Informationstechnologie verbindet

Feature | 26. Juni 2009 von Tobias Essig 0

SAP Research-Projekt PatHS hilft Kranken in Afrika (Video: SAP TV)

Die Verbesserung der Gesundheitsversorgung in Schwellenländern wie Brasilien, Russland, Indien, China und Afrika ist eine der größten Aufgaben der Vereinten Nationen. Dort befassen sich drei von insgesamt acht Entwicklungszielen mit Gesundheitsthemen.

Medizinische Versorgung

SAP Research mit Projekt PatHS

SAP Research hat gemeinsam mit Partnern in Südafrika begonnen, Informationstechnologien (IT) für kleine Kliniken in ländlichen Gebieten anzubieten, welche oftmals der erste Anlaufpunkt für die dortigen Patienten sind. In einem Kooperationsprojekt unter dem Namen PatHS (Patient Health System), erarbeitet SAP Research – zusammen mit der WITS University’s School of Public Health in Südafrika unter der Leitung von Prof. Sharon Fonn, und Inathi Technologies – wie IT die Effizienz und Qualität der Gesundheitsversorgung in solchen Kliniken voranbringen könnte. Die Studie wurde von der Provinz Mpumalanga der Millionenstadt Durban und des Krüger Nationalparks durchgeführt und unterstützt.

SAP bietet schon seit vielen Jahren Spitzen-Technologie für das Gesundheitswesen an. Mit PatHS und der Verfolgung der UN-Ziele hat SAP bereits begonnen, den Fokus um das Gesundheitswesen in Schwellenländern zu erweitern. Die Hauptaufgabe von PatHS besteht in der Entwicklung patientengerechter und anwenderfreundlicher Software zur Verwaltung von chronischen Erkrankungen.

Einfacher medizinischer Stützpunkt in ländlicher Region von Südafrika

Herausforderungen in Südafrika

Die kleineren, ländlichen Kliniken verfügen nur über wenige Krankenschwestern, die für einfache Heilbehandlungen gerüstet sind. Ernste Fälle, beispielsweise bei einem Verdacht auf HIV, Bluthochdruck oder Tuberkulose, werden an Ärzte des nächsten Bezirkskrankenhauses weitergeleitet.

Auch hier werden die medizinischen Leistungen in einem Umfeld eingeschränkter Infrastruktur angeboten. Die täglichen Probleme bestehen durch das schwankende Energie- und Wasserangebot, eine hohe Mitarbeiterfluktuation, mangelnden Kenntnissen im Umgang mit Computern und Unstimmigkeiten bei der Überweisung an ein Bezirkskrankhaus.

„Wir wollen gewährleisten, dass wir das schwierige Umfeld, mit dem wir es hier zu tun haben, richtig verstehen und das richtige ‚Rezept’ einsetzen, um geeignete Lösungen zu entwickeln“ sagt Danie Smit, Projektleiter von PatHS bei SAP Research CEC Pretoria. Der erste wesentliche Schritt zur Verbesserung des Gesundheitswesens besteht dabei in einer grundlegend guten Qualität der Gesundheitsdaten.

Computergrundkurse an einer Klinik in Südafrika

Flexibler Zugang zu Datenmaterial dank SAP BusinessObjects

Das Projekt PatHS, welches vor zwei Jahren begann, evaluiert derzeit neue klinische Prozesse für Diabetes und Bluthochdruck. Daneben werden Softwarelösungen von SAP BusinessObjects implementiert, die den Anwendern im Gesundheitswesen einen verbesserten und flexibleren Zugang zu ihrem Datenmaterial erlauben. Hierbei werden unter anderem neue Benutzeroberflächen für Anwendungen in den ländlichen Kliniken eingeführt, die den Arbeitsalltag des Klinikpersonals erleichtern werden.
Der erste Schritt zur Implementierung neuer Systeme besteht im Angebot von Computergrundkursen für die Mitarbeiter vor Ort. In dieses Teilprojekt sind die Kliniken in Agincourt, Xanthia und Thokozani einbezogen. Diese bieten verschiedene Dienste für die umliegenden Gemeinschaften an. Dazu gehören die Bereiche Kinderheilkunde, Schwangerschaftsbetreuung und die Behandlung von HIV/Aids sowie anderer chronischer Erkrankungen. Die Mitarbeiter hier gehen ihrer Arbeit leidenschaftlich nach und zeigten sich sehr begeistert, als sie das erste Mal an einem Computer arbeiteten. Sie alle verfolgen dabei das gemeinsame Ziel, den Computer in ihrem täglichen Leben zu nutzen.

