Mobilität auf Chinesisch

2. August 2012 von Helen Tian und Perry Manross 0

Xiaoqun Clever, Präsidentin der SAP Labs China (Foto: SAP)

1972 gründeten fünf ehemalige IBM-Ingenieure in Deutschland das Softwareunternehmen SAP. Ungefähr zum selben Zeitpunkt entstand in China die moderne Volkswirtschaft – mit einem Bruttoinlandsprodukt von 259 Milliarden US-Dollar. 40 Jahre später ist die SAP der weltweit größte Anbieter von Unternehmenssoftware und das Unternehmen mit dem höchsten Börsenwert in Deutschland. China hat inzwischen ein Bruttoinlandsprodukt von 7,2 Billiarden US-Dollar und ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Ein enormes Wachstum – mit vielen Parallelen.

Wissensbasierte und serviceorientierte Branchen im Mittelpunkt

Mit diesem Rückblick begann Rob Enslin, President von Global Customer Operations und Mitglied des SAP Managing Board, seine Rede am zweiten Tag der China-SAPPHIRE in Peking. Die Vision der Gründerväter der SAP habe sich in den letzten 40 Jahren enorm weiterentwickelt, fuhr Enslin fort. Dabei habe die SAP ihr Angebot über die reinen Anwendungen hinaus mit Cloud-Lösungen, Datenbanken und Technologie, Analytiksoftware und mobilen Lösungen erweitert. Deshalb sei sie jetzt für deutlich mehr Menschen ein wichtiger Anbieter.

Während die Entwicklung von SAP und China in der Vergangenheit parallel verlaufen sei, sei ihr Wachstum in jüngster Zeit stärker miteinander verflochten, so Enslin. China habe bei seinem Wachstum den Schwerpunkt von Quantität auf Qualität verlegt. Neue wissensbasierte und serviceorientierte Branchen seien jetzt an der Tagesordnung und sollten künftig mehr zum Bruttoinlandsprodukt des Landes beitragen. Für Chinas Streben nach einem nachhaltigeren Wachstum seien die Lösungen der SAP perfekt geeignet.

Lesen Sie auf den nächsten Seiten:

Wie mit dem digitalen Wandel umgehen?

Wie Sybase und Cyclo das Chinageschäft unterstützen

Die Partnerschaft mit Huawei

Wie Risikokapital Hightech unterstützt

Rob Enslin, Präsident der Global Customer Operations und SAP Vorstandsmitgllied (Foto: SAP)

Insbesondere der digitale Wandel, der sich in China und der restlichen Welt vollziehe, sei beeindruckend, so Enslin. Milliarden Geräte erzeugten fast unvorstellbare Datenmengen. Gespräche mit Unternehmenschefs am Vortag hätten ihm bestätigt: Unternehmen suchten nach Wegen, um diese Daten für fundierte Entscheidungen zu nutzen und daraus Wettbewerbsvorteile abzuleiten. „Wie werden Sie mit diesem digitalen Wandel umgehen?“, fragte Enslin das Publikum. „Wer hier das Richtige tut, eröffnet sich enorme Chancen.“

Begrenzte Ressourcen für Unternehmen

Gleichzeitig seien die begrenzten Ressourcen für Unternehmen weltweit ein schwieriges Thema. Wie schon die Redner am Vortag vertrat auch Enslin die Ansicht, dass Technologie für Unternehmen eine zunehmend wichtige Rolle spielen werde, diese Ressourcen bestmöglich zu nutzen. Damit schaffe man die Voraussetzungen für ein nachhaltigeres Wachstum und profitablere Abläufe. Angewandt auf die Herausforderungen, die große Datenvolumina und Ressourcenknappheit mit sich brächten, verhälfen die Lösungen der fünf SAP-Marktkategorien Kunden nicht nur zu besseren Abläufen. Auch im Wettbewerb könnten sie damit besser bestehen – sowohl im eigenen Land als auch international. Das Konzept der Unternehmensanwendungen müsse deshalb kontinuierlich weiterentwickelt werden, so Enslin, und dabei den Aspekt der Anwenderfreundlichkeit und die Verzahnung mit den anderen Technologiebereichen der SAP berücksichtigen.

Analytik, insbesondere die neuen Prognosefunktionen der SAP, werde Unternehmen helfen, Entwicklungen vorherzusehen und entsprechend zu handeln – anstatt sie nur festzustellen und darauf zu reagieren. Mit den neuen Visualisierungsmöglichkeiten von Produkten wie SAP Visual Intelligence könnten Anwender auf Datenquellen zugreifen und diese interaktiv analysieren und mit anderen austauschen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie Sybase und Cyclo das Chinageschäft unterstützen.

Foto: SAP

Das starke Engagement der SAP im Markt für mobile Unternehmenslösungen habe insbesondere China, dem größten Mobilmarkt der Welt, viel zu bieten. So könnten Unternehmen beispielsweise mit Sybase Afaria die wachsende Anzahl an mobilen Endgeräten verwalten, die Mitarbeiter bei ihrer Arbeit einsetzten. Zudem habe sich mit der Sybase Unwired Platform und der kürzlichen Akquisition von Cyclo das Angebot der SAP an mobilen Apps und Lösungen deutlich vergrößert. Enslin nutzte seinen Vortrag auch, um eine engere Partnerschaft zwischen SAP und China Telecom bekannt zu geben. Ziel der Zusammenarbeit sei es, Plattformen für die Entwicklung mobiler Anwendungen und die Verwaltung von mobilen Endgeräten voranzubringen und bei cloudbasierten Produkten und Services für Unternehmen stärker zu kooperieren.

