Interview: Software für den Ladentisch

Feature | 12. November 2010 von Sophie Kirsten 0

Prof. Horst-Fritz Siller und Jens-Uwe Holz von Itellium

Prof. Horst-Fritz Siller und Jens-Uwe Holz von Itellium

SAP.info: Wie kam die Kooperation zwischen Itellium und Siller zustande?

Holz: „Es gibt einen gemeinsamen Bekannten, der schon seit vielen Jahren im SAP-Umfeld aktiv ist und unsere Unternehmen sehr gut kennt. Er hatte den Eindruck, dass wir in vielen Punkten  gut zueinander passen würden – so kam ihm die Idee einer Kooperation. Den Ratschlag, uns mal an einen Tisch zu setzen, haben wir in Form eines Abendessens dann auch umgesetzt. Schnell war klar, dass sowohl die geschäftliche als auch die persönliche Chemie stimmt.“

Siller: „Es hat sofort gefunkt (lacht). Unsere Organisationen gleichen sich sowohl von der Qualifikation der Mitarbeiter als auch vom Anspruch an die Qualität. Zudem lag nach dem ersten inhaltlichen Austausch der Nutzen einer Kooperation auf der Hand.“

SAP.info: Von den ersten Gesprächen bis zur fertigen Kooperation – wie lange hat das gedauert?

Holz: „Nach dem ersten Kennenlernen tauschten wir im Frühjahr 2010 konkrete Ideen aus. Organisatorisch ist nun alles geregelt, auch die vertraglichen Strukturen sind geklärt. Insgesamt hatten wir alles in kürzester Zeit unter Dach und Fach.“

Siller: „Nach gegenseitigen Besuchen der Teams waren schnell alle Themen klar, die gemeinsam angegangen werden sollten. Unsere SAP-Branchenlösung RetailFit ist die Basis der Kooperation und soll gemeinsam weiterentwickelt werden. Bei Gesprächen zwischen den Teams wurde deutlich, dass fachlich und persönlich auch hier alles stimmte.“

Holz: „Meine Mitarbeiter waren nach dem Treffen sogar richtig begeistert von RetailFit. Das ist eine in sich geschlossene Lösung – ohne Lücken und perfekt auf unseren Zielmarkt zugeschnitten.“

SAP.info: Die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit sind also erfüllt – was genau versprechen Sie sich von der Kooperation?

Holz: „Itellium war bisher hauptsächlich für große Unternehmen im Handel tätig. Nun wollten wir unsere Prozess- und Technologiekompetenz auch in den mittelständischen Sport- und Fashionhandel einbringen. Wir hatten zwar bereits einige Lösungen für diesen Bereich im Angebot, aber es fehlte ein wichtiges Element: Eine durchgängige Lösung, mit der wir Mittelständlern eine Plattform für alle Geschäftsprozesse bieten können. Die haben wir bei Siller gefunden, genauso wie eine langjährige Erfahrung im Mittelstand. Zusammen können wir unseren Kunden nun einen Mehrwert der ganz besonderen Art bieten: Nicht nur die richtige Plattform und Erfahrung, sondern auch die richtigen Lösungen und Kompetenzen für wachstumsorientierte Unternehmen.“

Siller: „Uns haben für anstehende Aufgaben schlicht die nötigen Mitarbeiter gefehlt. Wir hätten in den nächsten zwei Jahren mindestens zehn neue Stellen mit sehr unterschiedlich ausgeprägten Kompetenzen schaffen müssen. Das wäre wahrscheinlich nicht machbar gewesen. Mit RetailFit konzipierten wir eine erfolgreiche SAP-Lösung für ein ganz bestimmtes Marktsegment. Aber bei größeren Unternehmen hätten wir passen müssen. Durch die Partnerschaft mit Itellium können wir Kunden flexibler betreuen und ein breites Prozessspektrum abdecken.“

SAP.info: SAP ist also ein Kernelement Ihrer Zusammenarbeit. Haben Sie noch Wünsche oder Anforderungen an SAP – speziell für ihre Kooperation?

Siller: „Wir haben in den letzten Jahren einen enormen Wandel wahrgenommen, was SAP-Lösungen für den Handel angeht. Kunden haben uns vor einiger Zeit noch ungläubig angeschaut, wenn wir SAP erwähnt haben. Heute herrscht Begeisterung, wenn wir ihnen den vollen Funktionsumfang der Software vorstellen. Trotzdem habe ich noch einen großen Wunsch an die SAP: Bitte kein Customizing mehr für den Mittelstand.“

Holz: „Das ist ein guter Wunsch. Bei großen Unternehmen ist Customizing für die Ausprägung der Geschäftsprozesse nötig, hierdurch entstehen Hebel für die Positionierung im Wettbewerb. Der Mittelstand lebt jedoch von seiner Reaktionsfähigkeit. Eine Lösung, die erst noch angepasst werden muss, ist nicht sofort einsatzfähig – und damit unbrauchbar. Wir haben als IT-Dienstleister für den Mittelstand mit RetailFit das Customizing ja schon durchgeführt und abgeschlossen. RetailFit enthält in wesentlichen Bereichen bereits Best Practice-Prozesse. Wir können natürlich nachträglich noch individuelle Anpassungen machen – aber wichtig ist, dass die Lösung RetailFit sofort einsatzbereit ist.“

Siller: „SAP sollte außerdem seine Kommunikation mehr auf den Mittelstand fokussieren. Die Leute müssen sich angesprochen und abgeholt fühlen, damit sie SAP-Lösungen ihr Vertrauen schenken.“

SAP.info: Man merkt deutlich, dass Sie den Mittelstand sehr gut kennen und ernst nehmen – immerhin liegt der Fokus der Siller AG auch seit fast 35 Jahren auf dem mittelständischen Einzelhandel. Welchen Herausforderungen müssen sich Ihre Kunden zurzeit und in naher Zukunft stellen?

