SMBs auf dem Weg in eine neue Ökonomie

Feature | 24. November 2004 von admin 0

„Die Möglichkeit, Daten über hohe Bandbreiten ortsunabhängig auf mobile Endgeräte zu transportieren, eröffnet vollkommen neue Potenziale des Wirtschaftens“, hat Roland Meier bereits im Jahr 2001 in einer Untersuchung zum Thema „Mobile Ökonomie“ geschrieben. Er schlussfolgert: „Das mobile Unternehmen steht vor der Tür.“ Inzwischen, um im Bild zu bleiben, steht das mobile Unternehmen nicht mehr vor, sondern bereits in der Tür. Verantwortlich hierfür sind mehrere Gründe. Die beiden Schlüsseltechnologien, Internet- und Mobilfunk, haben sich in den letzten Jahren rasant entwickelt, so dass deren Konvergenz im Mobile Business als neuer Ausformung des E-Business eine logische Folge ist. Dabei stellt die räumliche Ungebundenheit von mobilen Endgeräten wie PDA oder Notebook den größten Vorteil mobiler Kommunikation gegenüber der PC-basierten Nutzung des Internets dar, die nur den Zugang unabhängig von der Zeit, aber nicht vom Ort eröffnet.

Vielfältige Anwendungsszenarien

Anwendungen für das Mobile Business unterstützen unterschiedliche Geschäftsprozesse. Neben den Beziehungen zwischen Unternehmen und Endkunden (Business-to-Customer, B2C) rücken inzwischen verstärkt die Beziehungen zwischen Unternehmen, Geschäftskunden und Lieferanten (Business-to-Business, B2B) sowie die mobile interne Kommunikation (Business-to-Employee, B2E) in den Mittelpunkt. In einem Whitepaper unterscheiden die Detecon-Analysten Timo Bauer und Andreas Burkart im B2B-Segment folgende drei Bereiche für den Einsatz mobiler Technologien:

  • m-CRM (mobiles Customer Relationship Management) enthält alle mobilen Services (Marketing, Verkauf, Support), die zwischen Unternehmen und Kunden stattfinden.
  • m-SCM (mobiles Supply Chain Management) umfasst Planung, Ausführung und Kontrolle der Beschaffungsprozesse von Zulieferern.
  • m-ERM (mobiles Enterprise Resource Management) beinhaltet alle internen Prozesse von Unternehmen, die über mobile Anwendungen effizienter gemacht werden.

Thorsten Wichmann, Geschäftsführer des Analystenhauses Berlecon Research, steht dem Begriff B2B in Zusammenhang mit Mobile Business jedoch skeptisch gegenüber. „Diese Lösungen unterstützen nicht die Zusammenarbeit zwischen, sondern die Prozesse innerhalb von Unternehmen. Die Daten fließen ja erst in die Backend-Systeme der Firmen und werden dann weitergeleitet, so dass es sich streng genommen um unternehmensinterne Lösungen handelt“, begründet Wichmann seine Vorbehalte.
Rückt man jedoch von begrifflichen Definitionsfragen ab, so öffnet sich der Blick auf vielfältige Anwendungsszenarien mobiler Technologien. Im Transport- und Logistikbereich gestalten sie, etwa mittels ortsbezogener Dienste (Location Based Services), das Flotten-Management effizienter. Das verringert Transportkosten und vermeidet Leerfahrten, da Lieferaufträge kurzfristig an- und wahrgenommen werden können. Vertriebsmitarbeiter im Außendienst wissen die Vorteile ebenfalls zu schätzen. Sie greifen über mobile Endgeräte von unterwegs stets auf aktuelle Kundendaten und damit auf Prozesse in der Unternehmenssoftware (zum Beispiel aus ERP- und CRM-Systemen) wie Kontaktadressen, Auftragsbestand, Lagersituation zu. Die Möglichkeit, von „außen“ beispielsweise Stammdaten aus der Firmensoftware zu bearbeiten oder dort neue Geschäftskontakte einzulesen und zu verwalten, beschleunigt Unternehmensprozesse. Zudem wird beispielsweise im mittelständischen Maschinenbau der technische Kundendienst mittels mobiler Anwendungen (PDA, Handy) von der Zentrale gesteuert. Unternehmen können somit über den mobilen Zugriff auf Unternehmens- und Projektdaten nicht nur schneller auf Veränderungen am Markt reagieren, sondern auch Zeit und Kosten sparen.

Prozesse beschleunigen, Vorteile nutzen

Mobile Unternehmenslösungen verbessern laut Berlecon Research Prozesse in mehrfacher Hinsicht. Die doppelte Erfassung von Daten, schriftlich vor Ort und elektronisch für die Eingabe in die Backend-Systeme, entfällt, was Redundanzen minimiert und die Datenqualität erhöht. Außerdem können zahlreiche Prozess-Schritte, die allein für die Transformation der Daten zwischen Außendienst und den Backend-Systemen notwendig waren, eingespart werden, wie etwa das Sammeln und Zuordnen von Auftragsdaten. Die schlankeren Prozesse helfen zudem, Medienbrüche zu vermeiden und Fehlerquellen zu reduzieren. Auch beschleunigen mobile Anwendungen den Datenaustausch zwischen Außendienst (Vertrieb, Service) und Zentrale.
Damit Unternehmen bei der Abwicklung mobiler Geschäfte alle Vorteile optimal nutzen können, bietet die SAP auf Basis der Technologieplattform SAP NetWeaver mit SAP Mobile Time and Travel, SAP Mobile Sales, SAP Mobile Service, SAP Mobile Asset Management und SAP Mobile Procurement ein umfassendes Lösungsportfolio. Speziell für SMBs, die SAP Business One einsetzen, haben SAP Business Partner wie Unirez und Teufel Software mobile Zusatzlösungen für die SAP-Mittelstandssoftware entwickelt. Kleinen Firmen empfiehlt Thorsten Wichmann, mobile Lösungen im ASP-Betrieb zu nutzen, „denn dies hält die Investitionen gering.“

