Ende der Dienstleistungsgesellschaft

Feature | 19. Januar 2011 von Frank Völkel 0

Hemdsärmlig mit Zukunfts-Thesen: IBM-CTO Gunter Dueck (Foto: Frank Völkel)

Hemdsärmlig mit Zukunfts-Thesen: IBM-CTO Gunter Dueck (Foto: Frank Völkel)

Der Innovationsgipfel ist ein branchenübergreifendes Treffen von Forschern und Entwicklern, die etwas bewegen wollen. Auf dieser Plattform werden jedes Jahr Ideen und Innovationen vorgestellt, die Impulse für neue Geschäftsmodelle liefern sollen. Zum vierten Mal fand die Veranstaltung unter dem Motto “Nachhaltige Innovationen und Strategien” in München statt, die als Spitzentreffen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Forschung und Medien angesehen wird. Nach der Eröffnung durch den stellvertretenden Bayerischen Ministerpräsident Martin Zeil, hielten die Referenten aus der Industrie ihre Vorträge.

So sprach Dr. Peter Waldmann von BMW über automatisiertes Fahren im Straßenverkehr, das schon bald umgesetzt werden könnte. Als Beispiel für eine nachhaltige Entwicklung zeigte er den Entwicklungsprozess des BMW Tracktrainers zum Nothalteassistenten. Bei einem gesundheitlich bedingten Notfall des Fahrers manövriert der elektronische Assistent in einem autonomen Fahrmodus, kontrolliert an den rechten Straßenrand, hält an und sendet ein Notrufsignal.

Das Ende der Dienstleistungsgesellschaft droht!

Für besondere Aufmerksamkeit sorgte die Darbietung von Prof. Dr. Gunter Dueck, der über grundsätzliche Entwicklungen in der Industriegesellschaft referierte. So stellte Dueck beispielsweise die These auf, dass Wissen, welches sich innerhalb von zwei Stunden über das Internet aneignen lässt, kaum als Mehrwert für ein Geschäftsmodell taugt. “Wir müssen uns auf den Weg der Mehrwissensgesellschaft begeben” – das ist die Sicht des Buchautors und Querdenkers Dueck, der gleichzeitig die Funktion des IBM-Technikchefs (CTO) bekleidet. Schließlich bietet das Internet und die fortschreitende Vernetzung eine immer höhere Transparenz, die so manches erfolgreiche Geschäft ins Wanken bringt.

Mit dem Blick in die Runde sprach Gunter Dueck davon, dass sich heutige Premium-Anbieter ständig neu erfinden müssen. Er postulierte, dass in naher Zukunft immer mehr “Spezialunternehmen” für Vereinfachung im Markt sorgen und damit die etablierten Unternehmen bedrängen werden. Er führte weiter aus, dass sämtliche administrativen Prozesse im Online-Browser zu erledigen seien – derzeit wird dieses Thema auch im Zusammenhang mit Cloud-Computing als Hype gefeiert – und demzufolge an dieser Stelle viele Arbeitsplätze obsolet sind (Online-Banking, Versicherung, Reisen, Postfiliale, eGovernment).

Die ITK-Branche sorgt für neue Geschäftsfelder (Foto: Frank Völkel)

Die IT-Branche sorgt für neue Geschäftsfelder (Foto: Frank Völkel)

Provokant stellte Dueck die Frage in den Raum: Was wird aus Lehrern, Ärzten, Apothekern, Rechtsanwälten, Head-Huntern, Bankern, Agenten, Reisebüros oder Bürohäusern, wenn sich sämtliche Informationen per Mausklick zusammentragen lassen? Der Markt entwickelt sich weiter in Richtung Spezialisten – und Expertentum. Trotz der zunehmenden Vernetzung. Dueck plädiert dafür, dass neue Industrien erfunden werden müssen, da prinzipiell das alte Geschäft einem stetigen Preisverfall unterlegen ist. Im Trend liegen beispielsweise die Nano-, Bio-, Umwelt-, Medizin-, Gen-, Solar- und Culture-Technologie.

Er erinnerte an die Initiative “Smart Planet”, die 2008 von IBM gestartet wurde und konkrete Vorschläge für die gesellschaftlichen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts bündelt. Im Kern geht es bei “Smart Planet” darum, wie IT zu intelligenterem, effizienterem und ökologischerem Handeln beitragen kann.

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Innovationsgipfel München 2011: Der Weg zur Mehrwissensgesellschaft (Foto: Frank Völkel)

Christian Berg von SAP skizzierte Nachhaltigkeit

Christian Berg von SAP skizzierte Nachhaltigkeit

Zu Beginn seines Vortrags verwies Prof. Dr. Christian Berg, der bei SAP für das Thema Nachhaltigkeit verantwortlich ist, auf die dramatisch gestiegenen Preise für Energie und Rohstoffe.  Diese Knappheit würde jedoch dazu beitragen, dass in vielen Bereichen der Industrie die Innovationen vorangetrieben werden. Für Unternehmen sei beispielsweise effizientes Management von Ressourcen ohne ERP-Software schon lange nicht mehr möglich. Denn die zunehmende Datenflut, gesetzliche Regulierungen und erhöhte Anforderungen an Transparenz und Controlling erfordern optimierte Geschäftsprozesse, die nachhaltiges Wirtschaften ermöglicht.

Damit stehe SAP als weltgrößter Softwarehersteller im Business-Segment in der Verantwortung gegenüber den 105.000 Kunden. Berg sprach die Software SAP Carbon Impact an, die zu einer Senkung des CO2-Ausstoßes beitragen kann, indem Prozesse und Lieferketten bezüglich ihrer Emissionen einbezogen werden. Immerhin erzeugen alle SAP-Kunden zusammengenommen 1/6 des weltweiten CO2-Ausstoßes.

Weiterhin verwies Christian Berg auf den Nachhaltigkeitsbericht von SAP, der ausschließlich online am Ende eines jeden Quartals zur Verfügung steht und wo es auch keine Druckfunktion gibt.

Ohne ERP-Software kommt kein effizientes Unternehmen mehr aus

Ohne ERP-Software kommt kein effizientes Unternehmen mehr aus

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