Der einwöchige Computergrundkurs wird von jungen SAP-Trainern veranstaltet und von den Mitarbeitern in den drei Kliniken sehr enthusiastisch aufgenommen. “Gerade unsere älteren Mitarbeiter verzichteten auf ihre Mittags- und Kaffeepausen, sie arbeiteten einfach den ganzen Tag am Computer“ sagt Mercy Sibiya, die leitende Schwester am Agincourt CHC über die Leidenschaft der Mitarbeiter.

Die Faszination, die den gesamten Lehrgang über anhielt, ist ein reger Beweis dafür, dass digitale Unterschiede in unserer Gemeinschaft existieren. Die Initiative zeigt aber auch, dass großen Unternehmen eine wichtige Rolle bei der Unterstützung unerschlossener Gemeinschaften zukommt – gerade im Bereich IT. Durch sie werden die Gemeinschaften dazu in die Lage versetzt, einen Einstieg in Technologien zu erhalten, bei denen sie zuvor ein eigenes Verständnis nicht für möglich hielten.

Ausblick

Um den praktischen Nutzen von Technologien für die Kliniken zu verbessern, werden demographische Details der Patienten durch lokale Client-Server-Architekturen erfasst. In diesem Zusammenhang werden beispielsweise die Fingerabdrücke der Patienten zu deren Identifikation und Verifikation für nachfolgende Besuche gespeichert. Die Forscher arbeiten an der Synchronisation der Klinik-Datenbanken über das bestehende Mobilfunknetz, welches über eine GPRS-Verbindung mit niedriger Datenrate erfolgt. Der Datenaustausch über das Mobilfunknetz ist gerade für Afrika mit seinen großen Landstrichen ein sehr praktikables Modell.

Software-Systeme sollen dann dazu in der Lage sein, so weit wie möglich auf der bestehenden Netzinfrastruktur zu funktionieren. Daneben werden hohe Bandbreiten die Datensynchronisation zwischen den Kliniken weiter verbessern.

Neben dem Ausbau der Software-Funktionalität hat SAP Research sich weitere Punkte zum Ziel gesetzt: Die sichere Verwahrung der Serverinfrastruktur, Datensicherung, Instandhaltung, Fernwartung, Change Management und eine ständige Ausbildung als Garantie für dauerhaften Erfolg.

Weitere Forschungsaktivitäten erstrecken sich auf die Gestaltung veränderter Möglichkeiten zur Dateneingabe und Benutzerführung, beispielsweise per Touchscreen. Daneben spielen alternative Geschäftsmodelle für Telemedizin in Schwellenländern und der Einsatz von Mobiltelefonen zur Bereitstellung weiterer Hilfsleistungen eine große Rolle. Bereits mehr als 80 Prozent der südafrikanischen Bevölkerung nutzt Mobiltelefone. SAP und seine Partner in verschiedenen Ländern in Afrika daran, hilfreiche Lösungen für ein gutes Gesundheitssystem voranzutreiben. „Es gibt noch eine Menge zu tun, aber unsere Bemühungen machen sich bereits im Leben vieler Menschen positiv bemerkbar“, erklärt Smit.

Millennium Entwicklungsziele

  1. Verhinderung extremer Armut und Hunger
  2. Gute Allgemeinbildung
  3. Gleichberechtigung der Frauen
  4. Reduzierung der Kindersterblichkeit
  5. Verbesserung der Schwangerenversorgung
  6. Kampf gegen HIV/AIDS
  7. Nachhaltiger Schutz der Umwelt
  8. Globale Partnerschaften

“Derzeit verringern zwei Epidemien in Entwicklungsländern die Lebensqualität und Lebenserwartung: AIDS und Erkrankungen des Lebensstils. Diese beiden Epidemien benötigen dringend Vorbeugung und Behandlungseingriffe zum abschwächen.”

Prof. Sharon Fonn
Head School of Public Health, WITS University

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