Wettkampf-Vorteile mit SAP HANA

24. März 2014 von Andreas Schmitz 0

Lacher

Vor drei Jahren stellten sich Co-CEO Jim Hagemann Snabe und SAP-Gründer Hasso Plattner diverse Fragen zur Zukunft des Sport-Sponsoring bei SAP: Lassen sich SAP-Technologie und Sport irgendwie zusammenbringen? Gibt es Anwendungen, die gezielt Probleme lösen und Sportler wie Team besser machen? Lässt sich letztlich darauf sogar ein eigenes Geschäftsfeld aufbauen? Heute kennen wir die Antwort: Kurz gefasst verbindet SAP die Themen IT und Sport bereits in diversen Szenarien für Segeln, Fußball, Reiten, Basketball und American Football. Nach dem Einstieg von SAP als Partner segelte beispielsweise das Audi Sailing Team Germany in der Nationenwertung der Weltrangliste innerhalb von zwei Jahren aus dem internationalen Mittelfeld bis auf Platz 2 nach vorne. Zahlreiche Medaillenränge und Titel in den Olympischen Disziplinen sowie dem Nachwuchs machen Hoffnung auf eine Fortsetzung dieser Leistungssteigerung. Zudem existiert inzwischen die 25te Industrie bei SAP, der Bereich Sport & Entertainment. Im Interview zeigt Stefan Lacher von SAP, wo innovative IT wie SAP HANA Sportler unterstützt. Er ist bei SAP Head of Sponsorship Technology.

SAP.info: Herr Lacher, in der Verbindung von IT zum Sport entdeckt der traditionelle ERP-Nutzer von SAP jetzt nicht gerade ein neues Kerngeschäft der Walldorfer. Wie kam es zu dem Thema?

Stefan Lacher: Wir brechen damit ganz bewusst aus der B-to-B-Rolle von SAP aus. Für die Top-Entscheider in Unternehmen ist SAP natürlich ein Begriff.  Aber Mobile- und Cloud-Lösungen soll und kann ja jeder Mitarbeiter im Unternehmen nutzen und hier gilt es die Stärken von SAP noch bekannter zu machen. Sport-Anwendungen bieten sich hier an. Es geht uns besonders darum, einen Aha-Effekt bei Mitarbeitern in Unternehmen auszulösen, die mit SAP bis dato noch gar nichts zu tun hatten.

Segelreviere mithilfe von IT analysiert

 

Drei Jahre sind vergangen, seit sie das Thema auf der Agenda haben. Zufrieden mit dem Erreichten?

Lacher: Auf jeden Fall. Erste Lösungen haben wir damals für die deutsche Segelnationalmannschaft entwickelt. Ziel war es, Wettbewerbsvorteile für das Team zu schaffen. Was also war zu tun? In Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in London haben wir diverse Innovationsprojekte gestartet. Beispielsweise haben wir zusammen mit Wissenschaftlern der TU Berlin, einem Strömungsspezialisten aus Kiel und dem Hasso Plattner Institut in Potsdam das Revier vor Weymouth im englischen Dorset genauer untersucht. Wenn also der Wind aus südlicher Richtung kommt, und das Boot gerade an der Insel Portland vorbeisegelt: Welche Auswirkungen hat das auf die Regattabahn, wo also ist der Wind stärker oder schwächer? Das so genannte Revierwissen etwa über  Strömungsverhältnisse im Ärmelkanal hilft den Seglern enorm,  Regatten zu gewinne. Die deutschen Athleten belegten die Plätze vier und fünf: Spannend wird auch die Analyse des Segelreviers vor Rio de Janeiro für die Olympischen Spiele 2016. Denn besonders um den Zuckerhut herum, eine kleine Insel vor Rio, ändern sich Strömungen und Winde oft signifikant. Zu wissen, wie man dann reagieren muss, kann über Medaillen entscheiden.

Dieser Artikel ist Teil unseres Themenschwerpunkts Sport & IT. Alle Beiträge zum Thema finden Sie in unserem Special.

