Smart Cities: Effiziente Verwaltung und präzise Prognosen

13. Mai 2013 von Judith Magyar 0

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Alexandre Cardeman, CIO der Managementzentrale Rio de Janeiro (Foto: Managementzentrale Rio de Janeiro)

Intelligente Menschen versuchen, aus Informationen Schlüsse zu ziehen, und analysieren Abläufe, um neue Möglichkeiten zu finden, ihr Umfeld zu verbessern. Bei Städten ist es nicht anders. Laut Wikipedia – einem bemerkenswerten Beispiel für kollektive Intelligenz – sind Smart Citys dadurch gekennzeichnet, dass sie Systeme und Sensoren sinnvoll einsetzen, um Informationen zu sammeln, mit deren Hilfe Probleme wie Verkehrsstaus gelöst werden können. Intelligent Citys tun dies ebenfalls, heben sich aber dadurch ab, dass sie alle Dimensionen der menschlichen, kollektiven und künstlichen Intelligenz in der Stadt miteinander verknüpfen.

Vor zwei Jahren richtete Rio de Janeiro eine Managementzentrale ein, die das Stadtmanagement revolutioniert und Tausende von Besuchern aus der ganzen Welt anzieht, die von dem neuen Modell lernen wollen. Hunderte von Kameras und zahllose weitere Sensoren und Geräte, die über die ganze Stadt verteilt sind und ihre Daten auf eine riesige Videowand streamen, machen Rio zur Smart City. Durch die Zusammenarbeit mit dem meteorologischen Institut und die Beobachtung des Geschehens auf groß projizierten Google-Karten wissen die Stadtmanager sofort, wenn sich irgendwo ein Zwischenfall ereignet, sei es ein Unfall, ein Stromausfall oder Starkregen, und können im Idealfall sogar schon im Vorfeld reagieren. Was Rio intelligent macht, ist die Art und Weise, in der Bürger und Behörden alle Arten von Informationen integrieren.

Die sozialen Medien spielen dabei eine entscheidende Rolle. Die Bürger sind aufgerufen, das Bürgerportal der Stadt Rio zu nutzen und sich mittels Facebook, Twitter, Instagram und YouTube in das Stadtmanagement einzubringen. Sie können nicht nur Informationen abrufen und sich über Verwaltungsabläufe informieren, sondern auch Wünsche oder Beschwerden äußern und so Einfluss darauf nehmen, wie die Stadt geführt wird.

Auch Social-Media-Analysen können helfen

Sanjay Poonen, President der Technology Solutions and Mobile Division bei der SAP, schildert in einem Blog-Beitrag seine Eindrücke von einem Besuch in Rio. „Alexandre Cardeman, der CIO der Managementzentrale, hat mir erzählt, dass sie während des diesjährigen Karnevals eine Häufung von Wörtern wie ,hässlich‘, ,eklig‘ und ,peinlich‘ in Tweets bemerkt haben“, berichtet Poonen. „Als sie dann mit den Kameras auf die Orte gezoomt haben, von denen aus die Nachrichten gesendet wurden, sahen sie, dass die erste Sambaschule beim Umzug viel Müll hinterlassen hatte. Die Stadtmanager benachrichtigten die Müllabfuhr, die die Straße reinigen konnte, bevor die nächste Gruppe vorbeidefilierte.

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Die Menschen hinter der intelligenten City. (Foto: Managementzentrale Rio de Janeiro)

Durch die Kooperation von Stadtverwaltung und Bürgern sowie mithilfe von Analysefunktionen wie die Sentiment-Analytics-Lösungen von SAP und SAP BusinessObjects BI erreicht Rio ein besseres Stadtmanagement. Durch die Integration von Daten aus über 30 kommunalen, bundesstaatlichen und nationalen Behörden von Arbeitsämtern bis hin zum Gesundheitswesen profitiert Rio vom allseitigen Informationsaustausch. Während früher jede Behörde für sich arbeitete und wenig oder gar keinen Einblick in die Tätigkeit der anderen hatte, agieren die Behörden heute als eine große Einheit.

