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SAP S/4HANA: Der Einfluss auf die Logistik

Feature | 13. Januar 2016 von Andreas Schmitz 0

Mit dem ersten großen SAP S/4HANA-Release sind die Prozesse der Logistik nun im Kern des Produktes integriert. Vorteile und Beispiele aus der Praxis.

Was der Markt einfordert

Geschwindigkeit, Individualität und Innovationen: Das sind drei der wichtigsten Anforderungen, denen sich Unternehmen stellen müssen. Logistische Prozesse müssen Produkte nach den individuellen Anforderungen des Kunden schnell produzieren und liefern können. Das erfordert, jederzeit über den Stand der Fertigung Bescheid zu wissen und auf Schwankungen sofort reagieren zu können.

Welche Logistik-relevanten Funktionen im Kern von SAP S/4HANA enthalten sind

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Die Grafik zeigt die funktionalen Bereiche der Logistik, die im digitalen Kern von SAP S/4HANA enthalten sind.

Seit dem Launch des großen SAP S/4HANA-Releases sind die logistischen Funktionen im Kern der Software abgebildet. Sie ergänzen die Finanzprozesse, die schon im ersten SAP S/4HANA-Release enthalten waren. Finanzen und Logistik zusammen gesehen machen mehr als zwei Drittel der Prozesse im Unternehmen aus. Umso wichtiger ist es, dass diese beiden Bereiche ineinandergreifen. Kosten für Artikel, die für die Fertigung eines Produktes eingetroffen sind, werden automatisch im Finanzsystem verbucht und wirken sich adhoc auf die Bilanz des Unternehmens aus. Zudem lassen sich diese Veränderungen in Echtzeit anzeigen. Das logistische Kernmodul ist SAP S/4HANA Supply Chain. Die Produktionsplanung sowie die Bestandsführung und das Warehouse-Management gehören dazu. Zudem lassen sich die Produktions- und Feinplanung (PP/DS) als „Co-Deployment“ und die Verfügbarkeitsprüfung (Advanced Available to Promise) – komplett neu programmiert als Zusatzoptionen mit nutzen. Die Kundenauftragsanlage erfolgt durch das Modul SAP S/4HANA Sales. Darüber hinaus sind die Beschaffungsprozesse über das Modul SAP S/4HANA Sourcing and Procurement direkt im digitalen Kern integriert. „Große Vereinfachungen sind besonders im Bestandsmanagement, in der Bedarfsplanung, in der Kapazitätsplanung, im Verkauf sowie im Einkauf zu erwarten“, erläutert Peter Bickenbach, SCM-Experte bei SAP.

Welche Vorteile SAP S/4HANA Supply Chain bietet

Die Vorteile sind vergleichbar zu jenen im Finanzwesen: Da das Datenmodell neu ist, das für SAP S/4HANA genutzt wird, fallen Aggregate und Indizes weg und der Speicherplatz wird gegenüber traditioneller Datenbanken stark reduziert. Erfahrungen zeigen, dass Daten, die in einer traditionellen Datenbank einen Speicherplatz von 593 Gigabyte belegen, beim Einsatz von SAP S/4HANA auf weniger als ein Zehntel (42,4 Gigabyte) komprimierbar sind. Besonderer Vorteil für die Logistik-Prozesse: Mit SAP S/4HANA sind „Parallelbuchungen“ möglich. In herkömmlichen Systemen hingegen werden neue Buchungen erst dann durchgeführt, wenn die vorhergehende Buchung abgeschlossen ist. Für diesen kurzen Zeitraum ist das System gesperrt.

Für die Praxis wirkt sich die neue Software so aus, dass ein vergleichbarer Durchsatz bei verringertem Speicherbedarf und mit kürzeren Laufzeiten möglich ist. Zudem bietet das System zu jedem Zeitpunkt mehr Transparenz in Hinsicht auf die Istkosten.