Das hilft nun zunächst einmal professionellen Teams …

Lacher: Hier ging es uns zunächst einmal darum herauszufinden, welchen Nutzen IT für den Sport wirklich hat. Hatten früher Segler und Trainer die wertvollen Revierinformationen für sich individuell gesammelt, liegt dieser Wissensschatz nun in einer „Revierdatenbank“ vor. Einmal analysierte Wind- oder Wetterdaten können zukünftig also auch von anderen Seglern des Teams genutzt werden, die wieder auf das gleiche Revier zurückkehren. In einer Trimm-Datenbank finden die Segler alle Informationen darüber, wie sie die circa 60 Faktoren am Boot bestmöglich auf die regionalen Bedingungen einstellen: Wähle ich also einen flexiblen oder steiferen Mast oder fahre ich das Segel flach oder bauchig?

Das weckt sicher Begehrlichkeiten auch bei Teams anderer Nationen?

Lacher: Tatsächlich haben diverse andere Segelnationen wie die Australier, Amerikaner und Russen bereits internationale Trainingspartnerschaften angeregt, um von unserer Technologie zu profitieren. Es ist natürlich nicht so, dass andere Teams schlafen. Jeder entwickelt so seine Ideen, so wie die Herrschaften, die vor der Olympischen Segelregatta 2012 Lebensmittelfarbe in den Ärmelkanal gegossen haben, um über Luftaufnahmen mehr über die Strömungen an der Küste herauszufinden. Da ist unsere Lösung sicher umweltfreundlicher.

GPS und Windmessung: Segler nutzen Analysen 600.000 Minuten lang

 

Hier unterstützen Sie Teams auf hochprofessioneller Ebene. Das kann für den Noch-Nicht-SAP-Kunden schon ganz interessant sein. Nur näher heran an die SAP-Technologie im Sport rückt er dadurch nicht!

Lacher: Diese Beispiele aus dem Spitzensport interessieren natürlich Hobby-Sportler sehr, aber wir wollen ihnen auch direkten Kontakt zu SAP-Lösungen geben. Anders ist deshalb unser Ansatz bei der Kieler Woche, der weltweit größten Segelregatta vor der Küste Schleswig-Holsteins. Hier stellen wir Amateurseglern über GPS und Windmessungen Informationen über ihren Segelkurs und die Windverhältnisse zur Verfügung. Wer also das Gefühl hatte, in einer Passage schnell unterwegs gewesen zu sein, kann das direkt anhand unserer Daten abgleichen. Statt Bauchgefühl gibt es harte Daten und Fakten. Letztlich geht es den Seglern darum, auf dieser Basis Strategien und Taktiken zu verbessern. Während der Kieler Woche 2013 nutzten die Segler unsere Post-Race-Analysen insgesamt über  600.000 Minuten lang. Das hat uns gezeigt, dass es funktionieren kann, das Segeln „an Land zu holen“.

Abgesehen vom Segeln: Welche Projekte erscheinen Ihnen besonders interessant, auch vor dem Hintergrund, SAP quasi massentauglich werden zu lassen?

Lacher: Als Sponsor der Womens Tennis Association (WTA) erreichen wir dreierlei: Wir helfen jeder einzelnen Weltklassespielerin, ihr Spiel zu analysieren und zu verbessern. Wir arbeiten mit medialen Partnern zusammen, die auf Basis unserer Technologie Unmengen an Daten in hilfreiche Fakten verwandeln. Und wir schaffen mobile Lösungen wie Apps, um Nutzer von Smartphones näher ans Geschehen zu bringen und ständig besser zu informieren. Wenn Sie bedenken, dass etwa der US-amerikanische Fernsehsender ESPN (Entertainment and Sports Entertainment Network) rund  150 Mitarbeiter alleine damit beschäftigt, Daten zu analysieren und in hilfreiche Grafiken, Auswertungen und Hintergrundgeschichten zu verwandeln, dann sehen wir, dass das Vergleichen von  sportlichen Leistungen für den Zuschauer besonders interessant ist. Dies bietet darüber hinaus wirtschaftliches Potenzial. Im Reitsport verfolgen wir aktuell ein interessantes Konzept, das die Zuschauer noch weiter aktiviert: Wir ermöglichen es den Fans, mit Hilfe einer mobilen App selbst als Wettkampfrichter aktiv zu werden und zusammen mit den anderen Zuschauern eine eigene Rangliste zu erstellen – ein Angebot, das bereits in der ersten protoypischen Vorstellung beim CHIO Aachen 2013 auf sehr großes Interesse bei Besuchern und Medien gestossen ist.

