Servicefaktor Zeit

Feature | 20. Oktober 2008 von Prof. Dr. Christine Arend-Fuchs, SAP AG und Dr. Peter Bielert, Reyher 0

Mit RIO Scan erleichtert Reyher seinen Kunden die Erfassung des Lagerbestands Foto: F. Reyher Nchfg. GmbH & Co. KG

Megatrends wie Globalisierung, Marktkonsolidierung, steigende Energiekosten
und die Diversifikation des Vertriebs wirken sich auch auf den Großhandel aus. Als Intermediär zwischen Herstellern, Einzelhändlern und verarbeitenden Betrieben droht er an Bedeutung zu verlieren. Mit namhaften Vertretern der Branche hat SAP deren Lage, Erfolgsmodelle sowie die strategischen und operativen Anforderungen an die IT analysiert.

Bei vielen aktuellen Geschäftsmodellen geht es darum, sekundäre Betriebsprozesse im Auftrag anderer Unternehmen als externe Dienstleistung zu erbringen. Technisch möglich wird dies durch flexible IT-Infrastrukturen, die den Anbieter auf der Basis von Branchenstandards mit seinen Abnehmern vernetzen. So übernimmt das mittelständische Handelshaus Reyher die komplette C-Teile-Beschaffung im Kundenauftrag.

Großhandel holt auf

Reyher

Das Handelshaus Reyher zählt zu den führenden Anbietern von Verbindungs- und Befestigungstechnik in Europa. Im Jahr 2008 wird mit rund 450 Mitarbeitern ein Umsatz von gut 200 Millionen Euro erwirtschaftet. Grundlage des Geschäfts ist eines der umfänglichsten Sortimente der Branche mit etwa 110.000 vorrätigen Artikeln in einem einzigen hochautomatisierten Logistikzentrum mit über 180.000 Lagerplätzen.

Während Lieferanten, Einzelhandel und Logistiker ihre Informatik in den letzten Jahren in großem Umfang modernisiert und standardisiert haben, hinkt laut einer Studie des Marktforschungsinstituts IDC der Großhandel dem Trend hinterher. Setzten 62,7 Prozent der befragten westeuropäischen Einzelhändler ein ERP-System ein, so waren es unter den Großhändlern nur 45,5.

Obwohl die Branche hier Nachholbedarf erkennt und sich investitionsbereit zeigt, scheuen viele Unternehmen vor informations-
technischen Großprojekten zurück. Einen gangbaren Weg weist die serviceorientierte Systemarchitektur: Teile der Altsoftware können darin mit Applikationen beliebiger Hersteller auf einer Prozessplattform miteinander kombiniert und Neuanschaffungen sukzessive integriert werden.

Differenzierung durch Service

Der Verbindungs- und Befestigungsspezialist Reyher liefert aus einem hochautomatisierten Logistikzentrum gut 98 Prozent der bestellten Artikel binnen 24 Stunden aus. Ergänzend bietet er zwei Dienstleistungen an, die entlang der Wertschöpfungskette zur Produktivitätssteigerung durch Prozessintegration beitragen: Kanban in Form einer Lagerbewirtschaftung beim Kunden sowie E-Business für Abnehmer und Lieferanten.

Neben dem Normalverkauf werden somit die Kanban- und die E-Business-Abwicklung als Kernprozesse unterschieden. Zur informationstechnischen Unterstützung setzt Reyher seit kurzem SAP ERP im Release 6.0 ein. Dank gründlicher Planung mit zwei Test-Upgrades und der integrierten Werkzeuge zum Programmabgleich lief die Umstellung
nahezu fehlerfrei und ohne Verzug. Der veranschlagte externe Projektaufwand von 125 Tagen wurde mit drei Monaten deutlich unterschritten. Auf neuer Hardware ließ sich überdies die durchschnittliche Antwortzeit von 600 auf 350 Millisekunden verkürzen.

IT-Strategie auf vier Säulen

Um das SAP-Warenwirtschaftssystem herum setzt das Handelshaus zur Abbildung der Kernprozesse die folgenden vier Anwendungen ein:

  1. das Kanbansystem ROM (Reyher Order Management) zur Einlastung von Aufträgen mit Lagerbewirtschaftung;
  2. den Webshop RIO (Reyher Internet Order) mit großer Bedeutung für den Export;
  3. ein Produktdatensystem zur Artikelstamm- und Katalogpflege sowie
  4. das Reyher-Lagerhaltungssystem LVR.

Als Entscheidungsgrundlage benötigen sowohl die Kunden des Großhändlers wie dessen Ein- und Verkauf verlässliche Angaben zu Beständen und Konditionen. Beides finden sie im Reyher-SAP respektive im Webshop.

Um eine korrekte Auftragsabwicklung zu gewährleisten, gilt es, im Systemverbund vor allem die Artikelstammdaten, Partnerartikelnummern, Bestands- und Konditionsdaten in Echtzeit konsistent zu halten. Über SAP-Transaktionen sind ausführliche Statusinformationen sowie ein differenziertes Reporting verfügbar. Ein- und Verkäufer können sich in virtuellen Cockpits Artikel-, Kunden- und Lieferantendaten visuell aufbereiten lassen. Die Cockpits werden anhand der Belegbuchungen im System laufend aktualisiert. Daneben stehen den Nutzern Funktionen zur Überwachung und Steuerung von Aufträgen, Bestellungen und Retouren zur Verfügung.

Mit dem Wechsel auf das aktuelle SAP-ERP-Release steigt Reyher in die serviceorientierte Systemarchitektur ein. Über SAP NetWeaver kann das Handelshaus auf dem neuesten Stand der Technik künftig Schnittstellen insbesondere für überbetriebliche Anwendungen entwickeln. Im Rückgriff auf das wachsende Angebot an SAP-Services können den Kunden über gemeinsam genutzte Archive weitere Daten und Funktionen zugänglich gemacht werden. Auf Basis des SAP Records Management entsteht derzeit eine Lösung für den Sonderteile-Service. Im Fokus steht hier der Informationsfluss zwischen Ein- und Verkauf, in den neben SAP-Belegen auch CAD-Zeichnungen, MS-Office-Dokumente und E-Mails zu integrieren sind.

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