Service-orientierte Architekturen ganz oben auf der Wunschliste der IT-Abteilungen

Feature | 8. Februar 2005 von admin 0

Die Analysten der in Boston ansässigen Yankee Group sind sich sicher, dass die Unternehmen im laufenden Jahr 2005 offensiv die Einrichtung von Webdiensten in Angriff nehmen werden. Ziel hierbei ist es, die unternehmensübergreifende Zusammenarbeit zu ermöglichen. Drei Viertel der 437 in US-Unternehmen befragten Entscheidungsträger wollen innerhalb der kommenden zwölf Monate in service-orientierte Architekturen (SOA) investieren, erklärt Phil Fersht, bei der Yankee Group für Geschäftsanwendungen zuständig.
Obwohl während der vergangenen vier Jahre insgesamt gesehen die IT-Ausgaben stagnierten, haben Unternehmen in Web-Services investiert – und werden das auch weiter tun. Der Grund liegt für Fersht auf der Hand: “Web-Services haben die Kosten reduziert und die Profite erhöht.”
Die von Yankee Group Ende des Jahres 2004 erstellte Studie über Web-Services in Unternehmen zeigt, wo die Firmen derzeit im Hinblick auf SOA-Integration stehen und was sie planen. Im Gespräch mit SAP INFO online erläuterte Fersht die Studie und äußerte sich zu aktuellen Trends bei service-orientierte Architekturen.

Was ist das Hauptergebnis der Studie?

Fersht: Hauptergebnis ist, dass die Einrichtung von Web-Services mit weitaus mehr Nachdruck verfolgt wurde, als wir ursprünglich angenommen hatten. Auch haben die Unternehmen für die kommenden zwölf Monate weitaus offensivere Pläne, Web-Services in ihre IT-Landschaft einzubauen, als wir dachten. In den vergangenen vier Jahren stagnierten die IT-Investitionen, doch jetzt verzeichnen wir eine Freisetzung von Ressourcen. Viele Investitionen laufen im Bereich Web-Services. So beobachten wir beispielsweise in der Gesundheitsbranche Entwickler, die Werkzeuge aus dem Internet herunterladen, sich selbst schulen und interne Web-Services-Projekte durchführen.

Diese Projekte tauchen in den meisten externen Ausgabenstatistiken nicht auf, da die Ausgaben schließlich auf interne Ressourcen entfallen. Wir sehen nun infolge dessen als eine der Hauptüberraschungen der Studie, dass die Unternehmen in der aktuellen Vergangenheit sehr viele Erfahrungen mit Web-Services gesammelt haben.
Ein anderer überraschender Aspekt ist, dass 65 Prozent der von uns befragten Entscheidungsträger ohne weiteres dazu bereit wären, die vorhandenen Systeme auszumustern und durch mehr service-orientierte Architekturen zu ersetzen. Zum einen sind die verwendeten Technologien und Anwendungen teils schon recht alt, der Ruf nach Ersatz ist also verständlich. Zum anderen betonten die Befragten jedoch, nicht unbedingt wieder in dieselbe Plattform investieren zu wollen, nur weil dafür vor fünf, sechs Jahren fünf Millionen Dollar ausgegeben wurden. Gefragt sind vielmehr neue und flexiblere Lösungen.

In der Vergangenheit waren verwirrend viele Standards von Web-Services im Gespräch. Hat sich das verbessert?

Fersht: Das Wissen über Web-Services ist jetzt größer. Das gilt auch für Standards wie der Extensible Markup Language (XML), der Web Services Description Language (WSDL) oder dem Simple Object Access Protocol (SOAP).

Darüber hinaus verstehen heute auch die oberen Etagen der Unternehmen viel besser, welche Vorteile Web-Services bieten. Beispielsweise versteht jeder CFO, dass ein Projekt, das heute 25 Entwickler benötigt, aufgrund der Einführung von Web-Servicestandards in einem Jahr nur noch sechs benötigt. Solche Standards können die Kosten um viele Tausend Dollar senken.

Was berichten Unternehmen nach der Implementierung von Web-Services?

Fersht: Unternehmen, die bereits Web-Services eingeführt haben, berichten von erheblichen Verbesserungen. 79 Prozent der Unternehmen, die bereits Web-Services implementiert hatten, nennen als Antwort auf die Frage nach den Hauptvorteilen die verbesserte Fähigkeit zur unternehmensübergreifenden Zusammenarbeit. Unternehmen, die während der kommenden zwölf Monate in Web-Services investieren wollen, nannten Sicherheitsüberlegungen und gesteigerte Effizienz bei den Unternehmensprozessen als Hauptbeweggrund.

Die Möglichkeit, reibungslos mit externen Partnern zusammen zu arbeiten, betrachten wir bei Yankee Group als ausschlaggebenden Faktor für Ertragssteigerungen in den kommenden fünf Jahren. 71 Prozent der befragten Entscheidungsträger erwarten, dass sich eine Investition innerhalb von zwei Jahren bezahlt macht. Damit hat sich die Situation im Vergleich zu ERP vor fünf oder sechs Jahren grundlegend geändert. Damals rechneten die Unternehmen noch mit einer Amortisationsdauer von zehn Jahren.