Big Data: Große Hoffnung liegt auf HANA

Ein Videoauftritt von führenden Vertretern von China Foods zeigte, wie Kunden in China mit den leistungsstarken Datenbank- und Technologieangeboten der SAP echten Mehrwert erzielen. Zusammen mit Sybase ASE und Sybase IQ könnte sich SAP HANA zum Mittel der Wahl für China im Bereich Big Data entwickeln, so Enslin. „Wenn man spät startet, heißt das noch lange nicht, dass man als letzter ins Ziel kommt“, schloss Enslin seinen Vortrag. Die komprimierte Innovation der vergangenen Jahren könne für die Kunden auch zum Vorteil sein: Sie könnten dadurch einzelne Technologieepochen überspringen und den Wettbewerb überholen. Im Hinblick auf die SAP sagte Enslin: „Wie viele von Ihnen hier stehen wir erst am Anfang.“

Für China seien Erfindungen nichts Neues, sagte Xiaoqun Clever. Papier und Schießpulver seien nur zwei der zahlreichen Innovationen, die man mit dem Land in Verbindung bringe, so die Präsidentin der SAP Labs China. Im 21. Jahrhundert nähmen diese Innovationen wieder vermehrt zu. China sei das erste Land, das bei Mobilfunkkunden die Milliardengrenze überschreiten werde, und habe die größte „Internetgesellschaft“ – mit 538 Millionen Internetnutzern, 388 Millionen mobilen Internetnutzern und 180 Millionen Bloggern.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, was es mit der Partnerschaft mit Huawei auf sich hat.

„Bei Innovation geht es darum, genau zu verstehen, was Kunden wünschen“, sagte Xiaoqun. „Wir wissen, dass wir China, seine Menschen und seine Kultur verstehen müssen.“ SAP habe ein starkes Fundament an jungen, äußerst talentierten chinesischen Fachleuten geschaffen, um dieses Verständnis aufzubauen und Lösungen zu entwickeln, die den chinesischen Kunden gefallen. Die SAP könne den chinesischen Unternehmen aber nicht nur helfen, auf ihrem Markt erfolgreich zu sein. Die jahrzehntelange globale Erfahrung der SAP prädestiniere sie besonders dafür, Unternehmen mit internationalen Expansionsplänen zu unterstützen. Dies treffe auf viele chinesische Kunden zu.

Partnerschaften mit lokalen Unternehmen forcieren

Um jedoch die Tausenden von Kunden und Millionen Anwender in China zu erreichen, die von SAP-Lösungen profitieren könnten, müsse die SAP verstärkt Partnerschaften mit lokalen Unternehmen anstreben. So hätten die Kunden durch die am Vortag bekannt gegebene Partnerschaft mit Huawei künftig ein größeres Angebot an lokalen Technologieanbietern. Im Rahmen dieser Partnerschaft werden die SAP und Huawei die technische Anbindung und Unterstützung ihrer Produkte verbessern, ein Kompetenzzentrum für Interoperabilität aufbauen sowie gemeinsame Vertriebs- und Marketingaktivitäten auf globaler Ebene durchführen, berichtete Xiaoqun.

Bei SAP Labs China, dem weltweit drittgrößten Entwicklungsstandort der SAP, seien rund 3.000 Mitarbeiter mit der Entwicklung bahnbrechender Software beschäftigt. Über Partnerschaften mit Universitäten wie der East China University, Tsinghua und 48 anderen Hochschulen trage die SAP dazu bei, dass die Arbeitskräfte von morgen den chinesischen Innovationskurs fortsetzen könnten. „Die SAP ist der beste Partner, um Sie auf ihrem Weg in eine neue Ära zu begleiten“, schloss Xiaoqun. „Packen wir’s gemeinsam an.“

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie Risikokapital Hightech unterstützen kann.

Gastredner am zweiten Tag der SAPPHIRE in China war Dr. Kai-fu Lee, ehemaliger Leiter der Region Greater China bei Google und derzeitiger Chairman und CEO des Wagniskapitalfonds Innovation Works. Der Fonds unterstützt chinesische Hightechunternehmen und Firmengründer der nächsten Generation. Laut Lee besteht Innovation im Kern darin, Wertschöpfung für Endanwender zu erzielen. „Eine Innovation ist nutzlos, wenn sie nicht die Anforderungen der Anwender erfüllt“, sagte er. „Deshalb erwarten wir von unseren Unternehmern, dass für sie die Wünsche der Kunden im Vordergrund stehen.“ Es gebe viele Arten von Innovation, so Lee. Einige bezögen sich auf Geschäftsmodelle, andere auf Abläufe und Implementierung.

Firmengründer der nächsten Generation unterstützen

Lee ging bei seinem Vortrag insbesondere auf den Mobilmarkt ein, der in China einer der weltweit größten sei. Mobile Unternehmensanwendungen seien im China auf dem Vormarsch. Apps und Lösungen seien eher auf dem Markt für Privatverbraucher anzutreffen. „Ich denke, dass sich dies in den nächsten zehn Jahren ändern wird“, sagte er.

Insbesondere in Branchen wie dem E-Commerce und dem Handel werden Big Data in Verbindung mit mobilen Lösungen die Geschäftsabwicklung in China von Grund auf verändern. Nach Ansicht von Lee ist es unabdingbar, dass Unternehmen in China ihre Prozesse optimieren, bestehende Produkte verbessern und neue, innovative Produkte entwickeln, wenn sie das Potenzial dieses Mobiltechnologietrends für sich erschließen wollen.

Tags: , , ,

Leave a Reply