Welche Beispiele in der Praxis nun realisierbar sind

  • Pulkbuchungen: Verlassen LKWs die Verteilzentren eines Unternehmens, verbucht das System sämtliche Fertigwaren automatisch im ERP. Gleiches geschieht, wenn Waren als Retoure zurückkommen. Mit dem Einsatz von SAP S/4HANA sind Parallel- oder Pulkbuchungen möglich – unabhängig davon, wie viele LKWs gleichzeitig die Verladestation verlassen oder anfahren. Die Verbuchungen sind ohne Sperren im System möglich, die zu Verzögerungen im Ablauf führen würden.
  • Automatisierung: Manche Unternehmen setzen Lieferwagen im direkten Kundengeschäft ein. Die Ware, die Kunden kaufen, erfassen die Verkäufer über ein mobiles Gerät. Sobald dieser Lieferwagen wieder das Verteilzentrum erreicht, synchronisiert sich das Gerät mit dem ERP. Das System registriert, wie viel Ware fehlt, verbucht die Warenausgänge, veranlasst die Rechnungen an die Kunden und übernimmt die Planung für die nächsten Touren dieses Transporters simultan, ohne Sperren zu erzeugen.
  • MRP-Cockpit: Die Materialbedarfsplanung (engl. Material Requirements Planning, MRP) ist ein Balanceakt für die Disponenten, die dafür verantwortlich sind, dass immer genug Teile verfügbar sind, das Lager gleichzeitig aber nicht unnötig befüllt ist. Das „MRP-Cockpit“ enthält persönliche Key-Performance-Indikatoren, zeigt etwa verspätete Bestellungen an und ermöglicht, über eine Simulation herauszufinden, wie prekär die Situation ist und macht proaktiv Vorschläge, wie diese gelöst werden kann. Ein weiterer Vorteil der neuen Software liegt darin, dass sie die Situation über ein Diagramm grafisch darstellt (SAP Fiori). Die Einbindung der Logistikprozesse in SAP S/4HANA beschleunigt die Prozesse um das bis zu zehnfache, zudem ist nur ein Fünftel der vorherigen Datenmenge nötig.
  • Lagerbestand reduzieren: Ein wichtiges Ziel der Disponenten liegt darin, den Lagerbestand so gering wie möglich zu halten. Im Rahmen einer so genannten ABC/XYZ-Analyse zur Klassifizierung von Lagerbeständen bekommen sie mit SAP S/4HANA Transparenz darüber, welche Artikel das Lager innerhalb kurzer Zeit wieder verlassen und welche vielleicht nur noch selten benötigt werden, also lediglich die Lagerkosten hoch treiben. Dieses Gleichgewicht zwischen neu eintreffenden Waren und jenen, die das Lager verlassen, zu halten, ist auf dem Bildschirm exakt zu sehen. Sven Denecken vom Co-Innovation-Team SAP S/4HANA erläutert den Umgang mit der Echtzeit-Bestandsführung auf Basis von SAP S/4HANA im Video:

Welchen geschäftlichen Nutzen die Lösung für die Logistik verspricht

Cockpit für Disponenten: Die Benutzeroberfläche ist intuitiv und individualisierbar. Disponenten bekommen je nach ihrer Rolle und ihren Bedürfnissen entsprechende Charts auf ihrem Cockpit angezeigt. Das reduziert ihren Aufwand, letztlich zu den Zahlen in Echtzeit zu gelangen, die sie interessieren.

Entscheidungsunterstützung: Algorithmen unterstützen Nutzer darin, Entscheidungen zu treffen. Verzögern sich Lieferungen, macht das System Vorschläge, wie dieser bevorstehende Engpass überbrückbar wird. Zusätzlich helfen Simulationen, die anzeigen, wie sich die Situation etwa im Lager in den kommenden Tagen und Wochen entwickeln wird.

Verbesserter Kundenservice: Fragen Kunden nach Produkten und Lieferzeiten, haben die Mitarbeiter aus dem Service eine exakte Sicht auf die Produktionsdaten. Sie wissen genau, wann wie viele neu gefertigte Produkte lieferbar sind. Das versetzt sie in die Lage, Interessenten diese Termine präziser als zuvor mitzuteilen.

Alarmmeldungen: Stockt der Materialfluss und kommt es zu Engpässen in der Materialbedarfsplanung, meldet das System entsprechende Situationen schon vorab und schickt Meldungen an die Verantwortlichen. Das beschleunigt die Reaktionszeit und hilft, störungsfreie Abläufe zu ermöglichen.

Unterstützung für Geschäftsentscheidungen: Das stark vereinfachte Datenmodell auf Basis von SAP S/4HANA macht doppelte Datenhaltung (und damit 24 Aggregat- und Historientabellen) überflüssig und reduziert die nötige Speicherkapazität stark. Ob Materialbedarfsstände, aktuelle Verkaufszahlen oder Jahresanalysen: Die Berechnungen sind immer sekündlich aktuell. Das versetzt die Geschäftsführung in die Lage, schneller als zuvor auf Nachfrageschwankungen oder neue Impulse durch Kunden zu reagieren.

Die Antworten entstanden in Zusammenarbeit mit Peter Bickenbach, Leiter des Centers of Excellence für SCM von SAP in Deutschland.

Weitere Informationen:

– Erfahren Sie im Webseminar mehr Details vom SCM-Experten Peter Bickenbach und dem Business-Strategen Arne Neumann von SAP. Hier geht es zur Aufzeichnung und zur Präsentation.

FAQ zum Thema SAP S/4HANA

– Der SAP-Infotag Lager- und Transportmanagement findet am 11. Oktober 2016 statt. Hier finden Sie Vorträge und Videos der Veranstaltung aus 2015.

Foto: Shutterstock

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1 comment

  1. Andreas Essl

    Zitat in diesem Artikel: “Logistische Prozesse müssen Produkte nach den individuellen Anforderungen des Kunden schnell produzieren .. können”

    Sehr interessant, bei SAP produzieren jetzt die Logistik Prozesse!
    Ist das der Lösungsweg die bisher noch immer mangelnde Integration von KAP (Kundenauftragsprozess) und PEP (Produktentstehungsprozess) Variantenmanagement Variantenauflösung, Terminierung, dem Primat des Materials (MRP) zu begegnen.

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