Rio verdeutlicht sehr gut, warum Brasilien zu den vier Ländern gehört, die nach der M2M-Umfrage von SAP in Kooperation mit Harris Research am besten zur Förderung von vernetzten, smarteren Städten gerüstet sind. Auf die Frage nach dem größten Vorteil von M2M-Technologie (Machine-to-Machine) nannten über ein Drittel der weltweit 750 befragten IT-Entscheidungsträger die Fähigkeit, das Leben in der Stadt durch ein „smarteres“ Stadtmanagement zu verbessern.

M2M: Maschinen, Menschen, ERP, CRM und soziale Netze verknüpfen

„Die Zahl der ans Internet angeschlossenen Dinge wird bis 2020 auf 50 Milliarden steigen, und Verbraucher, die ja gleichzeitig Bürger sind, spielen bei dieser Transformation eine zentrale Rolle“, erklärt Poonen. „Heute wird M2M-Technik vor allem dazu genutzt, riesige Mengen von Daten zu sammeln, die von Maschinen und Menschen generiert werden. Das Konzept des Internet der Dinge geht noch einen Schritt weiter, indem es nicht nur Maschinen, Menschen, ERP, CRM und soziale Netzwerke miteinander verknüpft, sondern all diese Daten auch analysiert und nutzt.“

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In Rios Managementzentrale (Foto: Managementzentrale Rio de Janeiro)

Zu was schließlich sollen Daten nütze sein, wenn man sie nicht sinnvoll interpretieren kann? Die Innovationsfähigkeit und die Fähigkeit, mit Unwägbarkeiten umzugehen, sind wichtige Maßstäbe der Intelligenz, weshalb eine der prägenden Eigenschaften einer intelligenten Stadt darin besteht, wie gut sie Daten für Prognosen nutzt. Durch analytische Werkzeuge können intelligente Städte bessere Vorhersagen treffen, die Entscheidungsfindung beschleunigen und die öffentliche Verwaltung verbessern. Indem sie ihr ganzes Wissen bündeln, können Städte wie Rio de Janeiro ihren Bürgern beispielsweise helfen, sich besser gegen die Unwägbarkeiten des Wetters in den Tropen zu wappnen, indem sie Frühwarnungen herausgeben und die Menschen in Sicherheit bringen, bevor Erdrutsche oder Überflutungen Menschenleben fordern.

Montreal: Taxiunternehmen, Entertainment-Anbieter und Medien tun sich zusammen

Während die meisten Städte sich auf eine effizientere Verwaltung konzentrieren, nutzen einige die Technik auch, um sich freundlicher zu präsentieren. Mit SAP Precision Retailing hat Montreal Dankeschön-Pakete für Bürger entwickelt, die den öffentlichen Nahverkehr nutzen. Die Société de Transport de Montréal (STM) hat sich mit Einzelhändlern, anderen Transportpartnern wie zum Beispiel Taxiunternehmen sowie Entertainment-Anbietern und Medien zusammengetan, um den eine Millionen Nutzern der OPUS Card maßgeschneiderte Angebote zu machen.  „Als Dankeschön dafür, dass Sie mit jeder Fahrt mit uns dazu beitragen, die Bäume zu schützen“, so der STM-Vorsitzende Michel Labrecque, „haben wir die App STM Merci entwickelt, die Ihnen personalisierte Angebote und Vorschläge schickt, die aufgrund ihres Preises und ihrer ortsbezogenen Relevanz attraktiv sind.“  Eine Echtzeit-App mit Standortbestimmung, die Käufer von der Straße in die Läden bringt, macht nicht nur den mobilen Bürgern das Leben leichter, sondern fördert auch die örtliche Wirtschaft und ermöglicht einen besseren Service für die Verbraucher. Wenn das keine smarte Art ist, merci zu sagen!

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