Neue Software für alte Panzer

Feature | 2. Februar 2010 von Benjamin Blaume 0

Logistik nur der Anfang: Mit SASPF modernisiert die Bundeswehr ihre gesamte IT (Foto: Benjamin Blaume)

Logistik nur der Anfang: Mit SASPF modernisiert die Bundeswehr ihre IT (Foto: Benjamin Blaume)

Mit der Standard-Anwendungs-Software-Produktfamilie (SASPF) modernisiert und vereinheitlicht die Deutsche Bundeswehr derzeit ihre gesamte Software. Der Grund: Aktuell nutzen die Streitkräfte noch über 1.000 verschiedene Softwareprogramme, die teilweise nicht vernetzt, technisch überholt und nicht kompatibel zueinander sind.

Der Startschuss für SASPF fiel im Jahr 2001. Damals entschied sich die Bundeswehr für SAP R/3 als Basis für ein modernes IT-System. In enger Kooperation mit der SAP entwickelte letztere die Branchenlösung SAP for Defense Forces & Public Security (DFPS), die auf die speziellen Bedürfnisse des Militärs zugeschnitten ist. Aktuell nutzen oder implementieren rund 15 NATO-Staaten  SAP-Produkte für Streitkräfte.

Nach dem Roll-Out ist die 1. Panzerdivision der weltweit erste kämpfende Truppenteil, in dem SAP DFPS zum Einsatz kommt. Ab Februar 2011, wenn die 1. Panzerdivision mit Teilen ihrer rund 22.000 Soldaten als Leitdivision des Heeres nach Afghanistan aufbricht, wird SASPF erstmals auch im Einsatz genutzt werden. 2010 will man laut Generalmajor Markus Kneip, dem Kommandeur der 1. Panzerdivision, nutzen, um intensiv Erfahrungen mit dem neuen System sammeln zu können.

Auch in anderen Teilen der Bundeswehr kommt SASPF bereits zum Einsatz. So gab es schon erfolgreiche Roll-Outs in der Wehrverwaltung, in der Personaladministration und Abrechnung, in ersten Teilen des integrierten Ausbildungsmanagements und in Teilen der Logistik. Die 1. Panzerdivision ist jedoch der erste Großverband weltweit, der komplett auf das neue System setzt. Aktuell arbeiten bei der Bundeswehr bereits 38.000 Nutzer mit SASPF.

Maßgeschneidert: Je nach Dienstgrad erhalten SASPF-Nutzer andere Zugriffsrechte

Maßgeschneidert: Je nach Dienstgrad erhalten SASPF-Nutzer andere Zugriffsrechte. (Screenshot: SAP)

Ob Kabul oder Konstanz: Dank SASPF greifen Soldaten in Echtzeit auf wichtige Daten zu.

Ob Kabul oder Konstanz: Dank SASPF greifen Soldaten in Echtzeit auf wichtige Daten zu. (Foto: Benjamin Blaume)

10 Milliarden bis 2016

Ein Projekt dieser Größenordnung kostet viel Zeit und Geld. Wie viel? Zehn Milliarden Euro in zehn Jahren erklärt Staatssekretär Rüdiger Wolf im Rahmen einer Präsentation von SASPF in Augustdorf, dem Hauptstandpunkt der 1. Panzerdivision. Den Großteil der zehn Milliarden macht jedoch nicht SASPF, sondern das zweite Mammut-Projekt der Bundeswehr, HERKULES, aus. HERKULES bezeichnet die umfassende Modernisierung der Hardware und Software der Streitkräfte und schafft die Rahmenbedingungen für SASPF.

Das Geld sei aber sehr gut angelegt, rechtfertigt der Staatssekretär. Denn das neue System beschleunige alltägliche Abläufe enorm. Dies demonstrierte Oberstleutnant Axel Wöhrmann, Kommandeur des Logistiksbataillons 7, mit seinen Soldaten anschaulich.

Der Defekt eines Schützenpanzers vom Typ Marder läuft in der Zentrale des Logistiksbataillons auf. Der Auftrag wird im Logistiksystem von SASPF erfasst und steht somit an sämtlichen PCs, die Zugriff auf den SASPF-Server haben, zur Verfügung. Die einzelnen Stationen der Instandsetzung, wie Ersatzteil-Beschaffung und Kostenfreigabe, werden voll elektronisch durchlaufen. Was vorher auf dem Briefweg Tage dauerte, geschieht nun in Echtzeit, da alle Soldaten, egal ob in Kabul, Kundus oder Augustdorf, auf die gleichen Datenbestände zugreifen können. Das ergibt ein jederzeit vollständiges Lagebild.

Doch nicht nur die Logistik profitiert von der neuen Software. Bis 2016 sollen die neun Hauptprozesse Personal, Organisation, Controlling, Rüstung & Logistik, Infrastruktur & Umweltschutz, Individualausbildung & Gesundheitsversorgung von Soldaten, Rechnungswesen und Bundeswehrplanung in SASPF abgebildet werden. Dann soll auch der Umstieg der gesamten Bundeswehr auf SASPF abgeschlossen sein.

Roadmap_Roll_Out_SASPF_Heer

Rollout-Roadmap bis 2012 beim deutschen Heer (Foto: Benjamin Blaume)

Tags:

Leave a Reply