Software für Logistik-Netzwerke

Feature | 25. Oktober 2010 von Wolfgang Müller 0

Software für Logistiknetzwerke (Foto: BASF)

Mit SAP SNC komplexe Logistik-Netzwerke managen (Foto: BASF)

Bestellungen verfolgen, Liefertermine hinzufügen, Aufträge exportieren: Verändertes Konsumverhalten und der globale Wettbewerb stellen Unternehmen heute vor vielfältige Herausforderungen, wenn es um die Planung ihrer logistischen Abläufe geht. Die Anzahl der externen Partner in den Beschaffungsprozessen steigt rasant und der Überblick fällt zunehmend schwerer.

Lineare Lieferketten werden zu vielschichtigen Logistiknetzwerken. Handelspartner mehrerer Ebenen müssen miteinander verbunden und ein reibungsloser Informationsfluss zwischen allen Beteiligten gewährleistet werden. Vor diesem Hintergrund gewinnt die transparente Steuerung der logistischen Abläufe im Zusammenspiel mit Abnehmern und Lieferanten immer größere Bedeutung.

Lieferanten arbeiten zusammen

Branchenunabhängig findet die Lieferanten-Kollaboration auf verschiedenen Ebenen statt: Auf der strategische Ebene werden zwischen den Partnern gemeinsame Entscheidungen bei strategischen Themen getroffen – etwa bindende Vereinbarungen von Produktionskapazitäten, gemeinsames Produktdesign oder langfristige Preisvereinbarungen. Auf der taktischen Ebene teilt man Vorschaudaten, Produktions- und Transportpläne miteinander.

In diesen Bereich fällt auch die Zusammenarbeit bei mittelfristigen Kapazitäten, Stücklisten und Lagerbeständen, Materialverfügbarkeit oder Kontraktvereinbarungen. Auf der operativen Ebene schließlich findet für einen kurzfristigen Zeitraum der Austausch von Bestellungen, Produktionsaufträgen, Rechnungen oder Gutschriften statt.

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Mit SNC können sich Logistikzentren intelligent vernetzen (Foto: BASF)

Mit SNC können sich Logistikzentren intelligent vernetzen (Foto: BASF)

Entlastung der Einkäufer

Mit Hilfe der Anwendung SAP Supply Network Collaboration (SNC), die das ERP- und das SCM-System erweitert, lassen sich diese Ziele unterstützen. Besonders für Mittelständler und größere Unternehmen aus der Prozess- und Fertigungsindustrie ist diese Kollaborationslösung sinnvoll. Sie entlastet auch die Einkäufer im Alltagsgeschäft: Diese müssen nicht mehr jeden einzelnen Bestellvorgang auslösen, da die Lieferanten selbstständig ihre Warenanlieferung organisieren.

Gleichzeitig können die Disponenten nun Sicherheitsbestände passgenau auf die saisonalen Abverkaufssituationen einstellen. Die Einsatzmöglichkeiten der Anwendung sind dabei vielfältig: Auf Kunden- und Lieferantenseite kann sie eigenständig genutzt oder nahtlos in Backend-Lösungen von SAP eingebunden werden. Auch die gemeinsame Verwendung in einer Hosting-Umgebung ist möglich.

Datentransparenz ermöglicht aktive CSR-Politik

Verbesserung der Kapazitätsauslastung, schnellerer Order-to-Cash-Zyklus, höhere Umschlagshäufigkeit und eine Erhöhung der Liefertreue sind die Vorteile auf Lieferantenseite beim Einsatz von SAP SNC. Hinzu kommen: Harmonisierte Einkaufsprozesse mit verbesserten Konditionen, Vermeidung oder frühzeitiges Erkennen von Lieferengpässen, Verbesserung des Servicegrades, Reduzierung der Anzahl von Eilaufträgen und Senkung der Transportkosten.

Die hohe Datentransparenz durch die Echtzeit-Zusammenarbeit mit Lieferanten und Kunden ermöglicht das Betreiben einer aktiven und nachhaltigen CSR-Politik (Corporate Social Responsibility). Und schließlich kann die Lagerhaltung reduziert werden. SNC-Anwender sprechen dabei von einer Senkung der Lagerkosten zwischen 30 und 70 Prozent.

