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Wir stellen vor: SnapPlanet, diesjähriger Gewinner des SAP-ESA Space App Camp

Feature | 23. Mai 2017 von Jeanette Rohr 1

Satelliten sammeln große Mengen von Erdbeobachtungsdaten an, die die Europäische Weltraumorganisation (European Space Agency, ESA) und die SAP mit ihrer SAP Cloud Platform Entwicklern zum Erstellen von Apps und Anwendungsfällen zur Verfügung stellen. Einer von ihnen ist Jérôme Gasperi mit seinem Start-up SnapPlanet, der jüngste Gewinner des Space App Camp. Er zeigt uns einen vertrauten Anblick aus ungewöhnlicher Perspektive: unseren Heimatplaneten, vom Weltraum aus gesehen. 

Die Idee: ein „Weltraum-Instagram“

„Ich wollte schon immer eine Firma gründen“, erzählt Jérôme. Nachdem er seinen Doktor in Geophysik gemacht hatte, arbeitete er als leitender Experte für die französische Raumfahrtagentur CNES (Centre nationale d‘études spatiales) in Toulouse. Seine ersten Schritte als Unternehmer ging er bereits 2010. „Damals waren aber noch nicht viele Daten verfügbar, mit denen wir arbeiten konnten“, erinnert er sich, „es gab nur kommerzielle Daten.“

Jérôme Gasperi, Geophysiker und Gründer von SnapPlanet

Als die ESA begann, Erdbeobachtungsdaten für die Entwicklung von Anwendungsfällen bereitzustellen, änderte sich das. Und so gründete Jérôme im Frühjahr 2016 SnapPlanet ausgehend von der Idee, aktuelle Aufnahmen von der Erdoberfläche über eine mobile App auf einfache Weise öffentlich zugänglich zu machen. „Ich finde, Frankreich ist ein gutes Pflaster, um ein Start-up zu gründen“, meint Jérôme. „In den letzten Jahren ist viel getan worden, um das Firmengründungsverfahren zu verbessern. Das macht es einfacher, selber ein Unternehmen auf die Beine zu stellen.“ Unterstützung bei der Gründung von SnapPlanet leisteten Jérôme die CNES und die Europäische Kommission über den von ihr geförderten Wettbewerb „Copernicus Masters“.

Bei seiner Präsentation im Start-up-Village des internationalen Raumfahrtforums Toulouse Space Show erhielt SnapPlanet hervorragendes Feedback. Diese Erfahrung bestärkte Jérôme in seiner Überzeugung, dass die App ein enormes Potenzial in sich birgt. Offensichtlich war er zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

„In Toulouse gibt es eine große Raumfahrt-Community“, so Jérôme, „sodass wir leicht die richtigen Mitarbeiter finden.“ Besonders in den letzten Jahren hat sich Jérômes Geburtsstadt Toulouse in und außerhalb von Frankreich einen Ruf als „Technopole“, ein französisches Hightech-Zentrum, erarbeitet. Schon in den 70er-Jahren hatte die französische Regierung beschlossen, die Hauptstadt der südfranzösischen Region Occitanie zu einem Zentrum für Luft- und Raumfahrt auszubauen. „Es begann mit Airbus, und heute befindet sich die gesamte Raumfahrtindustrie in Toulouse.“

Gewinner des SAP-ESA Space App Camp

2016 bewarb sich SnapPlanet schließlich beim Space App Camp, einem von der SAP und der ESA veranstalteten jährlichen Wettbewerb, für den Start-up-Unternehmen Apps zur Nutzung von Erdbeobachtungs- und Geschäftsdaten auf der Grundlage der SAP Cloud Platform entwickeln. Diese Apps sollen beispielhaft zeigen, wie diese Art von Big Data für neue Lösungen und Anwendungsfälle in unterschiedlichsten Branchen und Sparten ausgeschöpft werden kann.

Bei der Vorbereitung auf das Space App Camp arbeitete Jérôme zum ersten Mal mit Experten der SAP zusammen. „Das waren extrem nette Leute“, meint er anerkennend, „sie haben mir zugehört und wirklich bei allem geholfen. Damals kannte ich die SAP Cloud Platform noch nicht, also habe ich zum Einstieg erst einmal ein Webinar über diese Plattform und wie man damit Apps entwickelt absolviert. Die SAP-Experten hatten eine absolut positive Einstellung zum Projekt.“

Aus gutem Grund: SnapPlanet gewann das Space App Camp, und es besteht die Absicht, das Start-up in das Programm SAP Startup Focus aufzunehmen.

