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SAPrising People: Leben retten ist Teamwork

Feature | 19. Mai 2017 von Chiara Nicholl 0

Unter der Woche ist SAP-Mitarbeiter Daniel Gerdes viel unterwegs, um Kunden zu betreuen, in seiner Freizeit kümmert er sich um ganz andere Notfälle.

Freitagabend, 20 Uhr. Daniel entspannt sich auf seinem Sofa und hat gerade eine Pizza in den Ofen geschoben. Er arbeitet als Berater bei SAP und hinter ihm liegt eine lange Arbeitswoche bei Kunden. Als er plötzlich einen Alarm hört, springt er instinktiv auf. Es ist nicht der Backofen-Timer, sondern der kleine Piepser, den er im Bereitschaftsdienst immer bei sich trägt. Er wirft einen schnellen Blick auf das Gerät und eilt zu seinem Notfallhilfe-Einsatzfahrzeug. Schnell schlüpft er in seine Dienstkleidung und fährt davon. An einen gemütlichen Abend auf dem Sofa ist nicht mehr zu denken.

Als ehrenamtlicher Rettungssanitäter für das Deutsche Rote Kreuz (DRK) Kreisverband Karlsruhe ist es Daniel gewohnt, alles stehen und liegen zu lassen, um jederzeit auf medizinische Notfälle in seiner Region zu reagieren. „Ich werde in allen möglichen Situationen alarmiert, aber üblicherweise passiert es in den unpassendsten Momenten“, erklärt er mit einem Lächeln. Daniel ist erst 24 Jahre alt, blickt aber bereits auf vier Jahre Erfahrung und rund hundert versorgte Notfälle pro Jahr zurück. Sein Ehrenamt betrachtet er als „etwas, das Spaß macht, obwohl man in vielen Einsatzsituationen natürlich nicht von Spaß sprechen kann.“

Ein Wettlauf gegen die Zeit

Die Notfälle, zu denen Daniel an Wochenenden und in seiner Freizeit gerufen wird, reichen von einer kleineren Atemnot bis zu Autobahnunfällen, Reanimationen und Suizidversuchen. Mit einem voll ausgestatteten Einsatzfahrzeug des DRK kann Daniel innerhalb von drei bis fünf Minuten nach Absetzen des Notrufs vor Ort eintreffen. „Manchmal komme ich am Einsatzort an und die Person, die den Notruf abgesetzt hat, ist immer noch am Telefon“, so Daniel. Obwohl nach ihm immer noch ein Rettungswagen und gegebenenfalls ein Notarzt eintrifft, ist der Zeitaspekt äußerst wichtig.

Man weiß nie, was einen erwartet

Schon im Gymnasium schlug Daniels Herz für die Medizin. So engagierte er sich bei den „Schulsanitätern“, einer freiwilligen Arbeitsgemeinschaft, in der Schüler mit erweiterter Erste-Hilfe-Ausbildung kleinere Verletzungen behandeln. Später entschied er sich für eine mehrmonatige Ausbildung zum zertifizierten Rettungssanitäter, die es ihm ermöglichte, in der Notfallhilfe tätig zu werden – und das alles im jungen Alter von zwanzig Jahren.

Es ist die Möglichkeit, Menschen ganz unmittelbar und direkt zu helfen, die das Ehrenamt für Daniel so attraktiv macht. Obwohl Routine wie in jedem anderen Bereich auch Teil des Jobs wird, hält ihn das Unbekannte doch jedes Mal aufs Neue auf Trab: „Man weiß nie, was sich hinter der Tür verbirgt. Unabhängig davon, bei wie vielen Notfällen man schon dabei war, weiß man nie, was einen erwartet.

Leben retten ist Teamwork

Meistens sind es die Kindernotfälle, die Daniel in Erinnerung bleiben. „Einmal wurde ich zu einer Kleinkind-Reanimation gerufen“, erinnert er sich: „Das war ziemlich hart.“ Mit dem Tod konfrontiert zu werden, ist Teil des Jobs. Schlimm ist es vor allem dann, so Daniel, wenn es junge Patienten betrifft, die noch „ihr ganzes Leben vor sich haben“. Rettungsdienstmitarbeitern steht für solche Erlebnisse eine Hotline zur Verfügung, an die sie sich wenden können, wenn sie psychosoziale Unterstützung benötigen. Vor allem aber vertraut Daniel auf den Beistand seiner Kollegen. Wenn man gemeinsam kämpft, um Leben zu retten, dann formen sich enge zwischenmenschliche Beziehungen. „Wie gehen wir damit um? Wir reden viel miteinander“, erklärt Daniel. Die Notfallhelfer treffen sich außerdem zweimal im Monat, um für den Ernstfall zu üben.

Als Daniel 2015 anfing, bei der SAP in Vollzeit als Analytics Consultant für SAP HANA und SAP Predictive Analytics zu arbeiten, befürchtete er, dass er seinen ehrenamtlichen Dienst aufgeben müsste. Durch einen flexibleren Bereitschaftsplan aber, und einen Kollegen, der während Geschäftsreisen für ihn einspringt, kann er sein ehrenamtliches Engagement sehr gut mit seinem Beruf in Einklang bringen. Aber warum nimmt er bei seinem anstrengenden Job diese zusätzliche Verpflichtung auf sich?

Zwei Welten treffen aufeinander

Bei SAP verbringt er viel Zeit mit Kunden und in Meeting-Räumen, um komplexe Probleme zu lösen. Als Rettungssanitäter arbeitet er dagegen unter Bedingungen, die sich ständig ändern und die auch körperliche Kraft erfordern: „Es ist aufregend und unterscheidet sich grundlegend von meinem Arbeitsalltag bei SAP.“

Bei seinen Einsätzen begegnet er auch Menschen aus allen Gesellschaftsschichten: „Egal ob reich oder arm, auf einer Yacht oder auf der Straße – jeder Notruf wird gleich behandelt“, erzählt Daniel. Aus diesem Grund begegnet er auch allen Menschen mit dem gleichen Respekt. Denn man weiß nie, was andere bereits in ihrem Leben durchmachen mussten.

Der Mensch im Mittelpunkt

Eines hat Daniel bei seinen Jobs gelernt: Man muss immer die Verantwortung für sein eigenes Tun übernehmen. Das hat ihn auch gelehrt, sich in sein Gegenüber hineinzuversetzen: „Empathie zeigen – egal für wen“, lautet sein Credo. Das bedeutet auch, der Familie eines Patienten in einer Notsituation beizustehen und sie zu beruhigen, statt sie herauszuschicken, damit sie bei der Notfallversorgung nicht im Weg ist.

Ähnlich verhält Daniel sich auch im Umgang mit Kunden: Er bezieht alle Beteiligten in den Prozess mit ein, auch wenn er manche Aufgaben alleine schneller erledigen könnte. „Natürlich ist es wichtig, eine Arbeit schnell zum Abschluss zu bringen“, erklärt Daniel. „Allerdings ist Teamwork unersetzbar und man sollte nie vergessen, in welcher Situation sich das Gegenüber befindet – egal ob Kunde, Kollege oder Notfallpatient.“

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