So bleibt der CIO wichtig

5. Dezember 2012 von Susan Galer 0

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1. Analysen betreiben

Zu den wichtigsten Qualifikationen eines CIO zählen heute nach Einschätzung von Josh Greenbaum, Chef von Enterprise Applications Consulting, fundierte Kenntnisse in statistischer Analyse. „Unternehmen müssen untersuchen, wie sie sich das Potenzial statistischer Analysen zunutze machen und damit ihre Abläufe optimieren können. Dabei können CIOs eine Führungsrolle übernehmen. Dann ist der CIO nicht mehr nur für die betrieblichen IT-Systeme zuständig, sondern hat eine strategische Position inne“, erläutert er.

Angesichts extrem dynamischer Geschäftsmodelle – insbesondere in der Konsumgüterindustrie – sehen sich CIOs zunehmend gezwungen, die Rolle des Visionärs zu übernehmen. Nach Ansicht von Evan Quinn, Branchenanalyst bei ESG, müssen CIOs ihren Blickwinkel nach außen verlagern. „Sie müssen analysieren, wie ihre Mitbewerber, ihre Branche und ihr Unternehmen agieren. Sie müssen wissen, welche interessanten IT-Kompetenzen es außerhalb ihres Unternehmens gibt. Dann können sie eine interne Bestandsaufnahme machen und eine Strategie für die Zukunft entwickeln.“

2. Technologien einbinden

Unternehmen stehen heute völlig neue Technologien wie mobile Lösungen, Cloud-Lösungen und Echtzeitanalysen zur Verfügung, die die Rolle des CIO grundlegend verändern. CIOs sind deshalb gefordert, diese Technologien auf strategische Weise mit den Geschäftsabläufen zu verknüpfen, damit ihr Unternehmen diese Innovationen möglichst gewinnbringend nutzen kann.

Nach Einschätzung von Quinn läutet diese Entwicklung das Zeitalter des Enterprise 2.0 ein und ermöglicht es Unternehmen, ihren Kunden und Partnern mithilfe von IT Mehrwert zu bieten. „Integrierte Technologien definieren das Konzept von Anwendungen neu. Es gibt bereits Anwendungen im Stil der Amazon-Plattform, die die Funktionen sozialer Netzwerke, Transaktionen und Analysen großer Datenmengen in sich vereinen, mehrere Sprachen und Währungen unterstützen und Echtzeitprozesse ermöglichen.“

 3. Innovationen im Budget berücksichtigen

Wenn es CIOs nicht gelingt, neue Technologien zügig und innerhalb der Budgetvorgaben einzuführen, mangelt es ihnen im Unternehmen an Glaubwürdigkeit und damit an Rückendeckung für andere Vorhaben. „Der CIO muss mit den neuesten Trends Schritt halten“, betont Quinn. „Dazu gehört auch, dass er die Produktlandschaft rund um Technologien wie SAP HANA versteht, mit denen Unternehmen bessere Ergebnisse erzielen können.“

Greenbaum ist fest davon überzeugt, dass die zunehmende Verbreitung von intelligenten, mit Sensoren ausgerüsteten Geräten bestehende Geschäftsmodelle drastisch verändern wird. Technik ist aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken – von Sensoren in tragbaren Geräten und intelligenten Parksystemen über Kleidung, Papier und Stifte bis hin zu Haushaltsgeräten aller Art. Auch CIOs müssen dieser Tatsache Rechnung tragen.

„Die Frage, ob wir in Netzwerken wie Facebook und Twitter aktiv sein wollen, ist relativ einfach zu beantworten. Ob wir hingegen unsere Produkte mit Sensoren mit RFID-Chips ausstatten und was wir mit diesen erfassten Informationen machen, wirft für CIOs wesentlich komplexere Fragen auf“, resümiert er.

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4. Soziale Netze nutzen

Die Konzepte der Interaktion und Zusammenarbeit – intern wie auch extern – gehören zu den zentralen Fragestellungen, mit denen sich CIOs befassen müssen. „Eine der wichtigsten Aufgaben von CIOs in den nächsten fünf Jahren besteht darin herauszufinden, wie sich soziale Medien in einen Kontext bringen lassen, der nicht nur ein zum Scheitern verurteiltes Experiment, sondern eine Erfolgsinitiative darstellt“, so die Prognose von Greenbaum.

Greenbaum konstatiert außerdem, dass IT-Kosten infolge der zunehmenden Nutzung von Cloud-Modellen für Unternehmen keine Investitionskosten, sondern vielmehr Betriebskosten darstellen. Damit steht dem CIO ein größeres Budget für Innovationen zur Verfügung. Er warnt jedoch zugleich auch vor einer Innovationsmüdigkeit: „Der CIO muss eine Vielzahl von guten wie schlechten Ideen prüfen, deren Umsetzung Geld erfordert. Er muss den laufenden Betrieb aufrechterhalten und dabei aber auch auf dem neuesten Stand der Innovation bleiben.“

 5. Entscheidungen gemeinsam treffen

Innovationen wie das Cloud Computing und Mobiltechnologien lassen Softwarelösungen entstehen, die direkten Nutzen für Entscheidungsträger in den einzelnen Geschäftsbereichen eines Unternehmens mit sich bringen. Diese Dynamik verändert die Beziehungen zwischen dem CIO und internen Anspruchsgruppen nachhaltig. Nach Einschätzung von Steve Romero, President von Romero Consulting, erwarten viele Unternehmen, dass sich der CIO und die IT-Abteilung einfach heraushalten, während das Unternehmen einseitige Entscheidungen zum Kauf von IT-Lösungen trifft – zumindest so lange, bis CIO und IT-Abteilung wieder gebraucht werden, um sich um die operativen, wartungs- und sicherheitstechnischen sowie servicerelevanten Fragen zu kümmern, die zwangsläufig mit der Einführung der neuen Technologien verbunden sind.

Deshalb lautet seine Aufforderung an alle, die Einführung neuer Technologien im Rahmen formeller Governance-Prozesse gemeinsam zu tragen. „Es geht nicht nur darum, den Mitarbeitern attraktive Smartphones zur Verfügung zu stellen, sondern das Unternehmen ist auch für die Sicherheit, den Service, die Verfügbarkeit, Compliance und Zuverlässigkeit dieser Geräte zuständig. Die IT wiederum muss offen für die Anforderungen des Unternehmens sein“, erläutert er.

Michael Krigsman, Geschäftsführer von Asuret, ist ebenfalls der Auffassung, dass Unternehmen ihren CIOs den Respekt entgegenbringen müssen, der einem echten Partner gebührt: „Man sollte die IT als Geschäftspartner behandeln. Die IT darf nicht als überflüssig betrachtet werden.“

Romero warnt davor, die Budgetgröße als Indikator für die Macht eines CIO zu verstehen. „Mir ist es egal, wer für das Budget verantwortlich ist. Wichtiger ist, ob gute Entscheidungen getroffen werden. Keine Gruppe in einem Unternehmen sollte über die alleinige Kontrolle verfügen. Mit einer guten IT-Governance sind das Unternehmen und die IT gemeinsam für Entscheidungen verantwortlich, und die IT verfügt über die Mittel zur Umsetzung dieser Entscheidungen“, so sein Fazit.

 

 

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