Schlaglicht auf die Innovation

Feature | 7. Juli 2003 von admin 0

“SAP ist mehr als nur ein sicherer Zufluchtsort, wir sind ein Trusted Innovator”, betonte Henning Kagermann, Vorstandssprecher der SAP AG, in einer mitreißenden Keynote. Er sprach über die 30-jährige Geschichte der SAP und ihre Stärke vor dem Hintergrund eines schwierigen wirtschaftlichen Umfelds. Er forderte die Führungskräfte dringend auf, eine abwartende Haltung zu vermeiden und sich stattdessen auf die Innovation als Schlüsselfaktor für finanzielles Wachstum zu konzentrieren. “Jede Umgestaltung im Unternehmen wird durch die Informationstechnologie ermöglicht”, erklärte er.
Da ein Aufschwung im Stil des “dot-com”-Booms in naher Zukunft unwahrscheinlich ist, werden Firmen wie SAP, die in neue Ideen investieren, diejenigen sein, die weiter wachsen. “Die Unsicherheit wird bleiben”, so Kagermann. Er empfahl ein neues Modell für IT-Investitionen angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheit als klugen Schachzug. Die meisten Firmen geben laut Kagermann zehn Prozent ihres IT-Budgets für Innovation, 30 Prozent für Konsolidierung und 60 Prozent für den operativen Betrieb aus. Sie sollten diese Formel auf 40 Prozent für Innovation, 20 Prozent für Konsolidierung und 40 Prozent für den operativen Betrieb ändern, um ihre Erfolgschancen zu optimieren.
Kagermann sprach außerdem über die zunehmende Verwendung neuer Technologien wie etwa RFID (Radio Frequency Identification) und Web-Services. Und er erklärte, dass Firmen, die SAP-Software einsetzen, ihre IT-Budgets um 20 bis 30 Prozent reduzieren können. “Wir müssen sicherstellen, dass die Integration nicht zum nächsten Budget-Killer wird”, sagte er.

“SAP bleibt ein eigenständiges, starkes Unternehmen”

Neben Kagermann hielt Hasso Plattner, Mitbegründer des Unternehmens und Vorsitzender des SAP-Aufsichtsrats, eine Hauptrede und beantwortete Fragen der Zuhörer. Außerdem sprachen die SAP-Vorstandsmitglieder Shai Agassi und Peter Zencke sowie Carly Fiorina, die Vorstandsvorsitzende von Hewlett-Packard (HP).
Plattner ging in seiner Rede am dritten Tag auch auf das Oracle-Angebot einer feindlichen Übernahme des CRM-Software-Rivalen PeopleSoft ein. “Unseren zwei größten Mitbewerbern in den USA muss etwas entgangen sein”, sagte er. Während man dort fusioniere, bleibe SAP ein eigenständiges, starkes Unternehmen. Er spottete über den neuesten Trend bei US-Firmen, Außenstehende für Positionen im Top-Management einzustellen, anstatt dafür Mitarbeiter innerhalb des Unternehmens aufzubauen. Das zeige “Schwäche und Verwirrung”, erklärte er. SAP hingegen habe Kagermann nach 21 Jahren als Nachfolger von Plattner an die Spitze des Konzerns berufen. Das zeige die Beständigkeit und Stärke der SAP.
Plattner merkte an, der Anteil der SAP am weltweiten Softwaremarkt liege bei 17 Prozent, übertroffen lediglich von Microsoft mit 29 Prozent. Er erklärte außerdem, für die meisten Technologiefirmen sei es die Herausforderung Nummer Eins, einfach zu bedienende Benutzeroberflächen für die unternehmens- oder abteilungsübergreifende Zusammenarbeit zu entwickeln. Laut Plattner hat sich die SAP der fortlaufenden Verbesserung der Benutzeroberflächen aller Produkte verschrieben. Plattner sprach außerdem kurz über Unternehmensportale und Web-Services.
Zum Abschluss der Veranstaltung sprach die HP-Vorsitzende Carly Fiorina. Schwerpunkt ihres Vortrags war die Bedeutung von Innovation und Anpassung an Veränderungen des Marktes. Wie auch andere Redner hob sie die zentrale Rolle der Informationstechnologie hervor. Fiorina wies den Inhalt eines unlängst im Harvard Business Review erschienenen Artikels zurück, in dem es hieß, die Informationstechnologie sei für die Geschäftswelt nicht mehr entscheidend. “In den Unternehmen, die auf dem Markt erfolgreich sein werden, gibt es keine Trennung zwischen Informationstechnologie und Geschäft”, sagte sie. Laut Fiorina werden Unternehmen wie HP und SAP, die sie als “Weltklasse”-Firmen bezeichnete, florieren, da sie mit neuen Herausforderungen am besten fertig werden und die Anpassung am besten bewältigen.

Erweiterte Zusammenarbeit mit IBM im Mittelstandsmarkt

Es gab einige Unternehmensnachrichten auf der SAPPHIRE, darunter die Ankündigung von SAP und IBM, die ihre bestehende Vereinbarung über gemeinsame Marketingaktivitäten erweitern werden. SAP will in diesem Zusammenhang eine Softwareversion speziell für kleine Firmen entwickeln, die für eine kleinere Version der IBM-Datenbanksoftware ausgelegt ist.
Michael Borman, General Manager des IBM-Bereichs Global Business Partners, sprach in seinem Vortrag über die synergetische Beziehung zu SAP. Er sprach über den Status von IBM als Gewinner der Auszeichnung “SAP Services Partner of Excellence” und erklärte, SAP-Software habe zur Spitzenposition von IBM in der IT-Branche beigetragen. “Vieles hat mit unserer SAP-Implementierung zu tun “, sagte er. Er hob die Bedeutung der erweiterten Zusammenarbeit mit SAP im Markt für kleine und mittelständische Unternehmen hervor. “Ich würde Ihnen raten, Firmen wie IBM und SAP zu wählen, um Ihre Anforderungen zu erfüllen”, sagte er dem Publikum.
Ein weiterer Redner auf der SAPPHIRE befasste sich mehr mit der Politik als mit der Technologie. John McLaughlin, Schöpfer und Produktionsleiter der McLaughlin Group, einer beliebten US-Nachrichtensendung, moderierte zum Auftakt der Konferenz eine politische Round-Table-Diskussion. Zuvor hielt Bill McDermott, Chief Executive von SAP America seine Eröffnungsansprache.