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Einbindung per EDI oder Webinterface

Für die Einbindung in das Supplier-Netzwerk gibt es verschiedene Möglichkeiten: Wenn vorhanden, kann auf eine EDI-Infrastruktur (Electronic Data Interchange) aufgesetzt werden. Aber auch ein Austausch der Daten, die im offenen XML-Format vorliegen, per Dateitransfer oder E-Mail ist möglich. Und schließlich wird für kleinere Partner ohne EDI-Infrastruktur oder eigenes SAP-System ein Webinterface angeboten. Alles, was zur Nutzung der Anwendung benötigt wird, sind ein Internetzugang und ein Webbrowser.

Je nach Unternehmensgröße, Bestellrhythmus und -volumen ist somit eine individuelle Zusammenarbeit möglich. Alle Beteiligten können auf diesem Weg Lieferplan-Aktualisierungen einsehen und bestätigen, verschiedene Versionen vergleichen und im Falle eines Warenausgangs Lieferavise generieren, um ihre Kunden frühzeitig über geplante Lieferungen zu informieren. Der Abrufprozess ist dabei bei Bedarf vollständig in bereits bestehende Anwendungen von SAP ERP und SAP APO integrierbar.

Bedienung per Web-Oberfläche

Im Backend-System von Kunden angelegte Bestellungen werden über SAP Supply Network Collaboration direkt an die Lieferanten übermittelt. Auf der Web-Oberfläche der Anwendung können diese dann den Status der Bestellungen verfolgen, Anmerkungen lesen bzw. hinzufügen oder Aufträge in gängige Dateiformate exportieren.

Auf die gleiche komfortable Weise können Liefertermine und -mengen bestätigt sowie Lieferavise und -bestätigungen an das Backend-System des Kunden gesendet werden. Im Rahmen dieser Funktion werden die Lieferanten auch bei der Verpackung sowie bei der Gestaltung und dem Druck von Etiketten unterstützt. Diese können Daten zu mehrstufigen Verpackungshierarchien, Handling-Units und Barcodes enthalten.

Die Anwendung übermittelt derartige Daten in Zusammenhang mit Lieferavis-Mitteilungen automatisch an Kundensysteme. Die Prozesse rund um die Lieferantenabrechnungen laufen ebenso automatisch ab wie die Buchung von Gut- und Lastschriften. Über den Zahlungs- oder Rechnungsstatus kann man sich jederzeit via Web oder in Papierform informieren.

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Voraussetzungen für SAP SNC

Voraussetzung für den Einsatz von SAP SNC ist das Vorhandensein eines SAP ERP-Systems und der SAP NetWeaver Process Integration (SAP NetWeaver PI) Technologie für den Datenaustausch zwischen SAP- und Fremdsystemen. Diese Systeme werden allerdings nur bei dem Unternehmen benötigt, von dem die Kollaboration initiiert wird. Lieferanten und Kunden benötigen kein SAP-System für den Datenaustausch.

Durch die Verwendung offener Businessstandards ermöglicht die NetWeaver PI die Bündelung aller internen und externen Systemschnittstellen in einer einzigen Steuerungskomponente mit vielen umfangreichen Monitoring-Funktionen. Wenn ein Unternehmen mit mehreren Standorten dort jeweils ein eigenes ERP-System betreibt, benötigt es trotzdem nur eine einzige zentrale SNC-Anwendung. Dort fließen alle Daten zusammen und werden konsolidiert.

Prototyp demonstriert Möglichkeiten

Während SAP SNC in den USA bereits recht weit verbreitet ist, setzen es hierzulande erst relativ wenig Unternehmen ein. Um die Möglichkeiten dieser Lösung, die sowohl in Verbindung mit SAP SCM mit all seinen Modulen als auch stand-alone in einer schlanken Variante genutzt werden kann, zu demonstrieren, hat BASF IT Services einen Prototypen auf der Basis von SAP SNC Version 7.0 entwickelt.

Er deckt die wesentlichen Geschäftsprozesse ab und kann später beim Kunden auch dazu genutzt werden, den nicht unerheblichen Customizing-Aufwand zu reduzieren. Dieser Best-Practice-Ansatz erleichtert die Arbeit beträchtlich. Mehr als zehn vordefinierte Lösungen – darunter Bestellabwicklung, dynamische Wiederbeschaffung oder ein vom Lieferanten gesteuertes Lager – ermöglichen fast jedes erdenkliche Szenario und verkürzen die Implementierungszeit.

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