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SAP PartnerEdge: Spezialisten der Erneuerung

Feature | 28. April 2016 von Stephan Magura 0

Es vergeht kein Tag in unserer Branche, an dem nicht von der digitalen Transformation die Rede ist. In Zeiten, in denen eine Internet-Firma wie Airbnb zu einem der weltgrößten Zimmervermittler aufsteigt, ohne auch nur ein Hotel zu besitzen, können sich – wenn überhaupt – nur wenige Firmen dem Druck der Digitalisierung entziehen. Agilität bedeutet heute, Geschäftsmodelle zu flexibilisieren und wann immer möglich auf einer variablen Cloud-Infrastruktur aufzusetzen.

Wobei Firmen, die bereits über eine IT-Infrastruktur verfügen, nicht auf einen Schlag in die Cloud wechseln. Nach einer Umfrage unter IT-Entscheidern rechnet der Branchenbeobachter Gartner damit, dass etwa 90 Prozent aller größeren Unternehmen mit mindestens 1.000 Mitarbeitern bis 2017 eine hybride IT-Architektur einsetzen. Diese Unternehmen werden bestimmte Anwendungen – etwa aus Compliance-Gründen – weiterhin traditionell betreiben, und sich die Cloud für agile Anpassungen an neue Geschäftsanforderungen zunutze machen.

Nur: Wie kann man in diesen hybriden Strukturen erfolgreich sein, ohne seine zuverlässige IT-Basis ständig anpassen zu müssen? Dafür gibt es eine Antwort: Die „IT der zwei Geschwindigkeiten“, bei Gartner „bi-modale IT“ genannt, vereint solide Kernprozesse ohne permanenten Veränderungsdruck mit schnelldrehenden, innovativen Anwendungen für spezifische Anforderungen von Geschäftsbereichen, Branchen oder Einsatzgebieten wie dem „Internet der Dinge“ (Internet of Things, kurz IoT).

Im aktuellen Framework der SAP stellt die Suite SAP S/4HANA den stabilen digitalen Kern dar; die SAP HANA Cloud Platform (HCP) dient der weltweiten Entwicklergemeinde als Plattform, um bestehende Lösungen zu ergänzen beziehungsweise neue Applikationen zu bauen sowie zu betreiben. Dazu kann HCP mit einem gut gefüllten Baukasten an Tools und Services aufwarten – ganz im Sinne eines umfassenden PaaS-Angebots (platform as a service).

HCP kommt mit der App

Im Rahmen des Programms „SAP PartnerEdge for Application Development“ nutzen bereits zahlreiche unabhängige Softwareentwickler sowie langjährige Partnerunternehmen die HCP-Infrastruktur. Ob In Mind, NGA Human Resources oder Reveal, um nur drei Beispiele zu nennen: Sie bauen Cloud-Anwendungen für Kunden, die Effizienzgewinne und Produktivitätssteigerungen schnell realisieren wollen.

Seit Januar 2016 können diese Partner mit der SAP noch besser zusammenarbeiten. In einem erweiterten Vertragsmodell vermarktet der Partner seine Anwendung zusammen mit HCP als eigenständigen Cloud-Service; die Plattform muss also nicht mehr separat lizenziert werden. Erst wenn der Kunde die Partnerlösung nutzt und so auch die Services der SAP HANA Cloud Platform konsumiert, zahlt der Partner eine Umsatzbeteiligung an die SAP. Das hat Vorteile: Der Partner kann gegenüber dem Kunden als SaaS-Dienstleister (software as a service) auftreten, ohne vorab große Investitionen tätigen zu müssen. Der Kunde wiederum nutzt eine komplette Cloud-Lösung, ohne sich um die Plattform, auf der die Lösung betrieben wird, kümmern zu müssen.

