SEPA: Die Lastschrift kommt

23. Januar 2013 von Andreas Schmitz 0

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Ein Glück: Als Hoya 2006 seine Inhousebank schuf, hatte das japanische Technologieunternehmen sich bereits ein Stück weit für die Single Euro Payments Area (SEPA) gerüstet. Um SEPA-gerecht Gelder überweisen zu können, ließen sich die Zahlungsformate entsprechend ändern. Wie von der EU gefordert und in der ISO 20022 geregelt setzt das Unternehmen auf das XML-Format für die EU-Länder und auf IDOC für einige nordische Länder. Als die EU den Unternehmen also ab 2008 nahelegte, die Überweisungen entsprechend auszuführen, war das für Hoya kein Problem.

“Kaum Vorteile” durch das neue Lastschriftverfahren

Wäre da nicht auch noch die Sache mit dem Lastschriftverfahren, das ebenfalls SEPA-gerecht ausgeführt werden soll, und seit März 2012 einen eindeutigen Stichtag kennt. Ab dem 1. Februar 2014 nämlich. Doch noch ist hier gar nichts klar: Dem SEPA-Verantwortlichen des europäischen SAP-Teams von Hoya Jakob Pauwels fallen jedenfalls aktuell eine Menge Fragen dazu ein. Die meisten drehen sich um die Mandatsverwaltung: Wie halte ich meine Stammdaten künftig vor? Stimmen meine Prozesse noch? Was macht ein Unternehmen, das viele Filialen, aber nur ein Konto für die Zahlungen hat? „Betreibt ein Optiker etwa fünf Geschäfte und jede Filiale möchte auf eigene Rechnung arbeiten und von einem gemeinsamen Konto abbuchen, ist das aktuell nicht möglich“, erläutert Pauwels – Kundennummer und Mandat müssen nämlich derzeit identisch sein. Bisher bietet das Lastschriftverfahren für den Hoya-Mann „kaum Vorteile“: „Wir müssen mehr Vorarbeit leisten und müssen Consultants in den einzelnen Ländern hinzuziehen, da jedes Land eigene gesetzliche Bestimmungen zu befolgen hat“.

56 Verbesserungsvorschläge hat die SEPA-Arbeitsgruppe der deutschsprachigen SAP Anwendergruppe (DSAG), in der auch Pauwels aktiv ist, bis dato gemacht. Drei von zehn Unternehmen überweisen inzwischen SEPA-gerecht. Die Unsicherheiten rund um den EURO haben unter anderem dazu geführt, nicht wie empfohlen schon 2008 damit zu starten, sondern erst einmal abzuwarten, so jedenfalls wird gemunkelt. Jetzt geht kein Weg mehr an SEPA vorbei. Und noch drängender ist die Abwicklung der Lastschriften. Erst zwei Prozent der Unternehmen setzen dafür derzeit SEPA ein.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Die meisten SEPA-Anfragen kommen im Laufe des Jahres 2013.

„Das Jahr 2013 wird das SEPA-Jahr“, sagt Georg Fischer, der in 2012 überraschend wenig Nachfrage konstatierte und jetzt die „große Welle“ der Anfragen erwartet. Fischer, der in Sachen SEPA bei der SAP für die Benutzergruppen weltweit zuständig ist und auch in der DSAG-Themengruppe sitzt, kennt immer die neuesten „Rule Books“ des European Payment Councils, neue Anforderungen, die mit Support Packages oder Hinweisen ergänzt werden müssen. Hier ist die Zusammenarbeit mit den Kunden in der Themengruppe hilfreich: „Neue Richtlinien und Verordnungen lassen immer einen gewissen Interpretationsspielraum“, erläutert der Informatiker, für Anpassungen und Abrundungen ist es hilfreich, diese Neuerungen in der Themengruppe zu spiegeln.

Noch viel Gewöhnungsbedarf

Und natürlich ist auch dem Softwarehersteller klar, dass es immer wieder Nachbesserungsbedarfe gibt. Das liegt ein ums andere Mal an der EU, die durch eigenwillige Entscheidungen Prozesse verändert. Beispiel Lastschrift. Für die Erstverwendung einer SEPA-Lastschrift muss diese nach dem aktuellen Stand der Dinge nötig, fünf Tage vor der Fälligkeit bei der Bank des Schuldner vorliegen. Diese Frist ist neu und soll für mehr Sicherheit sorgen. Jede weitere Lastschrift benötigt dann nur noch eine Frist von zwei Tagen. „Doch was ist, wenn die Zweitlastschrift die Erstlastschrift überholt oder welche Rückweisungsgründe machen aus einer Zweitlastschrift wieder eine Erstlastschrift“, fragt sich nicht nur SAP-Mann Fischer. Hinzu kommt, dass nun von jedem Kunden ein schriftliches Mandat vorliegen muss, „deutlich formaler als die Einzugsermächtigung und mit Zusatzinformationen wie Gläubiger- und Mandatsnummer“, kommentiert Fischer.

Auch Jakob Pauwels von Hoya muss sich an so manche Änderung erst gewöhnen: So ist ein „reglementierter Rückzug“ aus einem Vertrag nun nicht mehr innerhalb von sechs Wochen nötig, sondern kann bis zu 13 Monate dauern. Positiv gesehen führt das „zu solideren Geschäften“, wie Pauwels anmerkt. Weiter ungeklärt: Noch gibt es kein so genanntes eMandat, das es möglicherweise künftig Geschäftspartnern ermöglichen wird, auf eine „echte“ Unterschrift zu verzichten. Ein SEPA-Begleitgesetz ermöglicht eine Übergangszeit bis zum Jahr 2016. Bis dahin soll also die bisher mögliche elektronische Abwicklung noch möglich sein, so informiert der Bundesverband des Deutschen Versandhandels.

Bei dem vielen Hin und Her und auch dem Klärungsbedarf wundert es nicht, dass auch die Nachfrage nach entsprechenden Schulungen noch nicht überbordet. „Schnupperkurse“ gab es auch schon 2012 zuhauf, aber zu wenige systematische Workshops vor Ort, beklagt Georg Fischer. Dabei ist es mit einem Enhancement Package für IT Systeme in den wenigsten Fällen getan. Fischer: „Zahlreiche IT-Systeme inkl. Vor- und Nachsysteme können betroffen sein, aber SEPA ist kein reines IT Thema. In der Anpassung der Geschäftsprozesse liegt die eigentliche Herausforderung.“

Enhancement Packages für SAP ERP – Financials

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2 comments

  1. Ertugrul Öztürk

    Unternehmen der Energiebranche wenden sich zur Umsetzung der SEPA-Anforderungen an den Fachexperten Rene Stienemann (SAP).

  2. Ralf Weinmann

    Zu dem Thema SEPA in der Versorgungswirtschaft gibt es in der aktuellen ZfK 2/13 einen lesenswerten Beitrag unserer Projektleiterin. SEPA-Umstellung: Von der Vorbereitung hängt’s ab Wenn der Startschuss fällt, ist beim Marathon das Wichtigste schon gelaufen. Denn ob die gesteckten Ziele im Wettkampf erreicht werden, hängt maßgeblich von der Trainingsphase ab. siehe ZfK (http://www.zfk.de) 2/13 auf Seite 36

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