SMBs integrieren ihre Prozesse

Feature | 3. September 2003 von admin 0

Bei SMBs erlebt ERP derzeit eine ‚Renaissance’. Die META-Group-Studie “ERP im Wandel: Vom Stückwerk zur Unternehmenslösung” begründet diese Entwicklung unter anderem mit der Tendenz kleinerer Firmen, mittelfristig ihre Geschäftsprozesse zu optimieren. „Oberstes Ziel“ dieser Aktivitäten seien die dadurch „realisierbaren Kosteneinsparungen“, heißt es in dem Bericht weiter. „Die neue Aktualität von ERP kommt aber nicht überraschend“, sagt dagegen Harald Hoff, Geschäftsführer der auf ERP-Beratung spezialisierten HIR GmbH. „Auf Seiten der mittelständischen Anwenderunternehmen waren Begriff und Thema – im Gegensatz zur öffentlichen Wahrnehmung – auch während des Internet-Hypes nie in Frage gestellt“, erläutert Hoff weiter.

Integration sichert Zukunft

Der größte Nutzen einer ERP-Lösung ist die durchgängige Integration der Geschäftsprozesse in einem System, denn die einzelnen Abläufe sind eng miteinander verzahnt. ERP unterstützt damit als Controlling- und Steuerungsinstrument maßgeblich Unternehmensentscheidungen. Allerdings trifft man in mittelständischen Betrieben oft auf historisch gewachsene IT-Landschaften, die aus unabhängigen Einzelsystemen bestehen. Dabei werden Daten aus einzelnen Systemen zusammengeführt und ausgewertet und es kann zu Datenredundanzen oder gar Datenverlusten kommen. In wirtschaftlich volatilen Zeiten ist aber für SMBs ein vollständiger Überblick über alle Prozesse, Produktionsmittel und entscheidenden Kennzahlen aus einzelnen Bereichen und Abteilungen für den geschäftlichen Erfolg zwingend notwendig. Jedoch können sich Mittelständler „aufgrund ihrer im Vergleich zu Großunternehmen schwächeren finanziellen und personellen Ressourcen keine kostspieligen Applikationsintegrations-Initiativen leisten“, stellt der oben erwähnte META-Group-Bericht fest. Bei ihnen geht daher der „Trend in Richtung ERP-Standardsoftware“. Daraus leitet Anita Liess, Senior Consultant der META Group, die Forderung ab, dass kleine und mittelständische Unternehmen ERP-Lösungen brauchen, die ihnen eine „integrierte Umgebung“ bieten.
Nach Ansicht von Harald Hoff spiegelt diese Entwicklung den Wandel der Industrieunternehmen vom reinen Hersteller oder Teilelieferanten zum Komplettanbieter und Systemlieferanten wider. „Inzwischen hat sich zudem bei Mittelständlern die Erkenntnis durchgesetzt, dass gut gepflegte Stammdaten aus dem ERP-System die zwingend notwendige Voraussetzung für ein funktionierendes E-Business sind“, erklärt Hoff. ERP ist, so der Berater weiter, somit „quasi das Herzstück des E-Business“. Analysten des US-Marktforschungsunternehmens Gartner Group haben diese Entwicklungen unter dem neuen begrifflichen Konzept „ERP II“ zusammengefasst, um die Öffnung für Internet basierte kollaborative Prozesse und den künftigen Bedarf an flexiblen IT-Lösungen zu beschreiben.

