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Sein Geschäft mit der „Wunderwaffe“

13. Januar 2015 von Andreas Schmitz 0

Stefan Wagner möchte aus dem sponsorgetriebenen Sport- und Entertainmentgeschäft bei SAP ein richtiges Business machen. Kurz nach dem WM-Finale in Sao Paulo ging es los. Mit im Fokus: SAP Match Insights.
Foto: SAP Labs

Der ehemalige brasilianische Nationaltrainer Luiz Felipe Scolari (in der Mitte, graues T-Shirt) besucht die SAP Labs in Porto Allegre. Foto: SAP Labs

Als Luiz Felipe Scolari Mitte November in Sao Leopoldo vorbei schaute, war das ein besonderer Tag für die Mitarbeiter am Standort der SAP Labs im brasilianischen Porto Allegre. Denn der Ex-Trainer der Brasilianischen Nationalmannschaft war auf der Suche nach der „Wunderwaffe“ der Deutschen bei der Fußballweltmeisterschaft in diesem Jahr. Das demoralisierende 1:7 aus dem Halbfinale im eigenen Land steckte dem jetzigen Trainer des brasilianischen Top-Teams Gremio Porto Alegre noch in den Knochen. Jetzt ließ sich der Fußballtrainer die Technologie zeigen, mit der Mario Götze, Bastian Schweinsteiger und die anderen Weltmeister ihre Laufwege, Zwischensprints und Raumeinteilung analysieren und letztlich ihre Leistung ein Stück weit haben steigern können.

SAP Lab in Porto Allegre: Uni-Absolventen zwei Jahre ausgebildet

Einer derjenigen, die die SAP Labs in Porto Alegre zu dem gemacht haben, was sie heute sind, ist Stefan Wagner. Der damalige Managing Director erweiterte den Standort, investierte 40 Millionen Euro und schaffte allein im vergangenen Jahr 500 neue Arbeitskräfte. Zudem förderte er besonders den Nachwuchs: „In der Regel bekommen in Brasilien nur die Privilegierten die wirklich guten Ausbildungen“, sagt der SAP-Manager, der selbst nach seinem BWL-Studium an der Uni Bayreuth auch an einer der weltweit renommiertesten Technikunis studiert hat, am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge in den USA. Also holt er jedes Jahr zwanzig bis dreißig Absolventen der öffentlichen Hochschulen zu SAP, um sie dann in den kommenden zwei Jahren noch einmal intern weiterzubilden und fit zu machen für die globale Arbeitswelt von SAP. „Sie arbeiten in sechs verschiedenen Teams mit und lernen so die wesentlichen Bereiche im Unternehmen kennen“, erläutert Wagner. Mehr als hundert Studenten sind aktuell unter den etwa 800 Mitarbeitern in Porto Alegre unterwegs. Sicher auch deswegen zeichnete das größte Nachrichtenmagazin im Lande, Voce S/A SAP vor drei Monaten als attraktivsten Arbeitgeber in der Region aus. Bezahlung und Sozialleistungen, Qualität der Ausbildung und der Arbeitsstätte waren einige der Kriterien, in denen sich SAP in der Kategorie IT und Technologie den Platz 1 sicherte wie auch in der „Strategieausrichtung“, in der die Vermittlung der Managemententscheidungen an die Mitarbeiter im Mittelpunkt der Betrachtung stand. „Wunderbar, dass wir vor Google gelandet sind“, freut sich Wagner , der extra für die Fußball-WM noch länger in Brasilien geblieben ist.

