Serviceorientierte Architekturen etablieren sich

Feature | 18. Oktober 2006 von admin 0

Herausforderungen nach Unternehmensgröße

Herausforderungen nach Unternehmensgröße

Weltweit agierende Konzerne und Mittelständler müssen ihre von IT-Anwendungen unterstützten Geschäftsmodelle und -prozesse rasch und flexibel an neue Markterfordernisse anpassen. Die erforderliche Agilität erreichen die Firmen allerdings nicht mit monolithischen Anwendungslandschaften, bei denen ihnen die Integrationskosten über den Kopf wachsen. Notwendig sind vor allem ein verbessertes und transparentes Geschäftsprozessmanagement, kürzere Implementierungszeiten sowie auf Web-Services basierende Geschäftsprozesse, die sich wiederverwenden lassen. Wie eine von Peter S. Kastner, Vice President der Aberdeen Group, verantwortete Befragung unter mehr als 120 IT- und Geschäftsentscheidern in Großkonzernen und im Mittelstand herausfand, sehen die Unternehmen darin die wichtigsten Herausforderungen.

Auf den SOA-Zug aufspringen

Daher sind viele entweder schon auf den SOA-Zug aufgesprungen, oder sie beschäftigen sich zumindest intensiv mit der Einführung serviceorientierter Architekturen. Laut Aberdeen Group erklärten 90 Prozent aller Befragten, dass im Jahr 2006 SOA grundsätzlich auf der Tagesordnung stünde. Bereits jedes fünfte Unternehmen mit mehr als einer Milliarde US-Dollar Umsatz arbeitet schon länger als ein Jahr damit. Bei Firmen mit einem Jahresumsatz zwischen 50 Millionen und einer Milliarde US-Dollar sind es sechs Prozent und drei Prozent bei kleinen Betrieben mit weniger als 50 Millionen US-Dollar Umsatz.
Zu ähnlichen Ergebnissen kommen sowohl das Marktforschungshaus Ovum als auch die IT- und Management-Beratung Capgemini. Ovum befragte mehr als 300 Entscheider in Konzernen und im Mittelstand. Demnach nutzen 27 Prozent der Großunternehmen die neue Technologie, und immerhin 17 Prozent der Mittelständler gaben an, serviceorientierte Architekturen in einigen Unternehmensbereichen einzusetzen. Laut Capgemini realisiert derzeit knapp ein Drittel der Unternehmen SOA-Projekte, 18 Prozent beschäftigen sich noch mit dem Design, und 44 Prozent stecken in der Konzeptphase.

Unterschiedliche Anforderungen

Phasen der Umsetzung

Phasen der Umsetzung

Es stellt sich also nicht mehr die Frage, ob SOA kommen wird, sondern nur wann. Serviceorientierte Architekturen sind dabei, sich zu etablieren. Mit SOA Lite, SOA ERP und Enterprise SOA unterscheiden die Analysten der Aberdeen Group sogar schon drei Kategorien von SOA-Projekten, welche die unterschiedlichen Anforderungen der Firmen an eine SOA reflektieren. Ausgangspunkt ihrer Überlegungen ist, dass SOA-Projekte in großen Konzernen als deutlich komplexer eingestuft werden als Projekte im Mittelstand. Aufgrund einer größeren Vielfalt von Prozessen und Anwendungen haben Großkonzerne die höchsten Integrationsanforderungen zu bewältigen.
In der Kategorie SOA Lite dominieren mittelständische Firmen mit einem Umsatz unter 50 Millionen US-Dollar. Diese Firmen verwenden so gut wie keine Integrations-Plattformen und führen Web-Services zum ersten Mal ein.
Mit SOA ERP kann ein Unternehmen eine SOA in seine ERP-Umgebung einbetten, um daraus größeren geschäftlichen Nutzen zu ziehen. Ohnehin werten die Analysten Enterprise Resource Planning (ERP) als die Zugmaschine für SOA. Künftige ERP-Lösungen werden zunehmend serviceorientiert sein, sodass jeder Anwender die “Zutaten” für eine SOA bereits mit der Software erwirbt.
Für die Kategorie Enterprise SOA kommen laut Aberdeen Group nur Konzerne mit mehr als einer Milliarde US-Dollar Umsatz pro Jahr in Frage. Diese haben zwar aufgrund komplexer, plattformübergreifender Integrationsanforderungen am meisten in SOA-Projekte investiert, ziehen aber gleichzeitig den größten Nutzen daraus. 40 Prozent der Unternehmen dieser Kategorie sammeln bereits seit mehr als einem Jahr Erfahrungen mit SOA-Projekten. Die Aberdeen Group bezeichnet sie deshalb auch als die “reifste Gruppe”.

Für jede Größe das passende Konzept

Für jede dieser Kategorien hat SAP im Rahmen ihrer Roadmap für die Enterprise Service-Oriented Architecture (Enterprise SOA) die passende Antwort. Eine Enterprise SOA besteht aus servicebasierten Unternehmenslösungen, die auf technologischer Seite auf der Plattform SAP NetWeaver basieren. Geschäftslogik wird in Form von Enterprise Services bereitgestellt, die sich für kommende Anforderungen rasch und flexibel kombinieren lassen. Das schafft die notwendige Flexibilität und Offenheit, um neue Geschäftsmodelle schneller umzusetzen und Prozesse zu automatisieren.
Entsprechend der Roadmap ist mySAP ERP bereits vollständig serviceorientiert, denn die Software baut auf der flexiblen und offenen Plattform SAP NetWeaver auf. Damit unterstützt mySAP ERP unternehmensübergreifende Geschäftsprozesse und bietet zudem die Möglichkeit, alle betrieblichen Kernprozesse über ein intelligentes Fundament miteinander zu verbinden. Bis 2010 stehen alle neuen Funktionen der ERP-Standardsoftware als optionale Erweiterungspakete zur Verfügung. SAP-Kunden können damit ihre zentralen Geschäftsanwendungen bei Bedarf um neue Technologien und Prozessinnovationen erweitern. So lassen sich unterschiedlichste Anforderungen erfüllen.