ERP-Markt wächst dank SMBs

Die Einsatzbereiche von ERP-Systemen und die Anforderungen an diese werden demnach immer vielfältiger und komplexer, womit Anbieter von ERP Software in neue Gebiete wie Supply Chain Management (SCM) oder Customer Relationship Management (CRM) vorstoßen. Bereits die Untersuchung ERP im Mittelstand: Zwischen Wunsch und Wirklichkeit der Unternehmensberatung Cap Gemini Ernst & Young (CGEY) erkennt – neben den „klassischen“ ERP-Funktionen Finanzbuchhaltung, Materialwirtschaft und Einkauf – die für SMBs zunehmende Bedeutung von ERP-Erweiterungen wie Management Informationssystemen (MIS), SCM und CRM. Daraus schlussfolgern die Berater, dass Unternehmen ihre Prozesse transparenter und besser steuerbar machen wollen. Zudem soll durch die Investition in ein ERP-System die Datenqualität verbessert werden. Wenn diese Ziele erreicht würden, seien SMBs durchaus bereit, in ERP zu investieren, bestätigt eine Mittelstandsstudie, die das internationale IT-Beratungshaus Plaut in Österreich, Tschechien und Polen durchführte, den Trend. Demzufolge wollen SMBs in diesen Ländern künftig verstärkt in MIS, CRM, E-Commerce, SCM sowie Archivierungslösungen investieren.
Nach Einschätzung der Marktbeobachter von Datamonitor ist gerade deshalb der SMB-Markt für ERP-Anbieter höchst attraktiv. Die Experten erwarten „signifikantes Wachstum“ bei ERP-, SCM- und CRM-Applikationen im westeuropäischen Markt. Die Ausgaben sollen von zwei Milliarden US-Dollar im Jahr 2001 auf 4,6 Milliarden US-Dollar im Jahr 2005 steigen. Damit wächst der Markt jährlich im Durchschnitt um 23 Prozent. IT-Berater Frank Naujoks sieht die Wachstumsimpulse für den ERP-Markt ebenfalls „aus dem Bereich der kleinen und mittelständischen Firmen, die zunehmend ins Visier der Hersteller geraten“. Mit ihrer Fokussierung auf den mittelständischen Markt wollen die ERP-Hersteller nach Ansicht von META-Group-Beraterin Liess auch das Neugeschäft mit Softwarelizenzen „ankurbeln“. Zudem hätten gerade SMBs in den Jahren 2003 und 2004 Bedarf an ERP-Erst- und Ersatzinvestitionen. Diese Auffassung wird durch eine Schätzung der Kasseler Marktforscher von Techconsult bestätigt, die unter anderem „die ERP-Thematik im Fokus der mittelständischen IT-Entscheider“ sieht.
Eine differenzierte Marktanalyse hierzu liefert der META-Group-Bericht „ERP im Wandel“. Der potenzielle ERP-Softwaremarkt für Anbieter in Deutschland soll – mit den Erweiterungen CRM und SCM – ein Volumen von rund 1,84 Milliarden haben. Davon macht der reine ERP-Markt 840 Millionen Euro aus. Die Softwareumsätze werden die ERP-Anbieter nach Ansicht der META-Group-Analysten erreichen, indem sie Integrationsfunktionalitäten in ihr Produkt- und Leistungsportfolio aufnehmen (beispielsweise SAP NetWeaver). Mit einem Anteil von 62 Prozent sei dabei der ERP-bezogene Servicemarkt der größte Umsatzfaktor im ERP-Gesamtmarkt. Von 3,75 Milliarden Euro in 2002 sollen die Umsätze bis 2005 ein Niveau von 5,53 Milliarden Euro erreichen. Die hohen Wachstumsraten erklärt die META Group mit einem Wandel des Servicemarktes vom ERP-Implementierungsgeschäft und ERP-Outsourcing hin zu einer umfassenden Betreuung mit kontinuierlicher Konfigurationsanpassung sowie einem erweiterten Beratungs-Know-how von IT-Dienstleistern bei den ERP-Erweiterungen SCM und CRM.

Neue Vertriebswege gehen

Studien übergreifend herrscht Übereinstimmung, dass es im ERP-Markt in den nächsten Jahren zu einer Konsolidierung unter den Software-Anbietern kommen wird. Die META Group etwa schätzt, dass rund 35 Prozent der mittelgroßen ERP-Softwareanbieter bedingt durch die IT-Krise in den nächsten zwei Jahren vom Markt verschwinden werden. Weil Anwender sich dann für eine ERP-Ersatzlösung entscheiden müssen, eröffnet dies Anbietern wie der SAP AG neue Möglichkeiten im Mittelstandsmarkt. Entscheidend für den künftigen Markterfolg großer Softwareanbieter ist laut Datamonitor Analyst Martin Atherton, diesen „stark fragmentierten“ Markt mit der richtigen Vertriebsstrategie zu adressieren.
Umgekehrt rät Rüdiger Spies, Vice President der META Group, Mittelständlern, die in ein ERP-System investieren wollen, eine Software zu kaufen, die ihren spezifischen Anforderungen entspricht und mit dem Unternehmen wachsen kann. Zudem sollten SMBs Faktoren wie Wartungskosten sowie finanzielle Stabilität des jeweiligen Anbieters beachten, denn, so warnt ERP-Experte Spies, „die Gefahr ist groß, dass bei ERP-Entscheidungen eine falsche Wahl getroffen wird.“
Die SAP hat deshalb für den Vertrieb eine entsprechende Partnerstrategie aufgestellt. Der Walldorfer Konzern vertreibt beispielsweise seine speziell auf kleine und mittelständische Unternehmen zugeschnittenen ERP-Lösungen SAP Business One sowie mySAP All-in-One über ein weltweites Partnernetzwerk, das auf die regionalen beziehungsweise lokalen Bedürfnisse der Anwender ausgerichtet ist.

Weitere Informationen:

Allgemein: www.competence-site.de/standardsoftware.nsf und www.erp-expo.de (virtuelle Messe mit News und Hintergrundinformationen)
Studien: www.de.cgey.com, www.datamonitor.com, www.gartner.com, www.hirgmbh.de, www.metagroup.de („ERP im Wandel (2002-2005): Vom Stückwerk zur Unternehmenslösung“ und „METAspectrum-Marktevaluierung: Enterprise Resource Planning (ERP) für den europäischen Mittelstand“), www.naujoks-collegen.de, www.plaut.at
SAP AG: www.sap-ag.de/germany/solutions/mittelstand und www.sap-ag.de/germany/solutions/erp

Dr. Andreas Schaffry

Dr. Andreas Schaffry

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