SAP HANA in der Finanzwelt

5. Juni 2012 von Gabi Visintin 0

Reply Deutschland, einer der SAP Special Expertise Partner Banking, kennt aus der täglichen Beratungsarbeit die wachsenden Anforderungen in der Finanzwelt an das Reporting und Risikomanagement. Die Reply-Berater Dr. Thomas Zachrau und Christian Hadders geben einen Ein- und Ausblick.

SAP.info: Banken gelten bei neuen Technologien nicht gerade als Pioniere. Die In-Memory-Technologie SAP HANA ist jedoch absolutes Neuland – ist sie überhaupt (schon) von Interesse für Finanzinstitute?

Thomas Zachrau: Selbstverständlich! In der Finanzwelt fallen Millionen von Kunden- und Transaktionsdaten an. Wer diese in Bruchteilen von Sekunden auswerten kann, schafft sich klare Wettbewerbsvorteile. Genau hier kommt die In-Memory-Technologie von SAP ins Spiel. Mit SAP HANA lassen sich nicht nur bestehende Anwendungsfälle zum Reporting und Risikomanagement beschleunigen; es werden gleichzeitig neue Prozesse machbar, an deren Realisierung zuvor nicht gedacht werden konnte. Das spart Geld und schafft Raum für mehr Geschäft. Wir befinden uns deshalb in vielen Gesprächen mit den Verantwortlichen, identifizieren belastbare Business Cases und machen den Proof of Concept – also den Machbarkeitsnachweis.

SAP.info: Um welche Szenarien geht es dabei?

Christian Hadders: Im Grunde alle Anwendungen mit riesigen Datenvolumina, die schnell ausgewertet sein müssen. Denken Sie nur an Berechnungen zum Liquiditätsrisiko, zum Forderungsverkauf oder zur Kapital- und Liquiditätsausstattung, wie sie Basel III verlangt. Millionen von Datensätzen müssen hierzu durchpflügt werden, um die geforderten Kennzahlen zu erhalten. Und da haben wir noch nicht von einer vollständigen 360-Grad-Sicht auf Kundenprozesse oder die Einbindung von Aspekten zeitabhängiger Stammdaten gesprochen An die wagten sich Banken bislang aus Performance-Gründen nur zögerlich heran. Ein wichtiger Aspekt ist dabei stets, wie SAP HANA sich in die existierende Business-Intelligence- beziehungsweise Business-Warehouse-Landschaft einbinden lässt.

SAP.info: Gibt es eine ideale Lösungsarchitektur?

Thomas Zachrau: Auf dem Papier vielleicht. In der Realität hat jedes Infrastrukturszenario seine Berechtigung – gleich ob man SAP HANA als Unterbau des vorhandenen SAP NetWeaver Business Warehouse nutzt oder Side-by-Side für neue Aufgaben in Koexistenz zum traditionellen SAP NetWeaver BW. Entscheidend ist die jeweilige Kundensituation. Die technischen Aspekte spielen dabei eine eher untergeordnete Rolle. Weitaus schwerwiegender ist die Frage, inwieweit die Business-Intelligence-Organisation sowie die Prozesse eines Unternehmens angepasst werden müssen.

SAP.info: Die Organisations- und Prozessfrage galt doch schon immer als Königsdisziplin für den erfolgsversprechenden Data Warehouse-Einsatz…

Christian Hadders: Geschwindigkeit allein löst keine Probleme! Auch in Zeiten von Big Data und In-Memory gilt es, Wirtschaftlichkeit, Qualität und Compliance sicherzustellen. Mehr denn je gefragt ist deshalb ein Business Intelligence Competency Center – BICC – als eigenständige strategische Organisationsstruktur zur Koordination aller Business-Itelligence-Aktivitäten. Und im Betrieb müssen die zentralen Application Management Services – AMS – überarbeitet werden, um Kosten und Stabilität im Griff zu behalten.

Christian Hadders, Berater bei Reply Deutschland

Dr. Thomas Zachrau, Berater bei Reply Deutschland

SAP.info: Welchen Einfluss übt SAP HANA konkret aus?

Thomas Zachrau: An den grundlegenden Prozessen des BICC ändert sich wenig. Die methodischen, konzeptionellen und fachlichen Stoßrichtungen sind jedoch zum Teil kräftig nachzujustieren. Viele Dinge greifen hier Hand in Hand und müssen für jedes Unternehmen individuell entschieden werden. Äußerst spannend ist beispielsweise die Antwort auf die Frage nach dem Datenmodell. Wenn mir die In-Memory-Technik von SAP HANA erlaubt, alle Daten im Hauptspeicher vorzuhalten, drängt sich zwangsläufig die Frage auf, ob in der Datenbereitstellung überhaupt noch die aufwändig zu erstellenden InfoCubes benötigt werden. Eine verschlankte Modellierung und die deutlich schnellere Realisierung neuer Reports sind ein starkes Argument, die Projektmethoden in Richtung agiler Verfahren anzupassen. Gleichzeitig sind zusätzliche Kenntnisse zu Geschäftsprozessen und Analytics gefordert: Zum einen um geeignete Business Cases mit Realtime-Anforderungen aufzuspüren; zum anderen um mit tiefgründigen statistischen Prognosen und Analysen fachliche Prozesse zu veredeln.

Die möglichen Vereinfachungen im Datenmodell erleichtern natürlich auch die Arbeit der AMS-Instanz im Unternehmen. Performance-Probleme sind weitaus seltener. Überhaupt spürt man die Auswirkungen von Modellierungsfehlern weniger. In Anbetracht der Realtime-Anforderungen verteilen sich die Ladeprozesse über den ganzen Tag. Das Management der Zeitfenster für die Ladevorgänge und das Reporting verlangen folglich mehr Aufmerksamkeit. Da es insgesamt  weniger Schichten gibt, entfällt eine Reihe von Transport- und Transformationsschritten. Die einzelnen Schritte der Ladeprozesse und die Analyse selbst werden jedoch komplexer. Auch sollte sich niemand verleiten lassen, aus Bequemlichkeit über die Zeit zum Daten-Messi zu werden. Die Durchführung von Housekeeping und Daten-LifeCycle Management darf nicht vernachlässigt werden. Neben einer höheren Datenqualität hat dies im Übrigen unmittelbar Auswirkungen auf die Gesamtkosten, da sich das Lizenzmodell für SAP HANA an der Speichergröße orientiert.

SAP.info: Wann rechnen Sie mit ersten belastbaren Ergebnissen aus dem produktiven Einsatz?

Christian Hadders: Ende des Jahres werden wir erste Resultate vorlegen können.  Unsere Proof of Concept-Projekte lassen schon jetzt erkennen, dass die Ergebnisse beeindrucken!

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