Nächster Schritt: ein tragfähiges Geschäftsmodell entwickeln

SnapPlanet ist derzeit frei zugänglich. Das heißt aber nicht, dass Jérôme etwas dagegen hätte, letztlich mit seiner Erfindung Geld zu verdienen. Genau genommen widmet er sich 2017 dem Aufbau eines tragfähigen Geschäftsmodells für SnapPlanet. „Ich habe nicht mit Anwendungsfällen begonnen, sondern mit einer Idee für eine App. Das Jahr 2016 haben wir mit dem Entwickeln der mobilen App verbracht. Nachdem ich jetzt auf die Entscheidung in Bezug auf das Startup-Focus-Programm der SAP warte, kann ich mich auf den betriebswirtschaftlichen Teil konzentrieren.“

Ursprünglich als B2C-Szenario gedacht, erfreut sich SnapPlanet inzwischen des Zuspruchs einer wachsenden Benutzergemeinschaft, die mit der App Beobachtungen erfasst und diskutiert. So dient sie in vielen Fällen tatsächlich als Lehrmittel. „Ich möchte es den Fachleuten erleichtern, Bilder von unserem Planeten zu teilen, damit sie darüber diskutieren können, was gegenwärtig in den unterschiedlichsten Teilen der Erde passiert. Damit wir alle beobachten können, wie sich unser Planet verändert, damit wir die Auswirkungen der Erderwärmung oder von Kriegen und Konflikten selbst sehen können – aber auch, um ein paar aktuelle Bilder vom nächsten Urlaubsziel anschauen zu können.“ Zu diesen Zwecken muss SnapPlanet neueste Aufnahmen der Erdoberfläche abrufen und bereitstellen können. Dadurch kann nicht nur der Status quo beobachtet, sondern auch die jeweilige Veränderung erkannt werden.

Nach Aussagen von Jérôme stößt SnapPlanet unter Wissenschaftlern auf sehr gute Resonanz. „Unter den Plattformbenutzern sind professionelle Biologen oder Geologen. Ich erhalte Anfragen zu bestimmten Bildern und dem, was sie genau darstellen. SnapPlanet ist für viele als Ausbildungsplattform interessant.“

Als Whistleblowing-App die Rodung des Regenwalds überwachen

Als Änderungsmeldungsanwendung könnte SnapPlanet sogar für Sicherheitszwecke oder als Whistleblowing-App genutzt werden. NGOs wie etwa Greenpeace könnten die App verwenden, um den Amazonas-Regenwald und dort vor sich gehende Rodungen zu überwachen. Entdeckt das System eine größere Veränderung in den Aufnahmen, könnte dies darauf hinweisen, dass vor Kurzem größere Waldflächen abgeholzt wurden.

Nun steht die Eintragung von SnapPlanet als Unternehmen bevor. Und Jérôme nahm jüngst einen User-Experience-Designer unter Vertrag, der die SnapPlanet-Plattform so gestalten soll, dass sie für unterschiedlichste Benutzer einfacher zugänglich ist. „Es geht uns darum, dass Benutzer mit verschiedensten Hintergründen selbst sehen können, was gegenwärtig auf der Erde passiert, und sie für die Vorgänge auf unserem lebenden Planeten zu sensibilisieren.“

Hier geht’s zur mobilen Weltraum-App

Förderung der Innovation, offenes Netzwerk für den digitalen Wandel und Selfies aus dem Weltraum

Möchten Sie mit Ihrem Start-up nächstes Jahr der Gewinner des SAP-ESA Space App Camp sein? Auf der SAPPHIRE NOW hatten die Besucher die Gelegenheit am Stand des SAP Center for Digital Leadership, mit SnapPlanet, dem Preisträger des Space App Camp 2017, Bilder aus dem Weltall zu machen. Das Team des SAP Center for Digital Leadership arbeitet im Rahmen seiner laufenden Kooperation mit der ESA mit Start-ups aus der Raumfahrtindustrie zusammen, die neue Geschäftsmodelle entwickeln und fördern. Aus dieser Kooperation ist unter anderem der SAP-Service Earth Observation Analysis hervorgegangen. Bei diesem Service werden Erdbeobachtungsdaten genutzt, um Naturkatastrophen wie etwa Erdrutsche und Überschwemmungen zu erforschen und entsprechende vorausschauende und vorbeugende Maßnahmen zu treffen. SAP-Kunden wird damit Zugriff auf neue Technologien und intelligente Satellitendaten gegeben. Somit trägt der Service dazu bei, dass Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil erlangen, neue Jobs im Hightech-Sektor entstehen und das Leben der Menschen verbessert wird.

Die Mission des SAP Center for Digital Leadership ist es, als Katalysator für den digitalen Wandel bei der SAP zu wirken und Führungskräfte und deren Organisationen zu befähigen, hierbei eine Vorreiterrolle einzunehmen. Als eines der drei wichtigsten Digital Centers für Führungskräfte weltweit fördert das SAP Center for Digital Leadership mit über 150 Kundenmeetings auf oberster Leitungsebene und Events und Tools die digitale Transformation und richtet sich dabei primär an CEOs, CIOs und CDOs.

www.sap.com/digitalleadership

Bildquellen: Jérôme Gasperi, Shutterstock

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