SAP im Sudhaus

Feature | 6. Februar 2006 von admin 0

Krombacher Brauerei in Zahlen

Krombacher Brauerei in Zahlen

Der Mensch kann zirka drei bis vier Tage überleben, ohne etwas zu trinken. Wie lange es der Deutsche ohne sein Lieblingsgetränk Bier aushält, darüber liegen freilich keine Statistiken vor. Fakt ist, dass laut dem Deutschen Brauer-Bund der Pro-Kopf-Verbrauch im Jahr 2004 bei 115,8 Litern lag. Damit ist Deutschland das zweitgrößte „Bierland“ der Welt. Mit rund neun Prozent Marktanteil ist die Krombacher Brauerei aus der deutschen Bier-Landschaft nicht wegzudenken. Der Erfolg hat Tradition: Im Jahre 2003 feierte das Brauhaus mit seinen 830 Mitarbeitern sein zweihundertjähriges Firmenjubiläum.

Am Anfang ist das Malz: Strategie und Planung

Sudhaus bei Krombacher

Sudhaus bei Krombacher

Schon früh setzte die Brauerei auf automatisierte Geschäfts- und Produktionsprozesse, etwa auf Standardsoftware und Hardware von IBM. Doch Anfang 2004 mussten die IT-Spezialisten bei Krombacher erkennen, dass ihr in die Jahre gekommenes IT-System für Materialwirtschaft, Finanzwesen und Controlling von Doktor Claus Wellenreuther (DCW) nicht mehr den modernen Anforderungen entsprach. Dem Anspruch, mit einer zentralen IT-Lösung möglichst alle Geschäftsprozesse abzudecken und sich dennoch vielfältige Integrationsmöglichkeiten offen zu lassen, konnte die vorhandene Anwendung nicht gerecht werden.

Johannes Truttmann, CIO bei Krombacher

Johannes Truttmann, CIO bei Krombacher

„Schnell fiel bei uns im Haus daher die Wahl auf das Finanzwesen, das Controlling und die Materialwirtschaft aus SAP R/3. Nicht zuletzt deshalb, weil wir seit Januar 2004 erfolgreich mit dem Personalwesen und der Lösung für Business Intelligence von SAP arbeiten“, erklärt Johannes Truttmann, CIO bei der Krombacher Brauerei. Von der Business-Intelligence-Lösung versprach sich Krombacher größere Genauigkeit bei der Absatz-Planung, vom Personalwesen die reibungslose Abwicklung von Lohn und Gehalt sowie Unterstützung bei Rückrechnung und Zeitwirtschaft. Insgesamt sollte mit dem Umstieg auf SAP-Software die Zukunftssicherheit der IT gewährleistet werden. „Entscheidend für die Wahl von SAP R/3 waren letztlich die Controlling-Möglichkeiten im Hinblick auf die Produktion sowie das am Markt vorhandene SAP- und Branchen-Know-how“, ergänzt Truttmann. Mit dieser Einschätzung steht er nicht allein: Schließlich ist diese Software bei vielen anderen Unternehmen der Brauerei-Branche im Einsatz.

Brauvorbereitung: Geschäftsprozesse optimieren

SBS-Live-Kit

SBS-Live-Kit

Sechs Beratungshäuser bewarben sich um das Projekt; Siemens Business Services wurde im April 2004 mit der Umsetzung betraut. Um die betriebswirtschaftlichen Anforderungen der einzelnen Bereiche für die künftige Lösung zu erfassen, führten die Fachleute von Siemens Business Services zwei Workshops bei der Krombacher Brauerei durch. Dabei half ihnen neben ihrem Branchen- und SAP-Know-how auch das erprobte Analyse-Werkzeug Live Kit. Mit diesem Werkzeug identifizierten die Experten schnell die erforderlichen Customizing-Aktivitäten, sie erstellten die Zuordnungsberichte der Stammdaten, schätzten den Aufwand ab und führten eine exakte Funktionsanalyse durch. „Wir haben recht ungeduldige Mitarbeiter“, erzählt Truttmann. „Eine Blueprint-Phase von sechs Monaten kam für uns nicht in Frage. Das Live Kit zusammen mit dem Fachkonzept, dem Prototyping und der Dokumentation hat uns vom Start weg überzeugt.“
Im Rahmen dieses anschließend erarbeiteten Fachkonzepts wurden die Ergebnisse weiter verfeinert. Die Berater nahmen neben den Standardprozessen auch die Brauerei-spezifischen Abläufe unter die Lupe. Außerdem bewerteten sie die Aufwände für die Feinkonzeption und für die Realisierung der dargestellten Organisation, der Stammdaten, der Prozesse und der Schnittstellen.