Die SAP-Kunden waren die Stars

Die eigentlichen Stars der SAPPHIRE waren jedoch die vielen Kunden mit ihren überzeugenden Erfolgsgeschichten über SAP-Implementierungen. Es fanden 165 verschiedene Vorträge statt. Die Themen reichten von Customer Relationship Management (CRM) bis Supply Chain Management (SCM) und betrafen sowohl Firmen in Privatbesitz als auch multinationale Konzerne. SAP-Kunden wie Lockheed Martin, National Aeronautics and Space Administration (NASA) und Brothers International präsentierten verblüffende IT-Erfolgsgeschichten mit detaillierten, quantifizierbaren Ergebnissen.
Führungskräfte von Brother International etwa untermauerten ihre Präsentation über eine mySAP-CRM-Implementierung mit einer Fülle von Performance Benchmarks. Das japanische Unternehmen, das seit 1954 auch in den USA ansässig ist, erwirtschaftet eine Milliarde Dollar Umsatz mit Druckern, Faxgeräten und anderen Geräten. Brother ist seit 1994 SAP-Kunde.
Chief Executive Terry Koike und Chief Technology Officer Dennis Upton sprachen ausführlich über Produktionsgewinne und Kosteneinsparungen durch mySAP CRM. Beispielsweise verzeichnete Brother einen Rückgang der Retouren von 6,7 Prozent im Jahr 2001 auf 2,1 Prozent im Jahr 2002 bei gleichzeitigem Anstieg der ausgelieferten Stückzahlen. Die Kosten von Marketingkampagnen sanken um 4.400 Dollar. Anrufe im Call Center verringerten sich von 1,84 Millionen im Jahr 2001 auf 1,57 Millionen im Jahr 2002, was Einsparungen von 621.000 Dollar bedeutet.
Ein weiterer SAP-Kunde, der Chip-Gigant Texas Instruments, war durch Executive Jim Shultz vertreten, der die SRM-Implementierung (Supplier Relationship Management) des Unternehmens präsentierte. Laut Shultz erhielt SAP bei der Auswahl eines E-Procurement-Systems den Zuschlag, weil der Anbieter “eine bessere Gesamtstrategie und Vision” hatte als die Konkurrenz. Das System wickelte bisher rund 50.000 Einzelposten ab. Außerdem versetzt es TI in die Lage, 70 Prozent der Rechnungsabwicklung weltweit zu automatisieren – und damit enorme Zeit- und Kosteneinsparungen zu erzielen.

Präsentation der Waters Corp.

Präsentation der Waters Corp.

Eine weitere Erfolgsgeschichte kam von Waters, einem in Milford, Massachusetts, ansässigen Hersteller von Hochleistungs-Flüssigkeitschromatographen und anderen hoch entwickelten Produkten für die pharmazeutische Industrie und weitere Branchen. Das Unternehmen gab 5,1 Millionen Dollar für sein mySAP-CRM-System aus. Auf der SAPPHIRE berichteten die Führungskräfte der Firma, dass man über viereinhalb Jahre eine interne Verzinsung von zwei Millionen Dollar erzielen konnte. Das sind satte 35 Prozent. Spezielle Beispiele für Verbesserungen bei Waters sind etwa ein Anstieg um 750.000 Dollar im Bereich Telesales, zusätzliche Einnahmen aus verbesserter Leadqualifizierung in Höhe von 800.000 Dollar und eine Verbesserung der Rücklaufquote bei Mailing-Aktionen um 50 Prozent.
Andere, ähnliche Referenzen kamen von Villeroy & Boch, Millennium Chemicals, American Express Tax and Business Services und vielen anderen. Außerdem standen zahlreiche SAP-Führungskräfte zur Verfügung, um Design und Nutzen der SAP-Produkte und -Systeme zu erörtern. SAP NetWeaver, xApps, Enterprise Services Architecture (ESA) und die Nutzung der SAP-Anwendungen auf Blackberry-Handheld-Geräten waren nur einige der zentralen Vorträge.

Nie mehr an der Kasse anstehen mit RFID

Eines der heißesten Themen auf der SAPPHIRE 2003 war RFID. Accenture-Partner Jeff Smith erläuterte, warum RFID in vielen Unternehmen zu einer wichtigen Komponente werden wird. Als Beispiel führte er das Star City Casino in Sydney (Australien) an, das RFID flächendeckend eingeführt hat. Die 20.000 Mitarbeiter von Star City tragen Uniformen mit RFID-Tags, damit die Firma ihren Einsatz und die Kosten verfolgen kann. Außerdem nannte er Benetton, das Bekleidungsunternehmen, das plant, seine gesamte hauseigene Markenbekleidung mit RFID-Tags zu versehen.
Laut Smith liegt die Zukunft im Kaufhaus im Bezahlen ohne Kasse. Kunden, die es hassen, an der Kasse in der Schlange zu stehen, können den Laden einfach verlassen, wenn sie den Einkauf erledigt haben. RFID-Tags auf Produkten werden gescannt und automatisch in Rechnung gestellt.

Sarah Z. Sleeper

Sarah Z. Sleeper

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