In Ihrer Studie steht zu lesen, dass der Bereich öffentlicher Verwaltungen bei Web-Services die Nase vorne hat. Warum?

Fersht: Das ist recht einfach. Die vergangenen vier Jahre waren von einer Rezession und einer Stagnation bei den Investitionen in Technologie geprägt. Die öffentliche Hand hat als eine der wenigen Stellen investiert, auch, weil sie im Gegensatz zu reinen Wirtschaftsunternehmen nicht ganz so stark am Tropf der ökonomischen Randbedingungen hängen. Investiert wurde vor allem in die Sicherheit, in E-Business und E-Commerce sowie der Infrastruktur. Auch das Gesundheitswesen investiert in Web-Services. Für das laufende Jahr werden nach Ansicht der Yankee Group Hersteller und Finanzdienstleister die Vorreiterrolle einnehmen.

Hinken einige Branchen hinterher?

Fersht: Wir haben die Investitionen im Querschnitt betrachtet und festgestellt, dass die Ausgaben der öffentlichen Hand jetzt abnehmen. Vermutlich deswegen, weil dort schon viel investiert wurde. Meiner Meinung nach hinkt kein Bereich stark hinterher. Die Pharmaindustrie und das Bildungswesen sind etwas hinten dran. Industriezweige, die stark auf interne Verkäufe angewiesen sind, tun sich etwas schwer, genau wie solche mit komplexen IT-Systemen. Von den Unternehmen, die bereits Web-Services verwenden, rangieren die Hersteller ganz hinten, weil sie von der Rezession am stärksten betroffen waren. Ein weiterer Nachzügler ist die drahtlose Telekommunikation, aber wir erwarten dort über die kommenden zwölf Monate mehr Investitionen. Web-Services bieten klare Vorteile beim Transport von Daten über drahtlose Netzwerke.

Worin liegt aus Ihrer Sicht bei der Implementierung von Web-Services die größte Herausforderung?

Fersht: Das Hauptproblem sind nach wie vor die Kosten. Ein weiteres Problem sind die vielen Standards und die vielen Unternehmen, die Standards definieren wollen. Auch gibt es Probleme mit gemeinsamen technischen Anforderungen.

Welche Tipps würden Sie einem Unternehmen geben, das Web-Services einführen will?

Fersht: Oft ist es am schwierigsten, der Führungsebene die Vorteile von Web-Services klar zu machen und zu erklären, warum dafür ausgerechnet zum aktuellen Zeitpunkt Geld investiert werden muss und worin die zu erwartenden Vorteile bestehen. Dazu zählen die erhöhte Sicherheit, ein Rückgangs der Entwicklungszeiten und der Kosten, eine höhere Wiederverwendung der Programme und bessere externe Zusammenarbeit. Es gilt deutlich machen, dass sich mit Web-Services Möglichkeiten bieten, sowohl die Erträge zu steigern als auch die Kosten zu senken. Man muss ein Beispiel vorweisen. Auch sollte etwa in einem Drei-Jahres-Plan skizziert sein, wie sich Web-Services über die Wertschöpfungskette des Unternehmens und auch außerhalb der Unternehmens-Firewall ausbreiten.

Wovor würden Sie ein Unternehmen warnen, das über die Einrichtung von Web-Services nachdenkt?

Fersht: Es sollte nicht zu viel Geld auf einmal investieren werden. Wer sich bei der Bewertung der Optionen von Web-Services die folgenden Fragen stellt, ist auf der sicheren Seite:

  • Wie reduziere ich unnötige Entwicklungskosten?
  • Wie kann ich die Automatisierung zwischen Systemen verbessern?
  • Wie kann ich die Profitabilität meines Unternehmens verbessern?
  • Wie kann ich Sicherheitsprobleme angehen?
  • Wie kann ich Integrationsstandards zur effektiveren Verwaltung von Kunden, Lieferanten und Angestellten einsetzen?

Daraus resultieren insbesondere drei Warnungen:

  1. Das Unternehmen sollte unter allen Möglichkeiten diejenige Lösung auswählen, die am Besten auf dessen spezielle betriebswirtschaftliche und technologische Bedürfnisse passt. Es sollte nicht einfach die technologisch beste Lösung ausgewählt werden. Auch die Service- und Supportmöglichkeiten haben einen hohen Stellenwert. Bei der Implementierung der Lösung muss sicher gestellt sein, dass der Implementierungspartner Erfahrung beim Entwurf von Unternehmensprozessen in der betreffenden Branche hat.
  2. Bevor die Entscheidung fällt muss der Softwarehersteller gründlich durchleuchtet werden. Ist er finanziell gesund, kann er im Bereich SOA auf Referenzen verweisen? Welcher Ansicht sind die IT-Experten anderer Unternehmen, was ist in Expertenberichten, bei Standardisierungskommissionen oder in User-Groups über den Kandidaten ihrer Wahl zu erfahren?
  3. Zu guter Letzt das Budget. Es gilt sicher zu stellen, dass die Mittel dazu ausreichen, alle Aspekte des Web-Services-Projekts abzudecken. Dazu zählen auch die Tests und die Schulungskosten.
Sarah Z. Sleeper

Sarah Z. Sleeper

Leave a Reply