Denn eigentlich sollte er schon früher in das „Wunderwaffen“-Geschäft einsteigen, als „General Manager of Media, Sports and Entertainment“. Der bisher gerade einmal 30 Millionen Umsatz starke Geschäftsbereich ist noch jung, erst vor zwei Jahren gestartet und bislang vor allem „sponsorgetrieben“. Aktuell treiben 13 Mitarbeiter das Geschäft und 20 bis 30 Entwickler die technischen Lösungen voran. „Es geht nicht darum, eine riesige Mannschaft zu haben mit vielen Mitarbeitern, sondern vielmehr darum, flexibel zu sein und ein Team sehr schnell aufzubauen – wenn nötig auch über Reporting-Lines hinweg“, sagt der ehemalige Rugby-Spieler und Skitrainer Wagner, der jetzt elf neue Mitarbeiter einstellt, um das Geschäft weiterzuentwickeln. Dass es ihm gelingen kann, quasi aus dem Nichts eine Organisation aufzubauen, bewies Wagner schon vor seiner Zeit in Südamerika, als er bei SAP ein internationales Partnernetz aufbaute, das heute weltweit mit 300 Beratern SAP-Partner unterstützt.

SAP Match Insights: der Standard nach dem Erfolg der deutschen Mannschaft

Die neue Aufgabe von Stefan Wagner ist es, aus individuellen Produkten wie jenem „SAP Match Insights“, das dem Deutschen Fußball Bund (DFB) bei der WM geholfen hat, ein richtiges Geschäft aufzubauen und Produkte auf den Markt zu bringen. Doch bevor Wagner einsteigen konnte, musste er noch das WM-Endspiel in Sao Paulo mit ansehen: „Das geht ja nicht, dass ich drei Jahre in Brasilien arbeite und dann kurz vor der WM wieder zurück nach Deutschland gehe“. Seit Juli also geht es dem ehemaligen „Channel Manager“ zusammen mit Entwicklungschef Fadi Naoum darum, die Marke SAP durch den Sport bekannter zu machen und so auch Zielgruppen das Technologiepotenzial aufzuzeigen, die bislang nicht professionell mit IT zu tun hatten. Entsprechend – und das ist Wagners zweite Mission – geht es darum, für die neue Zielgruppe schon 2015 Standardprodukte auf den Markt zu bringen, die über CRM, ERP und SCM hinaus gehen.

Gremio Porto Alegre ist das beste Beispiel dafür. Scolaris Club hat bereits SAP CRM powered by SAP HANA im Club im Einsatz und führt gerade ERP ein. Sollten die Gespräche bei den SAP Labs fruchtbar gewesen sein, ist es sehr gut möglich, dass demnächst auch dort das dann fertige und kommerzialisierte Produkt SAP Match Insights eingesetzt wird. Es geht dabei auch um knallharte Analyse, aber nicht nur: Im Kern nutzen Spieler die Performance-Management-Funktionen, die ihnen Informationen über ihre Tagesform und -leistung geben. Manager, Trainer und Betreuer setzen vergleichbare Team-Management-Analysen ein, in denen sie auf einen Blick die medizinischen Daten, den Trainingsplan und die Performance Einzelner aber auch vertragliche Bestandteile wie Gehalt angezeigt bekommen. Doch gibt es auch noch die Social-Media-Funktionen als App für das Smartphone, die die Spieler möglicherweise weit mehr interessieren. Denn hier erfahren sie neben ein paar Analysedaten auch noch ganz praktische Dinge – wann der Bus los fährt, zum Beispiel, was es zu essen gibt oder Filmempfehlungen der Mannschaftskollegen. Clubs sind neben Multifunktionsarenen wie das Tennismekka Madison Square Garden und Sportverbänden wie der DFB und die Deutsche Eishockey Liga (DEL) die anvisierten Abnehmer neuer Standardlösungen.

Der potenzielle Erfolg von SAP mit dem neuen SAP Match Insights-Standard hat einen Haken für die deutsche Nationalmannschaft. Denn bald haben die Konkurrenten auch Zugriff auf die dann ehemals exklusive Wunderwaffe. Schon 2015 herrscht also wieder Gleichstand in Sachen technischer Unterstützung – zu spät für Scolari.

Wie SAP Match Insights die Weltmeister unterstützte: http://de.news-sap.com/2014/07/14/deutschland-ist-weltmeister/

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