Schon gamifiziert?

7. Januar 2014 von Susan Galer 0

Foto: shock/Fotolia

Foto: shock/Fotolia

Gamifizierung heißt der neue Trend bei Unternehmensschulungen, der sich in Windeseile ausbreitet – und das aus gutem Grund: Spielen macht Spaß, und mit der Verbreitung sozialer Medien sind Spiele allgegenwärtig geworden. Das US-Forschungsinstitut M2 Research prognostiziert, dass der Markt für Gamifizierung bis 2016 eine Gesamtgröße von 2,8 Milliarden Dollar erreichen wird. Die motivierende Wirkung von Spielen konnte auch den Unternehmen nicht verborgen bleiben. Gartner Research geht davon aus, dass im Jahr 2016 schon 40 Prozent der 1000 wichtigsten Unternehmen weltweit in erster Linie auf die Gamifizierung zurückgreifen werden, um geschäftliche Neuerungen umzusetzen.

SAP testet die Gamifizierung innerhalb des Unternehmens seit Kurzem mit einem Online-Kurse namens Mobile g-learning, in dem SAP-Mitarbeiter lernen, mobile Apps für Android und iOS zu entwickeln. „Es gibt sehr viele Menschen, denen es Spaß macht, im spielerischen Wettstreit zu lernen. Durch die Gamifizierung kann man im Team neue, wesentliche Fähigkeiten erwerben und sofort anwenden“, erläutert Gordon Muehl, Senior Vice President von Product Security bei SAP. Muehl leitet das Team Architecture, Communication, Education, Security (ACES), das den Kurs Mobile g-learning mit dem SAP Workforce Performance Builder entwickelt hat.

Mobile g-learning: In zwei Wochen neue App entwickelt

Mehrere hundert SAP-Mitarbeiter in über 30 Städten haben bereits daran teilgenommen. Jeder Kurs für die Entwickler mobiler Apps besteht aus 48 Lektionen, die für Teilnehmer aller Kenntnisstufen geeignet sind. Die Teilnehmer werden in kleine Teams aufgeteilt, die während des Kurses im Wettbewerb stehen. Sie nehmen sechs Wochen lang an interaktiven, jeweils einstündigen Lehrveranstaltungen teil. Die Teams, die ihre gemeinsamen Aufgaben pünktlich abschließen und sich aktiv an den Online-Veranstaltungen und ‑Foren beteiligen, erhalten zur Belohnung Punkte und Auszeichnungen. Am Ende des Kurses entwickeln die Teams innerhalb von zwei Wochen eine neue App. Anschließend wählen Vertreter der Teilnehmer und eine professionelle Jury aus dem SAP Community Network die Sieger aus.

Das Entwicklerteam „The Blade Runners“ von SAP Labs in Brasilien: Claudio Ramos, Matias Schertel und Felipe Plets (von links nach rechts); Foto: SAP

Das Entwicklerteam „The Blade Runners“ von SAP Labs in Brasilien: Claudio Ramos, Matias Schertel und Felipe Plets (von links nach rechts); Foto: SAP

Eines der Siegerteams nannte sich „The Blade Runners“. Seine drei Entwickler, Cláudio Ramos, Felipe Plets und Matias Schertel, arbeiten bei SAP Labs im brasilianischen Sao Leopoldo. Ihre Android-App namens Visitors Guide stellt Besuchern von SAP-Standorten in Lateinamerika alle Informationen zur Verfügung, die sie in den ersten 24 Stunden ihres Aufenthalts brauchen. Die Teammitglieder nennen eine Reihe von Gründen, weshalb sie mit dem neuen Kursformat schneller lernen konnten – nicht zuletzt den erhöhten Spaßfaktor. „Durch die Gamifizierung war es unterhaltsam und wurde niemals langweilig. Der Lernstoff war so aufbereitet, dass wir ihn uns mühelos aneignen konnten“, berichtet Schertel, der auch Coach für Design Thinking ist.

Im Team entstand eine Art Mannschaftsgeist, gemeinsam wetteiferte man um die Spitzenstellung in einer internationalen Wertungstabelle. Punkte gab es für das Ansehen von Videopräsentationen, die Teilnahme an Diskussionen in der eigens eingerichteten SAP-Jam-Gruppe und die Lösung von Denksportaufgaben. Die Entwicklung des Punktestands konnte in Echtzeit verfolgt werden und ließ bei den Entwicklern keine Sekunde Langeweile aufkommen.

Diskussionen in der SAP-JAM-Gruppe

„Gemeinsam arbeiteten wir die Module durch und tauschten uns über das aus, was wir online erfahren hatten“, erzählt Ramos. „Das Schönste war die Zusammenarbeit als Team.“ Die Spielelemente ließen auch Wettkampfstimmung aufkommen. „Es war spannend, etwas im Rahmen eines Wettstreits zu entwickeln. Wir wollten unbedingt gewinnen“, ergänzt Plets.

Schertel hält es für besonders wichtig, dass die Lerninhalte in Stufen aufeinander aufbauen. „Jedes Mal, wenn man ein Thema abgeschlossen hatte, erhielt man Erfahrungspunkte. Das trieb uns an und führte dazu, dass wir schneller lernten. Mir gefiel auch die Roadmap, auf der wir unsere Fortschritte in einer benutzerfreundlichen Darstellung ablesen konnten. Außerdem konnten wir verfolgen, wie unsere Teamkollegen und die Mitglieder anderer Teams vorankamen.“ Virtuelle Diskussionsforen förderten die kulturübergreifende Zusammenarbeit zwischen Mitarbeitern an weit auseinander liegenden Standorten. „Neben der Arbeit vor Ort kam uns bei der Entwicklung der App vor allem der Austausch mit den Teilnehmern weltweit zugute“, meint Plets.

Der Branchenanalyst und Chef des kalifornischen Beratungsunternehmens Enterprise Applications Consulting, Josh Greenbaum, weist darauf hin, dass es durchaus nicht einfach ist, eine virtuelle Lernumgebung mit spielerischen Komponenten einzurichten – sei es innerhalb oder außerhalb von Unternehmen. Den Erfolg von g-learning bei SAP führt er zum Teil auf die präzise Ausrichtung des Kurses zurück.

Mobile g-learning-Kurs ausgebucht

„Die Gamifizierung einzusetzen, um mithilfe eines eigenen Toolsets die Entwicklung mobiler Apps für den SAP-Markt in Gang zu bringen, ist ein genau definiertes und klar umrissenes Vorhaben, das auf ein ganz bestimmtes Zielpublikum ausgerichtet ist. Ein intrinsischer Anreiz und eine Supportstruktur erleichtern die Sache. Außerdem funktioniert es so gut, weil die Konzepte von Online-Spielen für diese Entwickler nichts grundlegend Neues sind“, so die Einschätzung von Greenbaum. Unterdessen ist Mobile g-learning bei der SAP restlos ausgebucht, obwohl der Kurs kontinuierlich angeboten wird. Für Entwickler, die sich in einem immer komplexeren technischen Umfeld bewegen, eröffnen gamifizierte Schulungen neue Aussichten auf den Sieg im Innovationsspiel.

Tags: , ,

Leave a Reply