„Wir teilen mit unseren Partnern das Risiko“, sagt Marc Geall, SVP für HCP Partner Innovation bei SAP. Mit dem neuen Modell werde die Preiskalkulation für den Partner einfacher, der seine Produkte gegenüber Kunden und potenziellen Interessenten nun besser darstellen könne. Dafür müsse der Partner vorab keinerlei Verpflichtungen eingehen. „Damit wird das SAP-PartnerEdge-Programm noch attraktiver“, meint Marc und betont, wie wichtig es sei, den Partnern mehr Möglichkeiten zur Kommerzialisierung ihrer Anwendungen zu bieten. Auf diese Weise will er die Zahl der auf HCP betreibbaren Apps dieses Jahr um etwa 150 auf insgesamt über 400 steigern.

Neue Anwendungen von alten Bekannten

Das Potenzial schätzt Geall noch wesentlich höher ein. Bis 2020, so merkt er an, erwarten die Analysten von IDC allein für IoT Tausende von Apps bei den Kunden. So könnten Unternehmen wie Siemens oder ABB ihr Spezialwissen zunehmend in Form von IT-Anwendungen vermarkten. Auch die großen Beratungshäuser müssten ihr Geschäftsmodell überdenken, meint Marc. Die Kunden wären nicht mehr bereit, tausende von Manntagen für Softwareeinführungen zu bezahlen. Diese Zeiten seien vorbei. Anstatt die gleichen Verfahren immer wieder neu zu implementieren, könnten die Consultingfirmen dazu übergehen, ihr Knowhow in wiederverwendbare Apps zu gießen. Und warum sollten diese Apps nicht auf der SAP HANA Cloud Platform entwickelt und betrieben werden?

Vor dieser neuen Konkurrenz ist Mexbalia nicht bange. Der SAP-Partner will sich auf mittelgroße und kleine Kunden konzentrieren. Das multikulturelle, 30-köpfige Start-Up mit Sitz im kalifornischen Santa Monica und Büro in Mexico City, hat sich auf Technologieberatung für SAP HANA spezialisiert und entwickelt in diesem Bereich Logistik- sowie Analyseanwendungen. Zum Portfolio gehört beispielsweise eine Lösung für das Mobile Asset Management zur Realtime-Verfolgung von Transporten. Sie ist im SAP HANA App Center erhältlich. Inzwischen baut Mexbalia auch Apps, um den CO²-Ausstoß zu überwachen und Social-Media-Kampagnen zu analysieren.

Mexbalia ist eine der ersten Firmen aus der SAP-PartnerEdge-Gemeinschaft gewesen, die die Erweiterung des Partnervertrags unterzeichnet haben, um HCP in die eigene Lösung einbetten zu können. „Unser Finanzchef hatte immer Probleme, unsere Angebote exakt zu kalkulieren“, sagt CEO Wulfrano Moreno. „Das fällt ihm mit dem neuen Konstrukt wesentlich leichter.“

HCP bedeutet: schnell verfügbarer Service sowie gute Qualität zu vertretbaren Kosten

HCP sei laut Moreno ein gutes und zuverlässiges Cloud-Produkt. „Ein mexikanischer Kunde setzt unsere Tracking-Anwendung ein, damit er seine Warentransporte in Echtzeit verfolgen kann, und zwar lückenlos. Nicht autorisierte Stopps werden sofort gemeldet; das sind entscheidende Informationen in einem Land, in dem Sicherheit ein wichtiger Faktor ist“, betont Moreno. Ohne die Cloud-Infrastruktur der HCP hätte Mexbalia die Lösung so nicht realisieren können. Dank der Plattform habe man den Aufwand in Grenzen halten können.

Schnell verfügbarer Service sowie gute Qualität zu vertretbaren Kosten ist letztlich die Kombination, die Kunden überzeugt. „Wenn ich meine Apps aus Kundensicht einschätzen will, versuche ich mich immer in die Rolle meiner Großmutter hinein zu versetzen, die eine Bäckerei mit mehreren Filialen betreibt“, sagt der SME-Experte und lacht. „Das kann ich gut. Schließlich sind alle Mexikaner geborene Unternehmer.“

Foto: Shutterstock

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