Aufbruch in neue Energie-Ära

Feature | 15. April 2011 von Michael Zipf 0

Joschka Fischer auf der SAP Utilities Konferenz in Mannheim (Foto: Michael Zipf)

Atomkraft ohne Zukunft: Joschka Fischer auf der SAP-Konferenz in Mannheim (Foto: Clemens Schröder)

Es mag unterschiedliche Auffassungen geben, was unter einem „neuen Zeitalter“ zu verstehen ist. Für die 1200 Teilnehmer der 8. SAP-Utilities-Konferenz in Mannheim jedenfalls stand fest, dass eine neue Ära der Energieversorgung längst begonnen hat. Und dass die Energieversorger die wichtigsten Protagonisten einer „Energie-Revolution“ sind, die sie selbst, viele mit ihr verbundene Branchen und die Verbraucher erfasst hat.

„Nie war es spannender, mit der Versorgungswirtschaft zusammenzuarbeiten“, stimmte Klaus Heimann, der Leiter „Service Industries“ bei SAP, die Branchenexperten, Kunden und Partner auf die dreitägige Konferenz ein. In Vorträgen, Diskussionsrunden, bei Live-Demos und natürlich in vielen informellen Gesprächen erörterten die Experten, wie die Zukunft der Energieversorgung gestaltet werden sollte. Heimann: „Wir werden sehr kreativ sein und gemeinsame Lösungen finden müssen.“

Denn die Frage, wie eine stabile und nachhaltige Energieversorgung sicherzustellen sei, könne kein Land und kein Versorger mehr alleine beantworten, wie der frühere deutsche Außenminister Joschka Fischer in seiner Rede zu Beginn des Kongresses deutlich machte. „Noch nie waren wir so voneinander abhängig wie heute“, sagte Fischer an seinem 63. Geburtstag und verwies nicht nur auf die Folgen der Atomkatastrophe in Japan.

Wer die globale Energiekrise vermeiden wolle, müsse seinen Blick vor allem auf China richten. Das Land werde „in eine grüne Zukunft“ gezwungen, prophezeite er und zeigte sich überzeugt, dass die globale Energiewirtschaft bis zur Mitte des Jahrhunderts „weder auf Kohle noch auf Atomenergie“ beruhen werde.

Die Branchenvertreter forderte er auf, zu „Vorreitern bei der Lösung der Energieprobleme des 21. Jahrhunderts“ zu werden, schließlich böten sich den Unternehmen auf dem Weg zu einer nachhaltigen Energiewirtschaft „riesige Chancen“. Man benötige Software und High-Tech, um die Energieeffizienz zu erhöhen, Energie zu speichern und intelligente Netze (Smart Grids) zu entwickeln. Auch den Ausbau der Elektromobilität müsse die Wirtschaft energisch vorantreiben – allerdings unter der Voraussetzung, dass sie auf der Nutzung erneuerbarer Energiequellen beruhe.

Klaus Heimann von SAP (Foto: Michael Zipf)

Klaus Heimann, Leiter „Service Industries“ bei SAP (Foto: Clemens Schröder)

Dabei werde „die Zukunft der E-Mobilität in Asien und Kalifornien entschieden“, ergänzte der frühere Politiker der Grünen im Hinblick auf die Dynamik in diesen Märkten. Er zeigte sich stolz und zufrieden, dass „die Atomkraft in Deutschland keine Zukunft“ habe. Jetzt müssten auch andere Länder die Chance zum Ausstieg nutzen. Ansonsten sieht Fischer auch die große Gefahr, dass immer mehr Länder mittels friedlicher Nutzung der Kernkraft militärisch zu Atommächten aufsteigen wollten. „Wir würden dann in einer Welt leben, die noch unsicherer ist.“

Von der geopolitischen Dimension der Energiewende schlug Klaus Heimann den Bogen zur Neudefinition der „Energie-Lieferkette“. Einschneidende Veränderungen erforderten von den Versorgern neue Lösungen. So führe etwa die intensivere Nutzung erneuerbarer Energieträger zu einer stärkeren Dezentralisierung der Versorger sowie zu höheren Schwankungen im Angebot. Da dies auch mit volatilen Preisen einhergehe, steige der Einfluss der Verbraucher. Die wollen in Zukunft schließlich genau wissen, wann sie welchen Preis für eine Kilowattstunde Strom bezahlen.

Sichere Energie nicht gleichzeitig preiswert

Hier komme die Informationstechnik ins  Spiel, die den Endkunden auch helfen könne, Energie effizienter zu nutzen. Heimann verwies auf neue Lösungen, an denen SAP derzeit mit Hochdruck arbeite – etwa  an einer BI-Lösung auf Basis von SAP HANA, mit der sich die zukünftigen riesigen Datenmengen schnell verarbeiten lassen. Die Verbraucher sollen in Zukunft auch mithilfe von Web-basierten Lösungen auf den Anruf im Callcenter verzichten können.  All das mache den Verbraucher zu einem aktiven Teil des Systems, doch müsse er wissen, „dass sichere Energie nicht gleichzeitig preiswerte Energie bedeutet“.

Für Heimann steht außer Frage, dass das neue Energiezeitalter durch den Einsatz von Wind, Wasser, Sonne und Biomasse geprägt werde. Dazu benötige man die intelligenten Netze, die die Energie effizient verteilen. Der SAP-Experte appellierte an seine Branchenkollegen und die Politik, sich für Standards rund um Technik und Prozesse der Smart Grids einzusetzen.

Denn noch fehle es an grenzüberschreitenden, einheitlichen Vorgaben, die Investitionen sichern und für eine echte Energiewende notwendig wären. Heimann: „Alle sollten sich an einen Tisch setzen, um eine abgestimmte, realistische, bezahlbare und schnell umsetzbare Strategie für den Übergang ins neue Energie-Zeitalter zu entwickeln.“

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