Aus der Würze wird Bier: Herausforderungen gemeistert

Rolf Dörendahl, Geschäftsführer

Rolf Dörendahl, Geschäftsführer

Doch es ging nicht nur darum, die DCW-Software abzulösen. Daneben mussten noch zwei Fremdsysteme an die SAP-Lösung angebunden werden. Zum einen wollte Krombacher an dem Fakturierungssystem Dogas festhalten. Es übergibt nun mittels einer Schnittstelle Buchungen, die auch für die Ergebnisrechnung relevant sind, an die Finanzbuchhaltung und die Materialwirtschaft von SAP. Zum anderen galt es – eine ganz besondere Herausforderung –, die SAP-Finanzbuchhaltung mit der externen Kundenfinanzierung von Branchware & Partner zu koppeln, in der Krombacher Tausende von Darlehen verwaltet. Jetzt werden die Sollstellungen von der Software nach SAP gebucht und Zahlungen aus SAP zurückgemeldet.

Controlling

Controlling

Den Schwerpunkt im Controlling bilden die Gemeinkostenrechnung, die Kostenträgerstück- und Kostenträgerzeitrechnung sowie die Ergebnis- und Marktsegmentrechnung. „Der Produktionsprozess ist mit dem Controlling in SAP R/3 wesentlich besser abgebildet als mit der alten Lösung. Wir können jetzt eleganter und schneller auf die Kennziffern der Produktion zugreifen“, erklärt Rolf Dörendahl, kaufmännischer Geschäftsführer bei Krombacher. Johannes Truttmann nennt einen weiteren Vorteil: „Wir haben nun die Möglichkeit, unsere Kunden-Stammdaten zu bereinigen.“

Das Jungbier muss reifen: Zweiphasige Produktivsetzung

IT-Landschaft Krombacher

IT-Landschaft Krombacher

Im September 2004 begann Siemens Business Services mit der eigentlichen Umstellung, zum 1. Mai 2005 ging die neue Lösung produktiv. Um Überraschungen auszuschließen, testeten die IT-Berater das System bereits zum Jahresbeginn auf Herz und Nieren. Im Vorfeld wurden beispielsweise Buchungskreise für das Rechnungswesen aktiviert. „Eine kleine Produktionsgesellschaft mit der Kernfunktion ‘Buchhaltung’ wurde quasi als Testobjekt vorgeschaltet, so dass wir eine Menge praktischer Erfahrungen sammeln konnten. Daraufhin war der Start mit dem Dickschiff ‘Brauerei’‚ überhaupt kein Problem mehr“, so Dörendahl.
Besonders freut den Geschäftsführer, dass der kalkulierte Projektzeitplan von neun Monaten und das Budget eingehalten wurden. Heute laufen die SAP-Anwendungen bei Krombacher auf vier Windows-NT-Servern, die über ein doppelt ausgelegtes Storage Area Network verbunden sind.

Neue Biersorten: Investitionen in die Zukunft

Die Brauer aus dem Siegerland sind mit den neuen Anwendungen in ihrer IT-Strategie einen wesentlichen Schritt vorangekommen. Ende 2005 hat Krombacher sogar die Umstellung von SAP R/3 auf mySAP ERP abgeschlossen. „Uns steht jetzt die gesamte Funktionalität der SAP-Branchenlösung mySAP Beverage zur Verfügung“, erläutert Johannes Truttmann die Maßnahme. Außerdem trägt sich die Privatbrauerei mit dem Gedanken, künftig auch im Vertrieb auf die SAP-Lösung zu setzen.

Gär- und Lagerkeller bei Krombacher

Gär- und Lagerkeller bei Krombacher

„Ich habe mit vielen Sachbearbeitern aus diversen Abteilungen im Hause gesprochen, und alle sind rundum begeistert von den Möglichkeiten der neuen Software, etwa von der erhöhten Transparenz der Daten. Selbst diejenigen, die sonst zu den Skeptikern zählen, haben sich sofort damit angefreundet“, resümiert Rolf Dörendahl. Mit einer modernen IT-Lösung im Rücken konzentriert sich Krombacher nun wieder auf seine eigentliche Kernkompetenz – das Bierbrauen. Und zwar mit vollem Elan: Noch im Jahr 2005 wurden etwa 70 Millionen Euro in die Marke investiert, 20 Millionen Euro flossen in den Bau einer neuen Abfüll- und Logistikhalle. Auch neue Biersorten stehen zur Diskussion.

Andrea  Stercken

Andrea Stercken

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