SAP-Rollout in China

11. Juni 2013 von Andreas Schaffry 0

Kuka

KUKA Roboter werden zum Beispiel in der Automobilindustrie für Schweißvorgänge bei der Karosserieherstellung eingesetzt. Foto: KUKA

Ob Karosserieherstellung, Lackierung und Endmontage von Autos, Kunststoffherstellung oder Metallverarbeitung: Aus diesen und vielen weiteren Einsatzbereichen sind moderne, PC-gesteuerte Industrieroboter, wie sie etwa die KUKA Roboter GmbH aus Augsburg herstellt, nicht mehr wegzudenken. Sie helfen bei der Automatisierung der Produktionsprozesse oder in der Logistik. KUKA Roboter vertreibt ihre Roboter weltweit. Das Unternehmen ist mit 25 Tochtergesellschaften in den wichtigsten Märkten Europas, Amerikas und Asiens vertreten. Dazu zählt auch ein Produktionsstandort im chinesischen Shanghai, wo aktuell rund 130 Mitarbeiter im Robotergeschäft tätig sind.

Dabei hat sich China für den Roboterhersteller zu einem Wachstumsmotor entwickelt, denn der Markt wächst jedes Jahr zweistellig. Zurzeit baut KUKA am Standort in Shanghai ein neues Werk mit einer Fläche von 20.000 Quadratmetern, in dem ab Ende 2013 die KR-QUANTEC-Roboterserie und KR-C4-Steuerungssysteme montiert werden sollen. Doch die Anteile im Markt für Industrieroboter sind umkämpft.

SAP ERP: Zentraler Mandant in Augsburg

Für den Roboterhersteller sind daher durchgängige und standardisierte Betriebsabläufe sowie ein reibungsloser Informations- und Datenaustausch zwischen den Gesellschaften strategische Faktoren, um wirtschaftlich langfristig erfolgreich zu sein. Zu diesem Zweck führt KUKA Roboter Standorte und Geschäftsprozesse im zentralen Mandanten des SAP-ERP-Systems in Augsburg zusammen. Die dort definierten IT-Prozesse werden über ein SAP-ERP-Template nach und nach in allen Produktionswerken etabliert. So auch in China.

Weiter auf Seite 2: Golden-Tax-Anforderungen erfüllen

Beim SAP-Rollout in China, den der IT-Dienstleister ORBIS Consulting Shanghai unterstützte, waren insbesondere bei der Rechnungslegung und der Bilanzierung bestimmte Vorschriften und Standards zu beachten. Das galt ebenso für den Datenaustausch mit den staatlichen Finanzbehörden, der in China über das „Golden-Tax-System“ erfolgt. Der Einsatz dieser Fiskalsoftware, die vom chinesischen Staat gestellt und kontrolliert wird, ist obligatorisch, um an chinesische Geschäftspartner Waren verkaufen zu dürfen und gezahlte Steuern zurückerstattet zu bekommen. Parallel zur zentralen Systemlandschaft müssen alle Ausgangsrechnungen entweder manuell oder auf einem separaten Golden-Tax-PC mit einer speziellen Software erfasst werden.

Eine direkte Datenübertragung zwischen SAP und der Fiskalsoftware ist aber nur schwierig zu realisieren. Daher nutzt KUKA in Shanghai das ORBIS Golden Tax Interface (GTI) als bidirektionale Schnittstelle, was die Erstellung Golden-Tax-konformer Rechnungen in der Fiskallösung vereinfacht. Die dazu nötigen Daten aus dem SAP-System werden vom GTI in ein für das Golden-Tax-System lesefähiges im Text- oder Excel-Datenformat umgewandelt und die Dateien in die Fiskalsoftware übertragen. Im Gegenzug können Golden-Tax-Daten in das SAP-kompatible Text- oder Excel Format umgeformt und in die ERP-Lösung eingespielt werden.

Golden-Tax-Anforderungen erfüllen

Im Rahmen der Finanzabschlüsse muss KUKA den chinesischen Finanzbehörden auch bestimmte Berichte vorlegen, da diese sonst die Buchführung nicht abnehmen. Dazu zählen unter anderem die Bilanzaufstellung, die Gewinn- und Verlustrechnung oder der Cashflow-Report. Für die Berichterstellung nutzt die China-Tochter das SAP-basierte ORBIS FI-Reporting-Package, das die Reports bereits vorkonfiguriert bereitstellt. Durch den SAP-Rollout führt die chinesische KUKA-Tochter ihre Finanzzahlen jetzt ausschließlich in der ERP-Lösung führt. Die Geschäftsführung vor Ort erhält somit alle wichtigen Kennzahlen auf einen Blick und kann die geschäftliche Entwicklung gezielter steuern. Das zentrale Controlling in Augsburg hat gleichfalls Zugriff auf die Finanzdaten, kann diese konsolidieren und Abschlüsse einfacher und schneller erstellen. Davon profitiert das Management in der Zentrale, denn es erhält zeitnah Einblicke in die wirtschaftliche Entwicklung der chinesischen Gesellschaft.

Weiter auf Seite 3: Effizientere Logistikprozesse

Durch den SAP-Rollout laufen in der chinesischen KUKA-Tochter auch Logistikprozesse effizienter. Der Einkauf von Materialien wie auch deren Bereitstellung für die Produktion ist somit am tatsächlichen Bedarf orientiert. Die Abläufe von der Bedarfsplanung über die Beschaffung beim Lieferanten bis hin zur Auslieferung an die Kunden lassen sich exakter steuern.

SAP-Rollout: Auftrags-, Bestell- und Materialinformationen austauschen

Über SAP ERP werden zudem Auftrags-, Bestell- und Materialinformationen IT-gestützt zwischen der China und der deutschen Zentrale ausgetauscht. Das reduziert Prozesskosten entlang der Wertschöpfungskette, da die zeitaufwendige Datenübertragung per Fax oder E-Mail und die damit verbundene Doppelerfassung von Aufträgen, zuerst in China und dann noch einmal in der Zentrale, entfallen.

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