Geschäfts- und IT-Ziele erreichen

Ziele nach Branchen

Ziele nach Branchen

Unternehmen, die eine SOA einführen, erwarten zum einen, dass sich ihre Ausgaben rasch amortisieren und die Kosten für den Betrieb der IT – beispielsweise durch Konsolidierung – langfristig sinken. Zum anderen soll eine SOA in Form neuer und innovativer Geschäftsmodelle direkten geschäftlichen Nutzen bringen und die Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Der Aberdeen-Studie zufolge implementieren im Branchendurchschnitt sogar mehr als 50 Prozent der Unternehmen eine SOA primär, um neue Geschäftsmodelle und -prozesse zu entwickeln und einzuführen. Dabei gewichten die einzelnen Branchen ihre IT- und Geschäftsziele zum Teil völlig unterschiedlich.
Die spannende Frage lautet nun, ob Unternehmen mit einer SOA IT- und Geschäftsziele gleichermaßen erreichen. Nach einer Umfrage des Analystenhauses Ovum unter mehr als 330 Unternehmen muss die Antwort lauten: ja – zum Teil. Zehn Prozent der Großkonzerne und sieben Prozent der Mittelständler gehen davon aus, dass sie mit einer SOA alle IT- und Geschäftsziele erreicht haben. 36 Prozent der Konzerne und 33 Prozent der Mittelständler haben entweder IT- oder Geschäftsziele realisiert.
Aberdeen ermittelte, dass bei wirtschaftlich überdurchschnittlich erfolgreichen Firmen – so genannte “Best in Class”-Unternehmen – die Kosten einer SOA-Einführung etwa elf Prozent unter dem jeweiligen Branchendurchschnitt liegen. Zu interessanten Ergebnissen kommt außerdem das Analystenhaus Berlecon Research, das SOA-Projekte in der Praxis unter die Lupe genommen und die Ergebnisse anonymisiert veröffentlicht hat. Übereinstimmend berichten die Unternehmen von einer deutlich erweiterten Flexibilität ihrer IT, die häufig von Kosteneinsparungen begleitet ist. Ein international tätiger Finanzkonzern sparte laut eigenen internen Berechnungen bisher 20 Millionen Euro ein, weil er Dienste wiederverwenden konnte und nicht neu entwickeln musste. Ein mittelständischer IT-Dienstleister reduzierte so seine Entwicklungskosten um rund 50 Prozent und kann Services nun effizienter, wirtschaftlicher sowie kundenorientierter anbieten.

Gut geplant ist halb gewonnen

Doch Vorsicht! Bevor sich Einsparungen erzielen lassen, muss erst einmal Geld ausgegeben werden. Die Kosten einer SOA-Einführung sind nicht zu unterschätzen, denn der Aufwand, um Konzepte und Richtlinien festzulegen und erste Services zu entwickeln, ist hoch. “Die ersten SOA-Projekte benötigen daher entsprechend höhere personelle und technische Ressourcen sowie Budgets”, erläutert Joachim Quantz, Chefanalyst bei Berlecon Research. Um SOA-Projekte – die sich durchaus über mehrere Jahre hinziehen können – erfolgreich abzuschließen, sind außerdem eine stringente Planung und Umsetzung sowie ein effizientes IT-Service-Management unerlässlich.
Doch SOA-Projekte betreffen nicht ausschließlich die IT, vielmehr wirken sie sich auf das gesamte Unternehmen aus. “Zwar schafft die Informationstechnologie die Voraussetzungen, doch im Grunde ist es eine Frage der unternehmensstrategischen Ausrichtung”, stellt Martin Raab, Vice President bei der IT- und Managementberatung Capgemini, fest. Damit wird ein Schulterschluss zwischen der IT-Organisation und den einzelnen Fachabteilungen zwingend erforderlich. Erst ein SOA-Team, das sich aus Mitarbeitern beider Bereiche zusammensetzt, kann die technischen und organisatorischen Vorgaben wesentlich effizienter planen, erstellen, umsetzen und Compliance-Anforderungen wie die Genehmigung neuer Dienste überwachen. Wer zugleich sein SOA-Projekt mit einem modernen und flexiblen IT-Service-Management (ITSM) koppelt, das sich an Best Practices wie ITIL orientiert, hat sehr gute Erfolgsaussichten. Laut Ovum-Analystin Mary Johnston Turner ist nämlich die Wahrscheinlichkeit, IT- und Geschäftsziele zu erreichen, bei Unternehmen, die ein modernes ITSM bei der SOA-Implementierung einsetzen, doppelt so hoch wie bei Unternehmen mit “traditionellem” Service-Management.
Ob SOA Lite, SOA ERP oder Enterprise SOA – eines steht für Aberdeen-Analysten Peter S. Kastner fest: Jede SOA-Einführung gleicht einer Reise, an deren Beginn der Weg festgelegt werden muss. Wer ihn dann später ändert oder verlässt, riskiert, dass Projekte ins Stocken kommen und Kosten steigen und die Reise nicht zum Ziel führt.

Dr. Andreas Schaffry

Dr. Andreas Schaffry

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