Angezählt: Stromzähler sind Out

26. April 2011 von Daniel Hardt 0

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Neuer Freund im Haushalt: Smart Meter senken Nebenkosten (Foto: Frank Völkel)

Wie wir unsere Energieversorgung in Zukunft gestalten wollen, wird die öffentliche Diskussion noch lange beschäftigen. Doch neben Fragen zur Bereitstellung, spielt auch der Konsum eine Rolle. Denn hier zeigen Umweltschutz und Preisbewusstsein in dieselbe Richtung: sinkender Verbrauch heißt weniger Geld und Emissionen.

Für Versorger wie für Kunden sind detaillierte Daten nötig, um Tarife, Bereitstellung und das eigene Nutzerverhalten optimal zu gestalten. Das Pilot-Projekt zwischen Rheinenergie und SAP ist ein Schritt in diese Richtung.

Im September geht’s los: 30.000 Kunden vom Energieversorger Rheinenergie erhalten bis Ende Dezember 2011 intelligente Verbrauchszähler – im Fachjargon Smart Meter.  Die hiermit ermittelten Daten werden durch SAP Advanced Metering Infrastructure (AMI) Integration for Utilities fürs SAP-Backend verfügbar gemacht. AMI ist ein Enterprise Service-Paket für SAP for Utilities.

Bereits zuvor hat Rheinenergie, Versorger von 2,5 Mio. Menschen im Kölner Raum, 2.000 Smart Meter in einer Testphase eingesetzt. Neu ist, dass die intelligenten Verbrauchszähler spartenübergreifend eingesetzt werden. Neben Strom-, werden auch Wasser- und Gas-Verbrauch detailliert gemessen und können über PC oder Smartphone eingesehen werden.

Zähluhr hat ausgedient

Die Informationsausbeute der klassischen Zähler ist dürftig: Einmal pro Jahr abgelesen, ist der Jahresverbrauch gleichzeitig Bemessungsgrundlage für die monatlichen Abschläge. Automated Meter Reader Systems (AMR) sind neuer, liefern Daten aber nur in eine Richtung und ermöglichen kein abklemmen und anschließen von der Zentrale aus. Beide Varianten entsprechen nicht den Anforderungen von Markt und Kunden. Und auch staatliche Compliance-Bedingungen sind so nicht vollständig erfüllt.

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Jeder kennt ihn, doch wer braucht ihn? Der Klassische zähler verschwe

Vielleicht schon bald ein Relikt: Der "klassische" Zähler (Foto: Rheinenergie)

So funktioniert AMI

So funktioniert AMI

Smart aufbereitete Infos

SAP AMI hingegen unterstützt eine Service-orientierte Architektur (SOA) für Unternehmen, indem Daten zwischen SAP for Utilities – dem branchenspezifisch angepassten SAP ERP – und den Smart Metern transferiert werden.

Per SAP NetWeaver Process Integration (NetWeaver PI) werden dazu Informationen in den XML-Standard umgewandelt. So ist ein ständiger Datenaustausch möglich, die Verbrauchsmessung kann in kurzen zeitlichen Intervallen erfolgen. Mittels SAP ERP 6.0 im Backend, werden die Daten für Rechnungsstellung, Kundenservice und Analysen verfügbar.

Mit SAP AMI lässt sich folgendes umsetzen:

  • Technical Master Data Exchange: Für den Austausch der Stammdaten muss das Messgerät innerhalb von SAP for Utilities initialisiert, physisch vor Ort installiert und dann an den gewünschten Parameter zur Informationsbeschaffung ausgerichtet werden.
  • Meter Reading Process: Mit SAP AMI können Smart Meter einzeln oder en gros ausgelesen werden. Über Zeitreihenanalysen werden Informationen fürs Reporting und zur Rechnungsstellung gewonnen.
  • De- und Reconnection: Die Ab- und Zuschaltung von Strom erfolgt aus dem Backend Office, was den Prozess insgesamt beschleunigt.

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Damit das Geld nicht dort landet: Smart Meter nutzen. (Foto:Rheinenergie)

Damit das Geld dort nicht landet: Smart Meter nutzen (Foto: Rheinenergie)

Was Staaten wollen

Gesetzliche Rahmenbedingungen an Energieversorger unterscheiden sich von Staat zu Staat. Mit Smart Metern sind die Ansprüche häufig erfüllbar. Hier drei Beispiele, wie Compliance-Anforderungen durch Smart Meter umgesetzt werden.

  • USA: Seit dem „Energy Policy Act“ von 2005, müssen Privat-Kunden eine AMI und nach Tageszeiten gestaffelte Tarife angeboten werden. Letztere resultieren aus der Tatsache, dass zu bestimmten Uhrzeiten, beispielsweise nachts, die Nachfrage geringer ist und so Strom günstiger angeboten werden kann als zu Zeiten mit Spitzenauslastung.
  • Schweden: Monatliche Rechnungen dürfen nicht auf Schätzungen beruhen, sondern müssen anhand des tatsächlichen Verbrauchs erstellt werden.
  • Deutschland: Energiekonzerne müssen in der Lage sein, die Stromversorgung aus der Ferne an- und abzuschalten.
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Oberfläche zur Smart Meter-Steuerung (Screenshot: SAP AG)

Was AMI bringt

Kunden und Energieunternehmen profitieren von den Daten gleichermaßen. Verbrauchern ist stets der exakte Verbrauch bekannt, so dass weniger Unsicherheit bei der Tarifauswahl besteht. Verhaltensweisen lassen sich leichter anpassen, da man weiß, wann der Verbrauch hoch ist, beziehungsweise welche Geräte wahre Kostentreiber sind.

Auf der anderen Seite sind Unternehmen wie Rheinenergie in der Lage, Kundenbedürfnisse besser zu erfassen und individuelle Tarife anzubieten. Zudem können gesetzlicher Regelungen leichter umgesetzt, der Service verbessert und Ausfallzeiten gesenkt werden.

Die Möglichkeit, die Versorgung einzelner Haushalte direkt von der Zentrale aus an- und abzuschalten, erspart den Techniker vor Ort und bringt Kunden schneller wieder ans Netz, falls mal eine Rechnung verspätet beglichen wurde.

Für mehr Informationen zu Advanced Metering Infrastructure lesen Sie den SCN-Blog von Deborah Gabriel, der auch als eine Quelle für diesen Artikel genutzt wurde.

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