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Marktplatz für große Ideen: Smart Cities

Feature | 15. Dezember 2016 von Stephan Magura 0

Inzwischen bezeichnet sich fast jede größere Stadt als Smart City. In Barcelona zeigten Weltmetropolen wie Wien, New York, Dubai, Pune, und Tel Aviv, was sie ihren Bürgern zu bieten haben. Doch: Lebt es sich dort wirklich besser? Gibt es einen Gradmesser, um die besten Smart Citys zu ermitteln?

„Städte für Städter“ lautete das Motto des diesjährigen „Smart City Expo World Congress“ im November. Es hätte auch „Technologie für Macher“ sein können. Denn die Nachfrage nach Informationen zu IT-gestützten Werkzeugen, die bei der Realisierung von Smart-City-Konzepten helfen sollen, war enorm.

Im Vortrag „Disruptive Technologies Transforming Cities“ diskutierten die Protagonisten unter anderem darüber, inwieweit Design Thinking oder Blockchain die Weiterentwicklung von Städten befruchten könnten. Trotz unterschiedlicher Meinungen war man sich auf dem Podium einig, dass Fortschrittsgläubigkeit allein ein schlechter Ratgeber für Städteplaner wäre: Wer etwa die Vorteile des autonomen Fahrens propagiere, müsse auch eine Antwort auf die Frage finden, wie man Busfahrer weiterbeschäftigen könne.

IoT macht Transformation möglich

Technologie für den urbanen Raum ist niemals Selbstzweck, auch nicht für die „smartesten“ Städte. Sie hat sich immer an den strategischen Zielen visionärer Stadtentwicklung zu orientieren. „Die digitale Transformation einer Stadt wird nicht ausschließlich durch Technologie vorangetrieben“, schreibt Smart-City-Experte Hazem Galal im Fachmagazin Cities Today. Zwar seien IT und Kommunikationstechnik zur Umsetzung unverzichtbar; das Konzept reiche aber weiter und baue auf einer gemeinsamen Vorstellung der Bürger darüber auf, was eine gute Zukunft in der Stadt ausmache, so Galal weiter.

Herz an Heidelberg verloren

Einem Bericht der Rhein-Neckar-Zeitung zufolge will die kalifornische Stadt Palo Alto ihre Beziehungen zu Heidelberg ausbauen. Die lose Kooperation sei bislang über das Netzwerk „Smart Cities Alliance“ gepflegt worden.

Diese Nachricht habe Heidelbergs Oberbürgermeister Eckart Würzner von einem Besuch im Silicon Valley Anfang November mitgebracht. „Sie wollen die bestehende, strategische Partnerschaft in eine echte Partnerschaft umwandeln“, zitiert die Zeitung den OB. Würzner: „Ich begrüße diesen Wunsch. Das ist in diesen Zeiten eine deutliche Absage an jede Form der Abschottung.“

Bevor die Stadtoberen ihre Reise zur Smart City antreten, sollten sie laut Galal erst einmal eine konkrete Roadmap entwickeln und ihre Bürger einbeziehen. Dazu sei es immens wichtig, „die richtigen Fragen zu stellen“, erklärte SAP-Managerin Barbara Flügge (Cross Industry and IoT Taskforce lead) im Rahmen einer Gesprächsrunde zu „Big Data for more responsive and human cities“. Was treibt die Stadt um? Welche Ziele sollen verfolgt werden? Wie sehen die Vorteile für die Bürger aus? Eine Kommune, die Gefahr läuft, dass Unternehmen sich andernorts niederlassen, weil dort bessere Rahmenbedingungen zur Industrieansiedlung geschaffen werden, hat andere Sorgen als eine Stadt, die ihr Müllaufkommen reduzieren muss.

Handlungsfelder mit Urban Analytics identifizieren

In ihrer Präsentation beschrieb Flügge, wie die SAP vorgeht, um mit „Urban Analytics“ zum Kern dessen vorzudringen, was ihre städtischen Kunden bewegt – damit man anhand der Analyseergebnisse anschließend konkrete Handlungsfelder identifizieren kann. Dabei sollte man eine Entwicklung keinesfalls außer Acht lassen, so Flügge: Wie lässt sich vorherintexteinfugen_500sagen, was diejenigen brauchen, die künftig nicht in der Stadt wohnen wollen oder können?

Die Probleme der Landflucht sind untrennbar mit dem Trend zur Urbanisierung verbunden. Die Bewohner ländlicher Regionen warten immer noch auf langfristige Lösungen.

Future City auf Finnisch

Großer Anspruch: Tampere (rund 380.000 Einwohner) will nichts weniger als die smarteste Stadt der Welt werden. Dabei setzt die Verwaltung unter anderem auf eine enge Kooperation zwischen der lokalen Industrie und den erstklassigen Universitäten vor Ort. Gemeinsam mit Partnern will man ein Netzwerk schaffen, das die Stadt in wichtigen Bereichen zukunftsfähig macht. Die SAP war eines der ersten Unternehmen, das eingeladen wurde, um die Kommune bei dieser Entwicklung zu unterstützen.

Das Potenzial für interessante Projekte sollte vorhanden sein. Inzwischen bezeichnet sich fast jede größere Stadt als Smart City. In Barcelona zeigten Weltmetropolen wie Wien, New York, Dubai, Pune, und Tel Aviv, was sie ihren Bürgern zu bieten haben. Doch: Lebt es sich dort wirklich besser? Gibt es einen Gradmesser, um die besten Smart Citys zu ermitteln?

Allgemeine Ranglisten helfen hier nicht weiter, so lautete der Tenor der Sprecher, die während des Kongresses zum Thema „Benchmarking City Performance: Indicators, Metrics, Standards“ Stellung nahmen. Städte hätten unterschiedliche Anforderungen und seien aufgrund ihrer individuellen Entwicklung und Ausgangssituation nicht miteinander vergleichbar, sagte SAP-Vertreterin Marlyn Zelkowitz (Director Future Cities and IoT).

Benchmark mit anderen Städten via Dashboard

Sie stellte zwei Dashboards vor, die die SAP für die texanischen Städte Houston und McKinney entwickelt hat. Mit ihrer Hilfe können die Verantwortlichen anhand bereichsspezifischer, individueller Messgrößen prüfen, inwieweit sie mit ihrem Projekt im Plan liegen. Zelkowitz: „Der Austausch mit anderen Städten hilft dabei, sein eigenes Profil zu entwickeln und zu schärfen.“

Selbst der Bürgermeister von Rio de Janeiro ist nicht zu stolz, von anderen zu lernen, wie er im Rahmen der hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion „The Road towards Smart Cities“ bewies. „Scheue Dich nicht davor, Ideen zu kopieren“, sagte Eduardo Paes.

Ob smart oder nicht – effizient ist diese Taktik allemal.

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