Siller: „Die Unternehmen müssen jetzt wieder Investitionen planen und umsetzen, unter anderem für IT. Es ist bei vielen an der Zeit, alte Lösungen und Systeme durch neue und bessere zu ersetzen. Aber gerade im Handel müssen auch Investitionen in die gesamte Infrastruktur stattfinden. Die Entwicklung neuer Filialen ist zum Beispiel ein Punkt.“

Holz: „Ich denke auch, dass viele mittelständische Unternehmen ihre IT-Landschaft erneuern müssen. Eine andere große Chance für den Einzelhandel sind außerdem Webshops, die längst noch nicht die Rolle spielen, die sie könnten. Hier ist das Ausland häufig weiter als wir. Auch Webshops bieten wir im Rahmen unserer Zusammenarbeit an – dann natürlich mit perfekter Integration in RetailFit.“

SAP.info: Welche Rolle spielen Webshops denn im Vergleich zu echten Filialen?

Holz: „Das kann man pauschal nicht sagen, das hängt von den einzelnen Unternehmen ab. Es fällt jedoch auf, dass ein sehr hoher Prozentsatz im mittelständischen Einzelhandel noch keinen Webshop betreibt, teilweise noch nicht mal einen nennenswerten Webauftritt besitzt. Da entgeht vielen Unternehmen eine große Chance, den Umsatz zu steigern. Andererseits sollte ein mittelständisches Unternehmen mit einem total veralteten System auch nicht einfach so einen Webshop eröffnen.“

Siller: „Da stimme ich zu. Viele Einzelhändler denken, man könne nebenher ein bisschen Webshop machen. Doch es steckt viel Arbeit hinter einem erfolgreichen Onlinevertrieb. Wenn Unternehmen in den E-Commerce einsteigen wollen, müssen sie auch hier Investitionen planen.“

SAP.info: Der E-Commerce ist also ein Thema, das große Chancen für den mittelständischen Einzelhandel birgt. Welche Technologien werden hier noch mit reinspielen?

Holz: „Ich glaube, dass mobile Endgeräte gerade für den Handel sehr interessant sind und dort eine große Rolle spielen werden – diesen Eindruck vermitteln auch unsere Kunden. Man kann ja bisher nur erahnen, was mit diesen inzwischen schon sehr leistungsstarken Technologien möglich sein wird. Hier bringen beide Seiten ihr Wissen ein, von dem unsere Kunden profitieren werden. Außerdem muss man das auch aus Sicht des Endkunden sehen: Viele erwarten mittlerweile von einem zeitgemäßen Unternehmen, dass sie über das Internet auch angesprochen werden. Mittelfristig wandelt sich hier die Chance von heute in eine notwendige Geschäftsausstattung.“

Siller: „Sowohl bei Siller als auch bei Itellium gibt es eigene Entwicklerteams, die sich speziell mit dem Thema Mobile Computing beschäftigen. Wir sind optimistisch, dass wir in Zukunft mit unserem gebündelten Wissen eine gute Produktpalette für diesen Bereich anbieten können.“

SAP.info: Gibt es neben Mobile Computing noch weitere Trends, auf die sie setzen?

Siller: „Wir warten gespannt auf den Marktstart von SAP Business ByDesign. Das Produkt ist unserer Ansicht nach für den Mittelstand prädestiniert. Das Konzept ist stimmig, denn letztendlich will sich ein Mittelständler nicht mit Computertechnologien auseinandersetzen, sondern nur mit der Applikation, und er will den schnellen, direkten Nutzen. Die Herausforderung für SAP und auch für uns Partner wird sicherlich sein, das Produkt erfolgreich im Markt zu platzieren.“

SAP.info: Wollen Sie diese Herausforderung gemeinsam angehen? Und können Sie sich vorstellen, Ihre Zusammenarbeit in Zukunft noch zu erweitern?

Holz: „SAP Business ByDesign fällt ganz klar in den Rahmen unserer jetzigen Kooperation, damit werden wir zusammen auf unsere Kunden zugehen. Einen Ausbau der Kooperation kann ich mir auch gut vorstellen und ich habe sogar schon ein paar Ideen. Aber jetzt konzentrieren wir uns erstmal auf den mittelständischen Einzelhandel, um unsere Ziele zu erreichen.“

SAP.info: Was genau sind denn Ihre Ziele?

Siller: „Gemeinsames, starkes Wachstum im mittelständischen Einzelhandel. Durch die gebündelten Kompetenzen können wir Kundenprojekte effizient und deutlich schneller umsetzen.“

Holz: „In der Summe bringen wir zusammen sehr viel mehr Erfahrung mit. Davon profitieren natürlich unsere Kunden. Ich verspreche mir von der Zusammenarbeit vor allem begeisterte Kunden, die unsere langjährigen Partner werden.“

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