dazu in der Lage, diverse Analysen wie etwa Sentiment-Untersuchungen von Texten zu machen. Selbst bei komplexen Suchen oder bei Schlagworten wie „Angela Merkel“ mit besonders hoher Trefferquote liegt die Antwortzeit nun im einstelligen Sekundenbereich.

3. Logistik: Transportmanagement

Für die „Datenmanagementplattform der Zukunft“ zieht ein bis heute komplett SAP-freies Logistikunternehmen künftig SAP HANA in Betracht. Als Testprojekt fungierte das Transportmanagementsystem. Es stellte sich heraus, dass SAP HANA von heute auf morgen so gut funktionierte wie Oracle vorher. „Die Stärken von SAP HANA kommen dann besonders zum Zuge, wenn die Datensilos konsolidiert werden“, sagt Bartlog vor dem Hintergrund, dass zu diesem Zeitpunkt noch knapp hundert Datentöpfe im Unternehmen im Einsatz sind. Weiterer Vorteil: Die Analyse von Sensor- und IoT-Daten etwa von Containern werden heute durch die Vielzahl an Datenbanken erst mit Stunden Verzögerung fertig. „Geschieht das über SAP HANA, bekommen Sie diese Auswertungen sofort“, sagt der Technik-Experte von Capgemini.

„Die Vorurteile, SAP HANA sei zu teuer und funktioniere in Nicht-SAP-Infrastrukturen nicht , sind damit widerlegt“, konstatiert Bartlog, der weltweit einen Milliardenmarkt im von Capgemini „Unlimited“ genannten Ansatz sieht. Der erste Kunde, das Logistikunternehmen, soll Ende dieses Jahres mit SAP HANA live gehen.

Weitere Informationen

Was ist eigentlich SAP HANA?

Unlimited von Capgemini, SAP und HPE

Bruno Buffenoir, VP EMEA, Strategic Alliances, OEM und IoT von HPE im Video.

Detlev Sandel, Senior Director Digital Innovations bei Capgemini im Video.

Roman Bartlog im IT-Trends Blog von Capgemini

Detlev Sandel im IT-Trends Blog: Unerschlossenes Terrain: SAP HANA erobert die Nicht-SAP-Welt

Bild: Shutterstock

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