Wettbewerbsvorteile durch mobile Mitarbeiter

Nach einer Studie des Beratungshauses Techconsult, für die 800 Firmen befragt wurden, sind zwölf Prozent der Beschäftigten in diesen Unternehmen mobile Mitarbeiter. Diese wiederum verbringen mehr als 20 Prozent ihrer Arbeitszeit nicht an ihrem gewöhnlichen Arbeitsplatz. „Um effizient zu arbeiten, müssen Mitarbeiter wichtige Aufgaben von unterwegs erledigen können“, resümiert Techconsult-Analyst Frank Heuer. Experten entdecken deshalb besonders in der B2E-Kommunikation Zukunftweisendes. Dem österreichischen Beratungsunternehmen Inset Research & Advisory zufolge starten die wachsenden Mobilitätsanforderungen gar einen Strukturwandel hin zu neuen Organisationsformen in den Unternehmen. Da künftig mobile Informations- und Kommunikationsanwendungen eine zentrale Rolle spielen, müssten mobile und flexible Arbeitsmodelle entwickelt und umgesetzt werden. Diese kommen dem zunehmenden Verlangen der Mitarbeiter nach mehr Eigenständigkeit in der Gestaltung der Arbeit sowie nach Anerkennung der Fähigkeiten zur Selbstorganisation entgegen. Im Gegenzug steigern Firmen ihre organisatorische Leistungs- und damit auch Wettbewerbsfähigkeit.
Die mobile Kommunikation zwischen Unternehmen und ihren Mitarbeitern schafft also Produktivitätsvorteile, und die notwendigen Investitionen zahlen sich sehr schnell aus. Dabei ist laut Berlecon Research zwischen unternehmensübergreifenden (horizontalen) mobilen Lösungen und prozessspezifischen Lösungen zu differenzieren. Ermöglichen Erstere den Mitarbeitern – im Sinne eines mobilen Büros – den Zugriff auf Standardanwendungen wie Groupware-Systeme, sollen Letztere unternehmensspezifische Prozesse optimieren. Dabei werden mobile Mitarbeiter in den Prozessablauf eingebunden, um Medienbrüche bei der Datenerfassung und -übertragung zu vermeiden.

Neue Technologien sorgen für frischen Wind

„Besonders die Einführung neuer Smartphones und verbesserter datenfähiger Endgeräte hat frischen Wind in den m-Business-Markt gebracht“, sagt Thorsten Wichmann, Geschäftsführer von Berlecon Research. „Mit diesen Geräten können mobile Mitarbeiter schnell und komfortabel auf das Netzwerk der Unternehmens-IT zugreifen.“ Dem stimmt im Wesentlichen auch Techconsult-Analyst Frank Heuer zu. Seiner Ansicht nach werden künftig leistungsfähige drahtlose Übertragungstechnologien wie GPRS und W-LAN „an Terrain gewinnen und somit einen ständigen Echtzeit-Zugriff auf die Unternehmensdaten ermöglichen.“ Das Kasseler Beratungshaus prognostiziert, dass die Ausgaben der Unternehmen für mobile Lösungen bis Ende 2004 auf 2,1 Milliarden Euro steigen werden.

Laut einer Studie der META Group soll der Markt für mobile Lösungen und Dienstleistungen in Deutschland von 2,9 Milliarden Euro Ende 2003 bis auf über 4,4 Milliarden Euro im Jahr 2006 wachsen. Dies entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Steigerung von 15 Prozent. Wachsende Umsätze erwarten die Experten vor allem im Geschäftskundenbereich bei Anwendungen für den Außendienst, im Bereich Logistik und bei Mobile-Office-Lösungen. „Unter branchenspezifischen Gesichtspunkten waren bisher vor allem der Dienstleistungssektor und Unternehmen der Branchen Energie, Logistik und TK-Dienstleistungen sowie die diskrete Fertigung überdurchschnittlich aktiv“, erläutert Wolfram Funk, Senior Consultant bei der META Group, ein weiteres Ergebnis der Studie.

Gute Perspektiven für SMBs

Anwendungen für das Mobile Business eröffnen im Geschäftskundenbereich speziell auch kleineren Firmen viel versprechende Perspektiven. Die Analysten von Berlecon Research gehen davon aus, dass in den nächsten fünf Jahren nicht nur die meisten großen, sondern auch viele kleine Unternehmen ihren Mitarbeitern den mobilen Zugriff auf ihre IT-Systeme ermöglichen werden. Mittelständler müssen aber nicht „auf Mobilfunktechnologien oder mobile Endgeräte von morgen warten, um die Vorteile des m-Business zu nutzen“, stellt Thorsten Wichmann klar. „Bereits heute erzielen SMBs damit konkrete Wettbewerbsvorteile, vorausgesetzt die Projekte sind gut geplant, professionell umgesetzt und berücksichtigen die Bedürfnisse der Nutzer.“

Weitere Informationen:

Allgemein: www.competence-site.de/mbusiness.nsf, www.izmf.de (= Informationszentrum Mobilfunk e.V.)
Studien: www.berlecon.de, www.detecon.com, www.metagroup.de, www.techconsult.de,
SAP: www.sap.com/solutions/mobilebusiness

Dr. Andreas Schaffry

Dr. Andreas Schaffry

Leave a Reply