Strom smart steuern

Feature | 14. April 2010 von Frank Völkel 0

Weltleitmesse für Automation und Energie: Light & Building in Frankfurt (Foto: Frank Völkel)

Weltleitmesse für Energietechnik und Architektur: Light & Building in Frankfurt (Foto: Frank Völkel)

Wer sich mit Themen wie Energietechnik und intelligenter  Haustechnik (Smart Home) auseinandersetzt, kommt an der “Light & Building” in Frankfurt nicht vorbei. Noch findet die weltgrößte Messe dieses Genres nur alle zwei Jahre statt. Dabei war schon auf den ersten Hallenmetern eines auszumachen: Auch in der klassischen Energiebranche hält die IT massiv ihren Einzug und ist nicht mehr wegzudenken. Dadurch sollen sich gleich drei Kriterien erfüllen lassen: Die Einsparung von Energie, die Steigerung des (Wohn-) Komforts und die Erhöhung der Sicherheit in Gebäuden und Häusern.

Schließlich wird sich mehr Komfort am Arbeitsplatz und im privaten Wohnbereich nur durch moderne und vor allem intelligente Gebäudetechnik erreichen lassen. Das betrifft vor allem die Gewerke Heizung, Lüftung, Beleuchtung, Beschattung und Sicherheit. Und in naher Zukunft wird auch die Integration von Elektroautos in das Gebäudeenergiekonzept eine Rolle spielen – schließlich bedeuten die Akkus einen gigantischen und quasi universellen Pufferspeicher im intelligenten Stromnetz (Smart Grid) – siehe Artikel Zukunft Auto: Strom und Software und Stromzähler 2.0.

Fehlt nur noch die Digitalisierung und permanente Erfassung des Stromverbrauchs – Smart Metering – siehe Artikel Strom ablesen per iPhone. Letzteres spielt in Häusern und Gebäuden in naher Zukunft eine immer stärkere Rolle: Um Abrechnungen in kurzen Zeitabschnitten vorzunehmen und den Gegebenheiten des Netzes anzupassen.

Bei den Gesprächen auf der Messe zeigte sich, dass trotz anhaltender Wirtschaftkrise sich das Geschäft mit Gebäudeautomation regelrecht robust gegenüber anderen Branchen verhält. Der Grund dafür könnten die politischen Anstrengungen zur CO2-Vermeidung und der damit verbundenen Anstrengung zur Energieeffizienz in Gebäuden sein. Und sicherlich gibt es auch Wettbewerbsvorteile gegenüber anderen Industrien, da die Amortisationszeiten von Investitionen vergleichsweise kurz sind. Im Kernbereich der Gebäudeautomation setzten die 80 wichtigsten Hersteller mit Hard- und Software 3,6 Milliarden Euro um – davon allein 1,2 Milliarden Euro in Deutschland. Das war im Krisenjahr 2009.

Bei vollständig vernetzten Gebäuden sind Beleuchtung, Jalousien, Türen, Fenster, Heizung und Klimatisierung sinnvoll aufeinander abgestimmt. Je nach Tageslichtintensität und Sonneneinstrahlung werden beispielsweise Jalousien heruntergefahren und können den Anstellwinkel ihrer Lamellen verändern. Ebenso lässt sich die Beleuchtung einer gewünschten “Stimmung” anpassen.  Über berührungsempfindliche Bildschirme lassen sich sämtliche Funktionen justieren.

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Industriebauten und Privathäuser

Energietechnik und IT

Moderne Energietechnik wird immer stärker mit IT ausgestattet (Foto: Frank Völkel)

Von der intelligenten Energiemessung zum elektronisch gesteuerten Energiesparhaus ist es noch ein ganzes Stück Arbeit. Innerhalb eines Hauses soll die interne Datenkommunikation mittels Bus-Technologien erfolgen. Ein darauf basierendes Energiemanagement wird beispielsweise den Einsatz einer Gefriertruhe oder einer Wärmepumpe optimieren und später einmal die Ladezeit des Elektroautos regeln. Und zwar so, dass Windkraft oder selbst erzeugte Sonnenenergie optimal genutzt werden. Smart Metering ist die Voraussetzung zum intelligenten Gebäude.

Im Gegensatz zu kommerziellen Gebäuden steht die Vernetzung von Wohngebäuden noch weitgehend am Anfang. Der Wohnungsbestand ist weder mit vernetzten Geräten noch mit Steuerungsanlagen ausgestattet. Neben Energieverbrauchern wie Kühlschränken, Waschmaschinen, Unterhaltungselektronik und Beleuchtung ist das Gros der Gebäude mit konventionller Technik ausgestattet.  Prinzipiell ist die Ausstattung von Gebäuden mit vernetzter Haustechnik heute schon möglich. Sie konzentriert sich vorwiegend noch auf Neubauten, bei denen vor allem Prestige und Komfort im Vordergrund stehen. Etabliert sind Anwendungen zur übergreifenden Steuerung von Heizung, Lüftung, Klima, Beleuchtung, Beschattung und Sicherheit. 

Die Vision eines Smart Home, welches lediglich auf die Maximierung des Komforts abzielt, wird in den Hintergrund treten. Stattdessen wird sich die Intelligenz in Wohngebäuden zunehmend auf die Erhöhung der Energieeffizienz und demzufolge die Minimierung der Kosten konzentrieren. Denn insbesondere der Wärmeverbrauch in Haushalten macht fast 22 Prozent des gesamten Endenergieverbrauchs in Deutschland aus.

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