Inzwischen gibt es sogar eine Möglichkeit, Fiktion und reelle Performance-Daten gemeinsam zu nutzen…

Lacher: In der Fantasy Football League geht es darum, ein virtueller Coach zu sein. Es ist also möglich, sich sein eigenes Team zusammenzukaufen und mit diesem Team fiktiv die Saison zu bestreiten. Natürlich gibt es Spieler, die sich auf dem echten Spielfeld verletzen und dann auch auf dem fiktiven Platz nicht mehr zur Verfügung stehen. Oder die Performance einzelner Spieler verschlechtert sich. Die Saison entwickelt sich also auf Basis der echten Performance von Spielern und Mannschaft. Auch hier bieten wir Lösungen, die den Fantasy-Football-Spielern helfen, die Unmenge an Daten im American Football einfach zu analysieren.

SAP HANA im Sport: Legaler Vorteil durch Datenauswertung

 

Letztlich geht es SAP ja auch darum, nicht „nur“ schicke Lösungen für Sponsorships zu bauen, sondern sie auch in bare Münze zu verwandeln. Wie weit ist SAP damit?

Lacher: Wir sind auf dem bestem Weg. Nehmen Sie unsere Projekte mit der TSG Hoffenheim und dem Deutschen Fußball Bund (DFB). Hier sind unsere Kollegen aus der Sport&  Entertainmentindustrie inzwischen sogar schon so weit SAP-Lösungen für das sportliche Umfeld anzubieten. Vorreiter war hier unsere Zusammenarbeit mit TSG Hoffenheim. Mit Hilfe von Sensoren an Spielern und im Ball, kann hier durch SAP HANA ein komplettes Training im Detail erfasst und mit einer unglaublichen Tiefe ausgewertet werden.  Aber auch in geschäftlichen Aspekten bietet SAP Lösungen an. So nutzt beispielsweise der DFB bereits unser SAP CRM on HANA, um etwa Fans bessere Angebote machen zu können. Die SAP-Ticketing-Lösung erlaubt zudem den Ticketverkauf mit Social Media zu verbinden, so dass sich via Facebook sehen lässt, wo die Freunde im Stadion sitzen. Im Hinblick auf die Marktrelevanz ist Fußball in Deutschland am weitesten fortgeschritten und erfolgversprechend. In den USA ist American Football in dieser Position:  In der NFL etwa können SAP-Lösungen helfen, das Scouting von Spielern zu vereinfachen. Die Datenanalyse hilft zusätzlich zum persönlichen subjektiven Eindruck, Talente gewissen Analysen zu unterziehen, die ausschließlich auf Leistungsdaten basieren. Dadurch werden Spieler ausgewählt, die von anderen Vereinen beispielsweise aufgrund eines unorthodoxen Wurfstils nicht berücksichtigt werden. Das hilft, finanzielle Ressourcen zu schonen, die für die Auswahl der geeigneten Spieler nötig sind. –

Die Zeiten des Fussballtrainers, der seine Mannschaft einfach „über den Kampf ins Spiel finden“ lässt, sind wohl ebenso gezählt wie die des Segler, der sich rein auf sein Bauchgefühl  verlässt. Die Vereine, Trainer und Spieler, die heute gewinnen wollen, verschaffen sich durch die Auswertung von Daten einen legalen Vorteil.  Zusammen mit der Leidenschaft für den Sport ist es das beste Rezept zum langfristigen Erfolg.

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