Soccer team in a huddle

SAP S/4HANA: Einschätzung von PAC

14. September 2015 von Andreas Schmitz 0

Hasso Plattner hat mit SAP HANA die Spielregeln im Umgang mit Datenbanken geändert. Auch der Einsatz der neuen Business Suite SAP S/4HANA erfordert ein Umdenken in den Unternehmen, meint Rüdiger Spies, Patentanwalt und Analyst bei PAC.

Herr Spies, SAP hat mit SAP S/4HANA eine Software geschaffen, die als eine der ersten für die digitale Transformation gerüstet ist. Wie groß ist der Wettbewerbsvorsprung?

Schon seit einiger Zeit ringt die IT mit einer neuen Architektur. Bei SAP hat SAP R/3 ja recht lange gut funktioniert, allerdings immer auf Basis relationaler Datenbanken der Konkurrenz, von Informix, Oracle, Microsoft und IBM. Gerade im Applikationsumfeld, speziell in Sachen Business Intelligence, wurde IBM immer stärker. Der große Wurf von Hasso Plattner genau in dieser Phase war SAP HANA, denn erstmals wurde SAP durch seine eigene noch dazu „In-Memory“-basierte Datenbank unabhängig von relationalen Datenbanken. Der erste Versuch mit der von der Software AG entwickelten ADABAS D hatte der Markt ja als Max DB oder SAP DB nie wirklich akzeptiert. Auch einige Ansätze von SAP und Wettbewerbern, mit spaltenbasierten Datenbanken zu arbeiten, wurden nie erfolgreich. Bei SAP HANA ist das anders.

Mit SAP S/4HANA hat die SAP ein Produkt auf den Markt gebracht, das auf der SAP HANA-Plattform fußt. Ist es der richtige Zeitpunkt mit SAP S/4HANA auf den Markt zu kommen?

Vor fünf Jahren wäre es definitiv zu früh gewesen. Doch die Lizenzpolitik etwa des Hauptwettbewerbers war ziemlich verfehlt, so dass sich die Gelegenheit bot, just in diesem Moment die Innovation zu launchen. Zudem gab es die kritische Masse von SAP als Marktführer. So gesehen war das Timing gut gewählt.

Die Vorteile von SAP S/4HANA: Keine Redundanzen mehr, Backend entschlackt, Einfachheit

Was sind denn die entscheidenden Vorteile von SAP S/4HANA?

Die neue Business Suite auf Basis von SAP HANA bietet drei enorme Vorteile. (1.) Es gibt keine Redundanzen mehr, wie doppelte Tabellen und Metatabellen. Sie sind nicht mehr erforderlich, da alles „in memory“ gehalten wird, also im Arbeitsspeicher. (2.) Am Backend hat sich SAP massiv entschlackt. (3.) Zudem wird die Entwicklung, der Betrieb und das Backup einfacher. In der Folge bedeutet das nicht nur mehr Tempo in den Prozessen, sondern völlig neue Entscheidungsmöglichkeiten. Wenn eine Simulation in der Fertigungsplanung nicht mehr einen halben Tag, sondern nur noch wenige Minuten dauert, ist es möglich, die Logistik innerhalb von Minuten umzuplanen und nicht nur einmal am Tag. Ein Unternehmen ist nicht nur in der Lage, während der Bestellung die individuelle Bepreisung für einen Kunden zu machen, es kann sogar die Kaufhistorie in diesem Moment mit einbeziehen und so Vergünstigungen in das Angebot einfließen lassen. Das bekommt derzeit keiner der Wettbewerber hin.

Um die SAP-Anwender von diesem Paradigmenwechsel zu überzeugen, braucht es Zeit. Wie weit sind die Kunden?

Auf SAP S/4HANA und damit SAP HANA als Plattform zu setzen, erfordert eine neue IT-Architektur, die an den Geschäftszielen des Unternehmens orientiert sein muss. Allerdings ist eine Umstellung auch immer in Zusammenhang mit den Innovationszyklen eines Unternehmens zu sehen. Denn es gibt laufende Verträge mit Dienstleistern und Wettbewerbern von SAP, die neu verhandelt werden müssten. Zudem muss Handlungsdruck da sein: Nur wer sich mit der bestehenden Architektur unwohl fühlt, wird etwas verändern wollen. Zumal es nötig sein wird, Wissen für die neue Technologie im Unternehmen erst einmal aufzubauen. Vor dem Hintergrund gehe ich davon aus, dass immerhin jeder fünfte SAP-Kunde potenziell sofort eine Umstellung hin zur modernsten Business Suite SAP S/4HANA machen könnte.

Digitale Transformation: „ … es ist wie mit der Cloud im zweiten Jahr ihres Bestehens“

Letztlich treibt SAP S/4HANA mit SAP HANA als Plattform die digitale Transformation in den Unternehmen voran. Haben die Unternehmen eine entsprechende Strategie?

In den Konzernen ist das Thema digitale Transformation inzwischen weitgehend gesetzt, im Mittelstand allerdings bislang erst ganz bedingt angekommen. Natürlich gibt es Beispiele, die zeigen, dass es gelingen kann. Da gibt es etwa den Joghurt, der von der Kuh bis in den Kühlschrank digital verfolgbar ist oder Kfz-Versicherungen, die ihre Prämien an der Fahrweise des Fahrers ausrichten. Doch sind das eher Ausnahmen. Es ist wie mit der Cloud im zweiten Jahr ihres Bestehens. Das dauert noch. Heute ist vielen noch gar nicht klar, welche gravierenden Einschnitte die digitale Transformation für die Wirtschaft bedeutet. Verwaltungen werden entschlackt, viele Dienste nicht mehr nötig sein, Banken schließen ihre Filialen, weil ihnen das Online-Geschäft die Umsätze abgräbt und die Schadensabwicklung bedient sich der Vernetzung durch das Internet der Dinge. Wenn erst die kognitive Software als nächste große Welle einsetzt, wird sich dieser Trend noch fortsetzen. Die größte Herausforderung kommt auf die Personalabteilungen zu, die ihren Mitarbeitern die Arbeitsplätze möglichst erhalten und ihnen attraktive Jobs anbieten wollen. Doch schon der Weg zu SAP HANA hat gezeigt: Der größte Hemmschuh für den Durchbruch liegt darin, dass sich durch die Software radikal viel verändert und Menschen in die Veränderungen mitgenommen werden müssen.

Kompakte Informationen zum Thema SAP S/4HANA finden Sie in unserer Serie.

Der Head of Platform Solutions Group Rolf Schumann erläuterte SAP S/4HANA auf der Cebit 2015. Zum Video.

Weitere Informationen bekommen Sie auch über unsere kostenlose Webseminarreihe und auf unserer Informationsseite.

Sie können SAP S/4HANA zudem kostenfrei testen.

Tags: , ,

Leave a Reply